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Miro ist schon der coolste.
"Podolski ist nicht die Nummer eins"
Der SV Werder Bremen und Topstürmer Miroslav Klose (27) sind voll im Plan. Auf Norderney bereiten sich die Hanseaten vor, Konturen der neuen Elf zeichnen sich ab. Im Interview spricht der Torjäger über die Nationalmannschaft, Werders Neuzugänge und die Ziele für die neue Saison.
Will zurück auf den Platz: Nationalstürmer Miroslav Klose.
kicker: Sie schauen so gedankenverloren nach den Hobbykickern in den Weser-Auen. Wann haben Sie zum letzten Mal den Ball berührt, Miroslav Klose?
Miroslav Klose: Gerade beim Reha-Programm, bei Stabilitätsübungen. Und gestern habe ich bei den Amateuren im Kreis mitgespielt.
kicker: Okay, aber was macht das richtige Fußballspielen? Haben Sie Sehnsucht nach dem Ball?
Klose: Ich fiebere dem entgegen, freue mich auf nichts anderes.
kicker: eim Trainingsstart waren Sie angekündigt, Sie fehlten. Dann fuhren Sie ins Trainingslager nach Norderney und reisten wieder ab. Wie ist denn nun der Stand der Dinge?
Klose: Ich liege voll im Plan. Nach meiner Knieoperation hieß es, nach vier bis sechs Wochen könnte ich wieder einsteigen. In der sechsten Woche könnte ich richtig mit dem Ball arbeiten. Nun beginnt erst die fünfte Woche.
kicker: Hatten Sie Bedenken, zu früh wieder anzufangen? Klose: Das ist das Schlimmste, was mir passieren könnte. Ich darf noch nicht sprinten, darf noch keinen Torschuss machen. Ich muss Geduld haben.
kicker: Was sagen die Ärzte? Wie soll es weitergehen?
Klose: Ins Trainingslager nach Schruns zu fahren, dies ist realistisch.
kicker: Also keine Sorge, den Bundesliga-Start zu verpassen?
Klose: Nein, auf keinen Fall.
kicker: Von Ihnen weiß man, dass Verletzungen Sie schnell aus der Bahn werfen. Nun dieser Start in die WM-Saison . . .
Klose: . . . aber ich hatte keine andere Wahl. Die Geschichte mit dem Fettkörper und der Schleimhautfalte im rechten Knie hat mich vier, fünf Monate behindert. In der Rückrunde war ich nicht richtig fit. Ich konnte nicht richtig schießen, nur mit der Innenseite. Gemeinsam mit dem Doktor und Thomas Schaaf haben wir uns somit für den Eingriff entschieden.
kicker: Als Konsequenz sahen Sie den Confed-Cup nur als Zuschauer. Was sagen Sie zur Nationalelf?
Klose: Sie hat einiges geleistet. Ich war oft live dabei, war im Quartier. Der Teamgeist wird immer besser. Ich vergleiche ihn schon mit 2002, als das Zusammengehörigkeitsgefühl unsere Stärke war. Jeder läuft für den anderen, der eine kann sich auf den anderen verlassen.
kicker: Was ist Klinsmanns Geheimnis?
Klose: Richtig gut gefällt mir, wie es bei Ballbesitz nach vorne geht, wie er Pressing verlangt.
kicker: Um die offensive Ausrichtung gab es einen Richtungsstreit. Was ist Ihre Meinung?
Klose: Das schnelle Umschalten nach vorn klappt schon. Mängel haben wir, wenn es in die andere Richtung geht, wenn wir von Angriff auf Abwehr umschalten müssen. Probleme, dass alle hinter den Ball kommen, vor allem nach unnötigen Ballverlusten. Da können wir beispielsweise viel von den Mexikanern lernen, die in dieser Beziehung vorbildlich agiert haben.
kicker: Sind Sie von Ihrem jungen Kollegen Podolski fasziniert?
Klose: Ich freue mich für ihn, freue mich für die Elf. Es ist wichtig, dass wir vier, fünf gute Stürmer haben. Und der Vorteil dabei: Jeder kann mit jedem zusammenspielen.
kicker: Sie waren zuletzt nicht dabei. Ist Podolski die Nummer eins?
Klose: Nein, er ist nicht die Nummer eins. Es gibt keine Nummer eins oder zwei.
kicker: Sie gehen davon aus, dass Sie weiterhin zur ersten Wahl in der Nationalelf zählen?
Klose: Ich brenne richtig darauf, wieder dabei zu sein. Und ich weiß, was ich kann, weiß, dass ich immer spielen werde.
kicker: Mit Podolski im ersten Sturm?
Klose: Warum nicht? In Slowenien haben wir gemeinsam gespielt.
kicker: Podolski und Kuranyi, Asamoah und Hanke, Brdaric - wie empfinden Sie die Konkurrenz?
Klose: Ich bin es gewohnt - fast so wie bei Werder. Ich bin froh darüber. Das beflügelt mich. Ich muss mich jeden Tag beweisen, so werde ich noch stärker. Natürlich bin ich gut. Doch ich will besser werden, bei Werder und in der Nationalelf. Ich trete nicht auf der Stelle. Die neue Saison wird einen Schub bringen.
kicker: Noch verletzt und doch so selbstbewusst. Wieso?
Klose: Aus jedem Loch bin ich bisher gestärkt wieder heraus gekommen in der Vergangenheit. Das wird auch dieses Mal der Fall sein. Ich werde in den ersten Saisonspielen treffen.
kicker: Im Winter behaupteten Sie, die Geburt Ihrer Zwillinge Luan und Noah werde Sie noch stärker motivieren. Ist dies geschehen?
Klose: Ja, meine Jungen haben mich beflügelt. Ich bin ein Mensch, der gewisse Gefühle zeigt, der sich auf die Familie freut. Meine Zwillinge schieben mich an. Die letzten zehn Prozent zur Höchstleistung muss du ohnehin selbst einbringen. Da hilft Dir kein Motivationstrainer.
kicker: Apropos Mentaltrainer: Haben Sie den neu bei der Nationalmannschaft wirkenden Psychologen schon mal aufgesucht?
Klose: Ja, zwei Mal. Nach der Geburt meiner Söhne. Es war wichtig, weil ich zeitweise den Kopf nicht frei bekommen habe und mich nicht optimal auf den Fußball konzentrieren konnte.
kicker: Zu Werder: Was haben Sie gedacht, als der Wechsel Ismaels zu Bayern perfekt war?
Klose: Es war schon bitter, weil Valérien ein Leistungsträger gewesen ist, einer, der was zu sagen hatte im Team, der motiviert hat.
kicker: Wie sind Sie mit der Transferpolitik zufrieden?
Klose: Ganz gut, der Trainer hat sich richtig Gedanken gemacht.
kicker: Einige sagen sogar, der Kader sei in der Breite nun qualitativ sogar noch besser besetzt.
Klose: Das wird sich zeigen. Bisher habe ich von den Neuzugängen nur Gutes gehört. Doch ich mache mir immer lieber selbst ein Bild. Ehrgeizig müssen sie vor allem sein. Und wenn einer nicht mitzieht, dann werde ich ihm die Meinung sagen.
kicker: Das sind aber neue Töne von Ihnen. Vor einem Jahr haben Sie sich noch zurückhaltender gegeben?
Klose: Da war ich auch einer der Neuen. Da sind Jo Micoud oder Frank Baumann zu mir gekommen und haben mit mir gesprochen.
kicker: Wie lauten die Saisonziele?
Klose: Wir wollen wieder vorne rein. Doch vor allem wollen wir wieder in die Champions League. Wir wollen den Leuten beweisen, dass der K. o. gegen Lyon ein Ausrutscher war, ein Tag, der nicht würdig für Werder war