"Plötzlich lag er im Gras"
Werders Talent John Jairo Mosquera muss nach Herzstillstand reanimiert werden - er entrinnt nur knapp dem Tod
Von unserem Redakteur
Olaf Dorow
NORDERNEY·GIFHORN. Beim Mittagessen erfuhr es die Mannschaft. "Wir waren geschockt", sagt Kapitän Frank Baumann, "das ist schon heftig, so etwas zu hören." Nicht nur den Werder-Profis wird es so gegangen sein mit dieser Nachricht aus Gifhorn. Dort liegt der Stürmer John Jairo Mosquera auf der Intensivstation des örtlichen Krankenhauses. Er ist wieder ansprechbar - aber er ist nur knapp dem Tod entronnen.Mosquera, ein 19 Jahre altes Talent aus Kolumbien, ist ein Werder-Profi, ausgestattet mit einem Vertrag bis 2009. In Bremen kann er kaum Spielpraxis sammeln.
Fürs A-Team reicht es noch nicht. Im Team der Amateure darf er laut FIFA-Statuten als junger Nicht-EU-Ausländer nicht eingesetzt werden, was Werders Sportdirektor Klaus Allofs für "keine tolle Regelung" hält.Also verleiht ihn Werder. Erst nach Dänemark, für das vergangene Jahr dann nach Burghausen. Seit Sonnabend testet Carl Zeiss Jena den Angreifer. In dieser Woche sollte über ein Ausleihgeschäft mit dem vom Ex-Werderaner Frank Neubarth trainierten Zweitligisten gesprochen werden.Das Geschäftliche wurde gestern früh unwichtig. Am Morgen brach John Jairo Mosquera in Wesendorf bei Gifhorn, dem Jenaer Trainingslager, während einer Laufeinheit zusammen. Er war bewusstlos. "Plötzlich lag er im Gras", schilderte ein Augenzeuge unserer Zeitung.
Ein Pkw brachte ihn zur Versorgung ins Mannschaftshotel. Kurz vor der Ankunft im Hotel stand das Herz des Stürmers still. Er musste reanimiert werden. Die schnelle Reaktion des Jenaer Co-Trainers Olaf Holetschek, der sofort Mannschaftsarzt Heribert Zitzmann alarmierte, rettete Mosquera vermutlich das Leben.Zitzmann und Götz Dimanski, der Werder-Arzt, stehen seitdem in telefonischem Kontakt. "Es geht ihm im Augenblick gut. Er ist normal ansprechbar und er gibt keinerlei Beschwerden an. Nun müssen wir die Ursachen abklären", meldete aus Gifhorn der Chefarzt Rüdiger Wacker.
"Wir sind überglücklich, dass der Junge über den Berg ist. Das ist das Wichtigste", sagte Jenas Trainer Neubarth.Das Mosquera-Drama, das gestern mit einem Happy-End ausging, ruft Erinnerung an die traurige Geschichte um Kameruns Nationalspieler Vivien Foé hervor. Am 26. Juni 2003 gab es kein Happy-End. In der 72. Minute des Halbfinales im Confederation-Cup gegen Kolumbien brach Foé im Lyoner "Stade Gerland" zusammen. Man konnte ihn nicht mehr reanimieren, Foé starb an Herzversagen."Die Spieler werden ständig untersucht, aber eine absolute Sicherheit gibt es nicht", sagt Allofs.
Auch Mosquera sei untersucht worden, trotzdem sei es passiert. "Er ist ein Spieler, der bei uns unter Vertrag steht, dementsprechend werden wir uns kümmern", kündigte der Manager an. Zunächst warte man auf die noch zu diagnostizierende Ursache für den Herzstillstand bei dem Stürmer.Mosquera hat nun mit 19 schon durchlebt, was eigentlich für ein ganzes Leben langt. Der Kolumbianer war der Armut entflohen, um sich und seiner Familie einen sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Schon mit 16 spielte er in Argentinien, kurzzeitig sogar mal in Moldawien. Er will es schaffen, unbedingt, am besten in der Bundesliga und bei Werder. Aber Glück und Unglück liegen im Fußball sehr dicht beieinander. Manchmal viel zu dicht.
Weser Kurier vom 05.07