kopfnuss
Während und nach der Aufstiegsfeier in Frankfurt/Main kam es zu erheblichen Polizeieinsätzen. Selbst aussenstehende Journalisten und Augenzeugen berichten schockiert von der Gewalt und der Willkür der Beamten.
diverse Presseartikel:
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FNP vom 22.05.2004
Eintracht gegen Wacker Burghausen, 22. Mai 2005
Leider kalter Aufstiegsjubel
Von Klaus Veit
Liebe Polizisten, die ihr am Sonntag im Innenraum aufmarschiert seid: Schämt Ihr Euch wenigstens ein bisschen? Ja, ihr macht Euren Job, aber müsst Ihr martialisch ausgerüstet mit Schlagstock, Helmen und Handschellen auflaufen? Das Pfefferspray vielleicht noch in den Taschen. So, als ob es gilt, Schwerverbrecher zu fangen. Ist das der angeblich erwünschte Weg der Deeskalation oder ist das Provokation pur?
Wir wünschen Euch, dass Euer verantwortlicher Einsatzleiter möglichst bald einen anderen Job erhält. Euch ist es zu verdanken, dass ein Fußballfest ohne richtige Herzlichkeit und Fröhlichkeit gefeiert werden musste.
Gut, Ihr musstet nun die Regeln schützen, die von der Deutschen Fußball-Liga aufgestellt werden. Aber die sind genauso unsinnig. Irgendwie, sagte selbst das Eintracht-Urgestein Charly Körbel, gehören nach einem Aufstieg feiernde Fans auf dem Rasen dazu.
Das Argument, die Fans hätten sich verletzen können, wenn sie aufs Feld gestürmt wären, ist nicht stichhaltig. Schließlich ist diese Arena gerade neu erbaut worden, wohl nach den neuesten Sicherheitsbestimmungen. Die Fluchttore Richtung Spielfeld sind gerade dazu da, dass selbst im Falle einer Panik die vielen Menschen in die Mitte strömen können. Dann Verletzungsgefahr? Das wäre gefährlicher Pfusch am Bau im doch schönsten und größten Cabrio der Welt.
Hintergrund der unsinnigen Aktion war wohl mehr, dass schöne, saubere TV-Bilder gedreht werden können. «Filter-Fußball» quasi. Emotionen? Nebensache! «Etwas kalt» wirkte auf Körbel der Aufstiegsjubel. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Außer ein «Hut ab» in Richtung Fans, die den Polizeiaufmarsch zwar mit berechtigten Pfiffen quittierten, aber sich nicht provozieren ließen.
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Neue Presse, 23.05.2005
Die Stimmung war unglaublich, gestört lediglich von einem völlig unangemessenen Polizeieinsatz. Gleich mehrere Hundertschaften marschierten auf und die ausgelassene Stimmung schien zu kippen. "Die Feier hat durch diese Sache einen faden Beigeschmack", sagte Eintrachts Rekordspieler Karl-Heinz Körbel, der wie alle anderen im Stadion die Reaktionen der Ordnungshüter nicht verstehen konnte. Doch beim Abpfiff überwog dann wieder der Jubel.
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FNP vom 24.05.2005
Polizei-Aktion stört die Feiern der Fans
Von Klaus Veit
Frankfurt. Am Tag nach dem Aufstieg war es verdammt ruhig bei der Frankfurter Eintracht. Manche Spieler und Mitarbeiter hatten sogar ihre Handys ausgeschaltet. Verständlich, denn ein Großteil der Feierlichkeiten dauerte bis zur totalen Erschöpfung. Luftholen bis Dienstag hatte Trainer Friedhelm Funkel natürlich seinen Spielern erlaubt. Denn heute stellt sich die Eintracht erstmals als neuer Erstligist ihren Anhängern vor. Sie tritt um 18.30 Uhr beim Oberligisten KSV Klein-Karben an, ehe es dann in den verdienten, vierwöchigen Urlaub geht. Auch Andree Wiedener, der gestern seinen neuen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieb.
Nicht nur die Spieler, auch viele Tausend Fans wollten den Sonntagabend zu ausgelassenen Feiern nutzen. Im Amüsierviertel Sachsenhausen zeigte sich dabei allerdings die Polizei, wie bereits nachmittags im Stadion, als Spielverderber. «Total überzogen» waren wohlwollende Kommentare von Augenzeugen. Andere berichteten von einer «Hetzjagd auf alle, die sich in den Gassen aufhielten» und sahen «Leute, die sich mit erhobenen Händen an die Wand stellten, um damit zu signalisieren, dass sie keinen Ärger wollten. Die Polizei hatte nichts besseres zu tun, als auch auf diese Leute einzudreschen». Auch Frauen seien nicht verschont worden.
Bereits am Nachmittag hatten Beamte, die in den Eintracht-Fanblock eingedrungen waren, durch ihr unüberlegtes Handeln für großen Ärger gesorgt. Durch den Einsatz von Reizgas sollen 35 Anhänger verletzt worden sein. Zuvor hatte anscheinend bei einer Rangelei ein Ordner einen Schneidezahn verloren. Erst das beherzte Dazwischengehen einiger Spieler Stefan Lexa forderte beispielsweise die Beamten mit deutlichen Worten auf, den Block zu verlassen konnte die Situation beruhigen.
Wie es zu den Auseinandersetzungen in Sachsenhausen kam, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Einsatzleiter Jürgen Moog begründete das Geschehen auf einer Pressekonferenz am Montag so: Die Polizei sei wegen einer Kneipenschlägerei gerufen worden. Als die Beamten nach 20 Uhr in Sachsenhausen eingetroffen waren, seien sie sofort mit Flaschen und anderen Gegenständen beworfen worden. Eine Polizistin erlitt eine Knieprellung, die Heckscheibe eines Streifenwagens wurde zerstört.
Anwesende Bürger erklärten dagegen, die Polizei sei sofort auf die feiernden Fans draufgegangen, erst dann seien Gegenstände geworfen worden. Dies versicherte auch ein TV-Team, das zufällig am Ort des Geschehens war. Es berichtete von Stockstichen in die Nierengegend und anderen Verfehlungen. Moog war gestern von einem Fehlverhalten der Polizisten nichts bekannt. Auch habe sich «bei uns kein Verletzter gemeldet». Nach 24 Uhr habe sich die Lage beruhigt. Es habe 27 Festnahmen gegeben, neun Personen erhalten eine Anzeige wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch oder wegen Nötigung von Beamten. Moog: «An diesem Abend ist viel Alkohol geflossen.»
Unbestritten ist, dass in Sachsenhausen auch viele Hooligans und gewaltbereite Ultras feierten. Die Polizei schätzte diesen Kreis auf knapp 500 Personen. Moog wies darauf hin, dass Frankfurt die größte Ultra-Szene Deutschlands besitze: «Und die Gewaltbereitschaft steigt.» Auch so verteidigte er den Einsatz im Stadion: «Wenn wir uns nicht mehr in die Blöcke trauen, dann bekommen wir bald italienische Verhältnisse.» Außerdem habe die Pflicht bestanden, den Innenraum des Stadions frei zu halten. Eine Erstürmung sei auch zu gefährlich gewesen: «Die Tore im Zaun sind entgegen der weit verbreiteten Meinung keine Fluchttore. Sie dienen lediglich dazu, um bei Konzerten die Besucher ordnungsgemäß in den Innenraum zu lassen.» Eine Ansicht, die Winfried Nass von der Stadion GmbH mit Hinweis auf die Baurichtlinien vehement zurückweist: «Natürlich sind die Blöcke zur Entfluchtung der Blöcke da.» Seit vielen Jahren müssen Stadien solche Tore besitzen, damit der Druck bei Panik gemildert werden kann.
Rudi Köhler, Fan-Sprecher der Eintracht, hielt sich mit einer ausführlichen Stellungnahme zu den Vorfällen am Montag zurück. Er erklärte lediglich: «Nach meinen Informationen wurde in Sachsenhausen auch auf völlig Unbeteiligte eingeknüppelt.» Der Graben zwischen Polizei und Fans sei größer geworden. Und das an einem Tag, an dem eigentlich alle nur feiern wollten.
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Aus der BILD-Frankfurt vom 24.05.2005:
Der Freudentaumei endete mit Knüppel-Einsatz, 29 Festnahmen, Verletzten.
Von KOLJA GÄRTNER
Nach dem Aufstieg der Eintracht gabs Zoff zwischen Fans und Polizei im Stadion und in Sachsenhausen.
Die Stimmung kippte in der 80. Spielminute. Rund ums Spielfeld zogen 200 Beamte In Kampfmontur auf. Obwohl es keine Gewalt gab, kein verbotenes Feuerwerk. Was geht denn jetzt ab?, fragten sich die Fans. Da die sowieso ein gespanntes Verhältnis zur Polizei haben, war bei vielen die gute Laune hin.
Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt erklärte gestern: Wir mußten verhindern, daß der Platz gestürmt wird. Vorgaben von FIFA und DFL. Der Rasen mußte geschützt werden.
Ergebnis: Sogar die Spieler hatten Probleme, an den Zaun zur Westkurve zu gelangen, mit den Anhängern zu feiern.
Jura-Student Alex (23) aus dem Stehbiock: "Ich war vorne im Block, ein Ordner öffnete ein Tor, Gerangel mit ein paar Idioten. Doch die älteren Ultras haben sie zurückgehalten. Als es schon wieder ruhig war, stürmte ein Polizei-Trupp in den Block. schaffte sich mit Knüppeln Platz. Ein Beamter stolperte oder wurde geschubst. Da hat ein Kollege Pfefferspray gezückt. Alle Leute auf dem Zaun und in der Nähe eingenebelt. Auch ich habe was abgekriegt, mußte in Behandlung.
Die Spieler Stefan Lexa und Alexancker Schur forderten die Pölizei auf, aus dem Block zu gehn. Als sie weg waren Entspannung.
Stunden später krachte es in Sachsenhausen. Die Polizei: Massive Angriffe auf Beamte, als sie um 21h bei einer Schlägerei in der Klappergasse eingriffen."
Fans sagen aber: "Die sind sofort mit Knüppeln und Schilden losgestürmt."
400 gewaltbereite Eintracht-Anhänger hätten den Beamten gegenübergestanden. Ob das 14jährige Mädchen auch dazu gehörte, das von den Polizisten in Gesicht geschlagen wurde? Oder die Eintracht-Anhängerin, die von den Beamten als "blöde Kuh" tituliert wurde? Und die Ankündigung von Polizisten an einer Kneipe Hier geht keiner mehr raus, sonst gibts auf die Schnauze" wirkte sicher auch nicht beruhigend.
Weiss-Bolland: "Die Polizei freut sich über den Eintracht-Aufstieg und ist gerne bereit, auch bei zukünftigen Sielen mit oder ohne Schlagstock aktiv zu werden". Es sollte versöhnlich klingen...
KOMMENTAR:
LIEBE POLIZEI, DAS WAR GEWALTIG ÜBERZOGEN!
Von KOLJA GÄRTNER
Ich bin Eintrachtfan. Ich habe im Stadion gezittert, gejubelt. Doch dann tritt die Polizei auf, als würde jeden Moment ein Bürgerkrieg ausbrechen. Die Freude über den Aufstieg bekam dadurch einen gewaltigen Dämpfer. Bei manchen kippte sie um in Wut. Zugegeben: Unter den Fans sind nicht nur Chorknaben. Doch sie sind auch keine Schwerverbrecher!
Liebe Polizisten, euer Auftritt war gewaltig überzogen! Im Stadion und in Sachsenhausen.
BEHANDELT FANS NICHT WIE FEINDE, DANN SEID IHR AUCH KEINE FÜR SIE.
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aus der Frankfurter Rundschau
Eintracht-Fans werfen der Polizei "Hetzjagd" vor
Schlagstock-Einsatz und Festnahmen bei Tumulten im Stadion und in Sachsenhausen / Polizeipräsident kündigt Untersuchung an
Die Polizei hat ihr hartes Einschreiten nach dem Eintracht-Spiel am Sonntag verteidigt. Viele Fans werfen den Beamten vor, bei den Einsätzen im Stadion und in Sachsenhausen überzogen reagiert zu haben.
VON GEORG LEPPERT
Frankfurt · 23. Mai · Der Aufstieg der Eintracht trage nach den Ausschreitungen in der Fankurve und im Ebbelweiviertel nun einen "leicht bitteren Beigeschmack", sagte Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt am Montag. Der Großeinsatz der Polizei sei notwendig und auch in diesem Ausmaß erforderlich gewesen, erklärte er.
Bereits drei Minuten nach dem Schlusspfiff in der Commerzbank-Arena hatte es Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizisten gegeben. Einige der Anhänger in der Westkurve hätten Ordner bespuckt und geschlagen, berichtete Einsatzleiter Jürgen Moog. Um einen verletzten Ordner aus dem Fanblock in den Innenraum zu transportieren, sei ein Tor zum Spielfeld geöffnet worden. Einige Fans hätten anschließend versucht, dieses Tor offen zu halten, so Moog. Deshalb seien rund 15 Beamte in den Fanblock gegangen. "Es hat dann Rangeleien gegeben, bei denen die Kollegen auch Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt haben", so Moog.
Dabei wurde offenbar mindestens ein Eintracht-Anhänger verletzt. Die Lage entspannte sich erst, als die Eintracht-Spieler Stefan Lexa und Alexander Schur beruhigend auf die Fans einredeten.
Bereits kurz vor dem Spielende waren 200 Polizisten im Innenraum aufmarschiert. Das Aufgebot sei nötig gewesen, um die Fans davon abzuhalten, nach dem Schlusspfiff das Feld zu stürmen, sagte Weiss-Bollandt. Die Eintracht-Fans hatten dieses Auftreten als Provokation gewertet und die Beamten mit Pfiffen begrüßt.
Abends setzten sich die Auseinandersetzungen in Alt-Sachsenhausen fort. In der Klappergasse seien Beamte gegen 21 Uhr mit Flaschen und Gläsern beworfen worden, so Moog. Zudem hätten die Fans einen Streifenwagen beschädigt. Die Polizisten, die 27 Fans festnahmen, hätten auch hier ihre Schlagstöcke einsetzen müssen, so Moog: "Wir durften Sachsenhausen nicht den gewalttätigen Fans überlassen."
Augenzeugen des Einsatzes äußerten sich noch am Sonntagabend entsetzt über das harte Einschreiten der Polizei. "Die haben auf alles geschlagen, was sich bewegt hat", sagte ein Mitglied des Eintracht-Fanclubs "Ultras".
Auch Unbeteiligte seien niedergeprügelt worden. Die Gewalt sei ausschließlich von der Polizei ausgegangen, beklagten Fans im Internet-Foren von Eintracht Frankfurt. "Es hat der Polizei Spaß gemacht, eine Hetzjagd auf uns zu veranstalten", sagte ein Eintracht-Fan, der nicht genannt werden wollte. Weiss-Bollandt kündigte an, die Polizeiführung werde die Vorfälle in Sachsenhausen untersuchen
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aus der Frankfurter Rundschau
KOMMENTAR
Provokation
VON GEORG LEPPERT
Sicherlich hat Polizeidirektor Jürgen Moog Recht: Weder im Stadion noch in Sachsenhausen darf ein rechtsfreier Raum entstehen. Wenn Fußball-Fans Ordner attackieren oder mit Flaschen und Gläsern um sich werfen, müssen die Beamten einschreiten.
Eine taktische Glanzleistung war der Polizeieinsatz am Sonntag aber gewiss nicht. Schon im Stadion hätten sich die Beamten anders verhalten müssen. Fans werten es nun mal als Provokation, wenn 200 Polizisten in voller Montur vor ihrer Kurve aufmarschieren - und ein erfahrener Einsatzleiter wie Moog weiß das auch ganz genau. Wieso er sich trotzdem für dieses massive Auftreten entschieden hat, ist völlig unerklärlich. Das Gros der Polizisten hätte sich auch im Hintergrund bereit halten können - zumal es kaum Anzeichen dafür gab, dass die Fans den Platz stürmen wollten.
Was dann in Sachsenhausen geschehen ist, bedarf einer gründlichen Aufarbeitung seitens der Polizei. Unabhängig voneinander sprechen Augenzeugen von völlig überzogenem Auftreten der Beamten. Man mag Verständnis dafür aufbringen, dass Polizisten unter Stress stehen, wenn um sie herum Flaschen fliegen. Das Recht, wahllos um sich zu schlagen, haben sie aber definitiv nicht.
Sollten Polizisten in Sachsenhausen tatsächlich die Nerven verloren und auf Unbeteiligte eingeprügelt haben, werden sie sich dafür verantworten müssen. Die Polizei sollte ihren Umgang mit Fußball-Fans überdenken - gerade im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in einem Jahr.
diverse Presseartikel:
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FNP vom 22.05.2004
Eintracht gegen Wacker Burghausen, 22. Mai 2005
Leider kalter Aufstiegsjubel
Von Klaus Veit
Liebe Polizisten, die ihr am Sonntag im Innenraum aufmarschiert seid: Schämt Ihr Euch wenigstens ein bisschen? Ja, ihr macht Euren Job, aber müsst Ihr martialisch ausgerüstet mit Schlagstock, Helmen und Handschellen auflaufen? Das Pfefferspray vielleicht noch in den Taschen. So, als ob es gilt, Schwerverbrecher zu fangen. Ist das der angeblich erwünschte Weg der Deeskalation oder ist das Provokation pur?
Wir wünschen Euch, dass Euer verantwortlicher Einsatzleiter möglichst bald einen anderen Job erhält. Euch ist es zu verdanken, dass ein Fußballfest ohne richtige Herzlichkeit und Fröhlichkeit gefeiert werden musste.
Gut, Ihr musstet nun die Regeln schützen, die von der Deutschen Fußball-Liga aufgestellt werden. Aber die sind genauso unsinnig. Irgendwie, sagte selbst das Eintracht-Urgestein Charly Körbel, gehören nach einem Aufstieg feiernde Fans auf dem Rasen dazu.
Das Argument, die Fans hätten sich verletzen können, wenn sie aufs Feld gestürmt wären, ist nicht stichhaltig. Schließlich ist diese Arena gerade neu erbaut worden, wohl nach den neuesten Sicherheitsbestimmungen. Die Fluchttore Richtung Spielfeld sind gerade dazu da, dass selbst im Falle einer Panik die vielen Menschen in die Mitte strömen können. Dann Verletzungsgefahr? Das wäre gefährlicher Pfusch am Bau im doch schönsten und größten Cabrio der Welt.
Hintergrund der unsinnigen Aktion war wohl mehr, dass schöne, saubere TV-Bilder gedreht werden können. «Filter-Fußball» quasi. Emotionen? Nebensache! «Etwas kalt» wirkte auf Körbel der Aufstiegsjubel. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Außer ein «Hut ab» in Richtung Fans, die den Polizeiaufmarsch zwar mit berechtigten Pfiffen quittierten, aber sich nicht provozieren ließen.
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Neue Presse, 23.05.2005
Die Stimmung war unglaublich, gestört lediglich von einem völlig unangemessenen Polizeieinsatz. Gleich mehrere Hundertschaften marschierten auf und die ausgelassene Stimmung schien zu kippen. "Die Feier hat durch diese Sache einen faden Beigeschmack", sagte Eintrachts Rekordspieler Karl-Heinz Körbel, der wie alle anderen im Stadion die Reaktionen der Ordnungshüter nicht verstehen konnte. Doch beim Abpfiff überwog dann wieder der Jubel.
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FNP vom 24.05.2005
Polizei-Aktion stört die Feiern der Fans
Von Klaus Veit
Frankfurt. Am Tag nach dem Aufstieg war es verdammt ruhig bei der Frankfurter Eintracht. Manche Spieler und Mitarbeiter hatten sogar ihre Handys ausgeschaltet. Verständlich, denn ein Großteil der Feierlichkeiten dauerte bis zur totalen Erschöpfung. Luftholen bis Dienstag hatte Trainer Friedhelm Funkel natürlich seinen Spielern erlaubt. Denn heute stellt sich die Eintracht erstmals als neuer Erstligist ihren Anhängern vor. Sie tritt um 18.30 Uhr beim Oberligisten KSV Klein-Karben an, ehe es dann in den verdienten, vierwöchigen Urlaub geht. Auch Andree Wiedener, der gestern seinen neuen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieb.
Nicht nur die Spieler, auch viele Tausend Fans wollten den Sonntagabend zu ausgelassenen Feiern nutzen. Im Amüsierviertel Sachsenhausen zeigte sich dabei allerdings die Polizei, wie bereits nachmittags im Stadion, als Spielverderber. «Total überzogen» waren wohlwollende Kommentare von Augenzeugen. Andere berichteten von einer «Hetzjagd auf alle, die sich in den Gassen aufhielten» und sahen «Leute, die sich mit erhobenen Händen an die Wand stellten, um damit zu signalisieren, dass sie keinen Ärger wollten. Die Polizei hatte nichts besseres zu tun, als auch auf diese Leute einzudreschen». Auch Frauen seien nicht verschont worden.
Bereits am Nachmittag hatten Beamte, die in den Eintracht-Fanblock eingedrungen waren, durch ihr unüberlegtes Handeln für großen Ärger gesorgt. Durch den Einsatz von Reizgas sollen 35 Anhänger verletzt worden sein. Zuvor hatte anscheinend bei einer Rangelei ein Ordner einen Schneidezahn verloren. Erst das beherzte Dazwischengehen einiger Spieler Stefan Lexa forderte beispielsweise die Beamten mit deutlichen Worten auf, den Block zu verlassen konnte die Situation beruhigen.
Wie es zu den Auseinandersetzungen in Sachsenhausen kam, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Einsatzleiter Jürgen Moog begründete das Geschehen auf einer Pressekonferenz am Montag so: Die Polizei sei wegen einer Kneipenschlägerei gerufen worden. Als die Beamten nach 20 Uhr in Sachsenhausen eingetroffen waren, seien sie sofort mit Flaschen und anderen Gegenständen beworfen worden. Eine Polizistin erlitt eine Knieprellung, die Heckscheibe eines Streifenwagens wurde zerstört.
Anwesende Bürger erklärten dagegen, die Polizei sei sofort auf die feiernden Fans draufgegangen, erst dann seien Gegenstände geworfen worden. Dies versicherte auch ein TV-Team, das zufällig am Ort des Geschehens war. Es berichtete von Stockstichen in die Nierengegend und anderen Verfehlungen. Moog war gestern von einem Fehlverhalten der Polizisten nichts bekannt. Auch habe sich «bei uns kein Verletzter gemeldet». Nach 24 Uhr habe sich die Lage beruhigt. Es habe 27 Festnahmen gegeben, neun Personen erhalten eine Anzeige wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch oder wegen Nötigung von Beamten. Moog: «An diesem Abend ist viel Alkohol geflossen.»
Unbestritten ist, dass in Sachsenhausen auch viele Hooligans und gewaltbereite Ultras feierten. Die Polizei schätzte diesen Kreis auf knapp 500 Personen. Moog wies darauf hin, dass Frankfurt die größte Ultra-Szene Deutschlands besitze: «Und die Gewaltbereitschaft steigt.» Auch so verteidigte er den Einsatz im Stadion: «Wenn wir uns nicht mehr in die Blöcke trauen, dann bekommen wir bald italienische Verhältnisse.» Außerdem habe die Pflicht bestanden, den Innenraum des Stadions frei zu halten. Eine Erstürmung sei auch zu gefährlich gewesen: «Die Tore im Zaun sind entgegen der weit verbreiteten Meinung keine Fluchttore. Sie dienen lediglich dazu, um bei Konzerten die Besucher ordnungsgemäß in den Innenraum zu lassen.» Eine Ansicht, die Winfried Nass von der Stadion GmbH mit Hinweis auf die Baurichtlinien vehement zurückweist: «Natürlich sind die Blöcke zur Entfluchtung der Blöcke da.» Seit vielen Jahren müssen Stadien solche Tore besitzen, damit der Druck bei Panik gemildert werden kann.
Rudi Köhler, Fan-Sprecher der Eintracht, hielt sich mit einer ausführlichen Stellungnahme zu den Vorfällen am Montag zurück. Er erklärte lediglich: «Nach meinen Informationen wurde in Sachsenhausen auch auf völlig Unbeteiligte eingeknüppelt.» Der Graben zwischen Polizei und Fans sei größer geworden. Und das an einem Tag, an dem eigentlich alle nur feiern wollten.
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Aus der BILD-Frankfurt vom 24.05.2005:
Der Freudentaumei endete mit Knüppel-Einsatz, 29 Festnahmen, Verletzten.
Von KOLJA GÄRTNER
Nach dem Aufstieg der Eintracht gabs Zoff zwischen Fans und Polizei im Stadion und in Sachsenhausen.
Die Stimmung kippte in der 80. Spielminute. Rund ums Spielfeld zogen 200 Beamte In Kampfmontur auf. Obwohl es keine Gewalt gab, kein verbotenes Feuerwerk. Was geht denn jetzt ab?, fragten sich die Fans. Da die sowieso ein gespanntes Verhältnis zur Polizei haben, war bei vielen die gute Laune hin.
Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt erklärte gestern: Wir mußten verhindern, daß der Platz gestürmt wird. Vorgaben von FIFA und DFL. Der Rasen mußte geschützt werden.
Ergebnis: Sogar die Spieler hatten Probleme, an den Zaun zur Westkurve zu gelangen, mit den Anhängern zu feiern.
Jura-Student Alex (23) aus dem Stehbiock: "Ich war vorne im Block, ein Ordner öffnete ein Tor, Gerangel mit ein paar Idioten. Doch die älteren Ultras haben sie zurückgehalten. Als es schon wieder ruhig war, stürmte ein Polizei-Trupp in den Block. schaffte sich mit Knüppeln Platz. Ein Beamter stolperte oder wurde geschubst. Da hat ein Kollege Pfefferspray gezückt. Alle Leute auf dem Zaun und in der Nähe eingenebelt. Auch ich habe was abgekriegt, mußte in Behandlung.
Die Spieler Stefan Lexa und Alexancker Schur forderten die Pölizei auf, aus dem Block zu gehn. Als sie weg waren Entspannung.
Stunden später krachte es in Sachsenhausen. Die Polizei: Massive Angriffe auf Beamte, als sie um 21h bei einer Schlägerei in der Klappergasse eingriffen."
Fans sagen aber: "Die sind sofort mit Knüppeln und Schilden losgestürmt."
400 gewaltbereite Eintracht-Anhänger hätten den Beamten gegenübergestanden. Ob das 14jährige Mädchen auch dazu gehörte, das von den Polizisten in Gesicht geschlagen wurde? Oder die Eintracht-Anhängerin, die von den Beamten als "blöde Kuh" tituliert wurde? Und die Ankündigung von Polizisten an einer Kneipe Hier geht keiner mehr raus, sonst gibts auf die Schnauze" wirkte sicher auch nicht beruhigend.
Weiss-Bolland: "Die Polizei freut sich über den Eintracht-Aufstieg und ist gerne bereit, auch bei zukünftigen Sielen mit oder ohne Schlagstock aktiv zu werden". Es sollte versöhnlich klingen...
KOMMENTAR:
LIEBE POLIZEI, DAS WAR GEWALTIG ÜBERZOGEN!
Von KOLJA GÄRTNER
Ich bin Eintrachtfan. Ich habe im Stadion gezittert, gejubelt. Doch dann tritt die Polizei auf, als würde jeden Moment ein Bürgerkrieg ausbrechen. Die Freude über den Aufstieg bekam dadurch einen gewaltigen Dämpfer. Bei manchen kippte sie um in Wut. Zugegeben: Unter den Fans sind nicht nur Chorknaben. Doch sie sind auch keine Schwerverbrecher!
Liebe Polizisten, euer Auftritt war gewaltig überzogen! Im Stadion und in Sachsenhausen.
BEHANDELT FANS NICHT WIE FEINDE, DANN SEID IHR AUCH KEINE FÜR SIE.
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aus der Frankfurter Rundschau
Eintracht-Fans werfen der Polizei "Hetzjagd" vor
Schlagstock-Einsatz und Festnahmen bei Tumulten im Stadion und in Sachsenhausen / Polizeipräsident kündigt Untersuchung an
Die Polizei hat ihr hartes Einschreiten nach dem Eintracht-Spiel am Sonntag verteidigt. Viele Fans werfen den Beamten vor, bei den Einsätzen im Stadion und in Sachsenhausen überzogen reagiert zu haben.
VON GEORG LEPPERT
Frankfurt · 23. Mai · Der Aufstieg der Eintracht trage nach den Ausschreitungen in der Fankurve und im Ebbelweiviertel nun einen "leicht bitteren Beigeschmack", sagte Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt am Montag. Der Großeinsatz der Polizei sei notwendig und auch in diesem Ausmaß erforderlich gewesen, erklärte er.
Bereits drei Minuten nach dem Schlusspfiff in der Commerzbank-Arena hatte es Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizisten gegeben. Einige der Anhänger in der Westkurve hätten Ordner bespuckt und geschlagen, berichtete Einsatzleiter Jürgen Moog. Um einen verletzten Ordner aus dem Fanblock in den Innenraum zu transportieren, sei ein Tor zum Spielfeld geöffnet worden. Einige Fans hätten anschließend versucht, dieses Tor offen zu halten, so Moog. Deshalb seien rund 15 Beamte in den Fanblock gegangen. "Es hat dann Rangeleien gegeben, bei denen die Kollegen auch Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt haben", so Moog.
Dabei wurde offenbar mindestens ein Eintracht-Anhänger verletzt. Die Lage entspannte sich erst, als die Eintracht-Spieler Stefan Lexa und Alexander Schur beruhigend auf die Fans einredeten.
Bereits kurz vor dem Spielende waren 200 Polizisten im Innenraum aufmarschiert. Das Aufgebot sei nötig gewesen, um die Fans davon abzuhalten, nach dem Schlusspfiff das Feld zu stürmen, sagte Weiss-Bollandt. Die Eintracht-Fans hatten dieses Auftreten als Provokation gewertet und die Beamten mit Pfiffen begrüßt.
Abends setzten sich die Auseinandersetzungen in Alt-Sachsenhausen fort. In der Klappergasse seien Beamte gegen 21 Uhr mit Flaschen und Gläsern beworfen worden, so Moog. Zudem hätten die Fans einen Streifenwagen beschädigt. Die Polizisten, die 27 Fans festnahmen, hätten auch hier ihre Schlagstöcke einsetzen müssen, so Moog: "Wir durften Sachsenhausen nicht den gewalttätigen Fans überlassen."
Augenzeugen des Einsatzes äußerten sich noch am Sonntagabend entsetzt über das harte Einschreiten der Polizei. "Die haben auf alles geschlagen, was sich bewegt hat", sagte ein Mitglied des Eintracht-Fanclubs "Ultras".
Auch Unbeteiligte seien niedergeprügelt worden. Die Gewalt sei ausschließlich von der Polizei ausgegangen, beklagten Fans im Internet-Foren von Eintracht Frankfurt. "Es hat der Polizei Spaß gemacht, eine Hetzjagd auf uns zu veranstalten", sagte ein Eintracht-Fan, der nicht genannt werden wollte. Weiss-Bollandt kündigte an, die Polizeiführung werde die Vorfälle in Sachsenhausen untersuchen
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aus der Frankfurter Rundschau
KOMMENTAR
Provokation
VON GEORG LEPPERT
Sicherlich hat Polizeidirektor Jürgen Moog Recht: Weder im Stadion noch in Sachsenhausen darf ein rechtsfreier Raum entstehen. Wenn Fußball-Fans Ordner attackieren oder mit Flaschen und Gläsern um sich werfen, müssen die Beamten einschreiten.
Eine taktische Glanzleistung war der Polizeieinsatz am Sonntag aber gewiss nicht. Schon im Stadion hätten sich die Beamten anders verhalten müssen. Fans werten es nun mal als Provokation, wenn 200 Polizisten in voller Montur vor ihrer Kurve aufmarschieren - und ein erfahrener Einsatzleiter wie Moog weiß das auch ganz genau. Wieso er sich trotzdem für dieses massive Auftreten entschieden hat, ist völlig unerklärlich. Das Gros der Polizisten hätte sich auch im Hintergrund bereit halten können - zumal es kaum Anzeichen dafür gab, dass die Fans den Platz stürmen wollten.
Was dann in Sachsenhausen geschehen ist, bedarf einer gründlichen Aufarbeitung seitens der Polizei. Unabhängig voneinander sprechen Augenzeugen von völlig überzogenem Auftreten der Beamten. Man mag Verständnis dafür aufbringen, dass Polizisten unter Stress stehen, wenn um sie herum Flaschen fliegen. Das Recht, wahllos um sich zu schlagen, haben sie aber definitiv nicht.
Sollten Polizisten in Sachsenhausen tatsächlich die Nerven verloren und auf Unbeteiligte eingeprügelt haben, werden sie sich dafür verantworten müssen. Die Polizei sollte ihren Umgang mit Fußball-Fans überdenken - gerade im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in einem Jahr.