Leider „kalter“ Aufstiegsjubel

HBmalte
Kommentar: Leider „kalter“ Aufstiegsjubel
Von Klaus Veit, 23.05.2005

Liebe Polizisten, die ihr am Sonntag im Innenraum aufmarschiert seid: Schämt Ihr Euch wenigstens ein bisschen? Ja, ihr macht Euren Job, aber müsst Ihr martialisch ausgerüstet mit Schlagstock, Helmen und Handschellen auflaufen? Das Pfefferspray vielleicht noch in den Taschen. So, als ob es gilt, Schwerverbrecher zu fangen. Ist das der angeblich erwünschte Weg der Deeskalation oder ist das Provokation pur?

Wir wünschen Euch, dass Euer verantwortlicher Einsatzleiter möglichst bald einen anderen Job erhält. Euch ist es zu verdanken, dass ein Fußballfest ohne richtige Herzlichkeit und Fröhlichkeit gefeiert werden musste.

Gut, Ihr musstet nun die Regeln schützen, die von der Deutschen Fußball-Liga aufgestellt werden. Aber die sind genauso unsinnig. Irgendwie, sagte selbst das Eintracht-Urgestein Charly Körbel, gehören nach einem Aufstieg feiernde Fans auf dem Rasen dazu.

Das Argument, die Fans hätten sich verletzen können, wenn sie aufs Feld gestürmt wären, ist nicht stichhaltig. Schließlich ist diese Arena gerade neu erbaut worden, wohl nach den neuesten Sicherheitsbestimmungen. Die Fluchttore Richtung Spielfeld sind gerade dazu da, dass selbst im Falle einer Panik die vielen Menschen in die Mitte strömen können. Dann Verletzungsgefahr? Das wäre gefährlicher Pfusch am Bau im doch schönsten und größten Cabrio der Welt.

Hintergrund der unsinnigen Aktion war wohl mehr, dass schöne, saubere TV-Bilder gedreht werden können. «Filter-Fußball» quasi. Emotionen? Nebensache! «Etwas kalt» wirkte auf Körbel der Aufstiegsjubel. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Außer ein «Hut ab» in Richtung Fans, die den Polizeiaufmarsch zwar mit berechtigten Pfiffen quittierten, aber sich nicht provozieren ließen.
Quelle Rhein-Main.net
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Respekt für solch einen Artikel, leider nur Kommentar
Mütze
joa ne?
bersteh nich ganz wieso das hier bei PRO FANS steht aba ok!
das mit dem spielfeld: keiner will das fans aufs feld laufen! war doch in bremen genauso oder nicht???oder wurden die tore etwa aufgemacht?
:smoke:
svw_luke
War gestern in Frankfurt anwesend. Die Tore waren selbstverständlich nicht geöffnet, ganz im Gegenteil. Zehn Minuten vor Schluss begann der Aufzug, und das nicht zu wenig.
Jede Art der Emotionen wurde wieder gekonnt unterdrückt. Nach Spielende wurde dann, aus mir unersichtlichen Gründen, der Block gestürmt.
Glaube/Hoffe, dass nicht größeres passiert ist, die Staatsmacht ist nach enigen Minuten wieder abgezogen.
Irgendwann läuft das Fass über.
Lenwe
Randale nach Eintracht-Aufstieg

Frankfurt/Main (dpa) - Die Feiern zum Aufstieg von Eintracht Frankfurt in die Fußball-Bundesliga sind im Frankfurter Vergnügungsviertel Alt-Sachsenhausen in massive Randale ausgeartet.

Rund 400 betrunkene Fans haben Polizeibeamte mit Flaschen und Gläsern beworfen, als diese eine Schlägerei in einer Gaststätte beenden wollten. "Die Kollegen sind sofort massiv angegriffen worden", berichtete ein Polizeisprecher.

Im Laufe der Nacht seien mindestens 27 Männer festgenommen worden, von denen einige unter dem Verdacht des schweren Landfriedensbruchs stehen, sagte der Sprecher

Bei den Attacken sei mindestens eine Polizistin leicht verletzt worden. An einem Streifenwagen sei das Heckfenster und ein Reifen zerstört worden.
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Und sowas liest man....
ich liebe die medienlandschaft d-lands.
Suffältester
Frankfurter Neue Presse
Printausgabe vom 04.07.2005
Einsatzleiter erläutert Vorgehen bei Krawallen nach Eintracht-Spiel in Sachsenhausen
Polizei setzt sich zur Wehr
Sachsenhausen. Aus der Presse hat Einsatzleiter Jürgen Moog von dem Antrag erfahren, den der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad und Sachsenhausen) verabschiedet hatte, um die Geschehnisse bei der Feier zum Aufstieg der Eintracht in Alt-Sachsenhausen aufzuklären (wir berichteten). Ortsvorsteher Hans-Günter Joras (CDU) hatte die Polizei zur jüngsten Sitzung gebeten, damit sie die Vorfälle aus ihrer Sicht schildern konnte. «In der Begründung des verabschiedeten Antrags sind massive Vorwürfe enthalten. In der vergangenen Sitzung haben wir lediglich die Seite der Fan- und Förderabteilung gehört», begründete Joras.

Auslöser für die Krawalle in Alt-Sachsenhausen seien die Vorfälle im Stadion nach dem Schlusspfiff gewesen. «Kurz vor Spielende haben sich 150 Beamte im Innenraum postiert, damit die Fans den Rasen nicht erstürmen», so Moog, der seine Ausführungen mit Bildern von der Stadion-Kamera untermauerte. Als ein verletzter Ordner durch ein Nottor geschlüpft sei, drängten Fans Richtung Tor, um doch auf den Rasen zu gelangen. 15 Beamte seien daraufhin in den Block gegangen. Dann habe sich die Situation entschärft, wie auf den Bildern deutlich zu erkennen sei. «Wir haben den Feiernden Freiraum gelassen und sie auf den Zaun klettern lassen.» Kurz darauf sei es wieder unruhig geworden. Moog zeigte Bilder von Fans, die aus den Reihen auf die am Zaun postierten Beamten zurennen, diese bespucken, treten oder schlagen und sich dann in die Masse zurückflüchten. «Gegen die Angriffe haben sich die Beamten schließlich mit gezieltem Einsatz von Pfefferspray zur Wehr gesetzt.»SPD-Mann Ralf Heider erklärte, wegen solcher Vorfälle Angst vor der Bundesliga-Saison und der WM zu haben. «Kann die Polizei nicht eine zurückhaltendere Taktik fahren, als diese Null-Toleranz-Linie?» Moog antwortete, er sei Polizei-Beamter geworden, um zu schützen. Er sei seit 1995 im Fußball-Geschäft tätig. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Gewaltbereitschaft als Teil der Fan-Kultur enorm sei. Die Szene in Frankfurt sei zudem groß. Es gebe 1000 Ultras, darunter 650 Bekennende, die eine entsprechende Erklärung unterschrieben hätten. Hinzu kämen 150 Hooligans. Heute sei ein Gespräch mit der Fan-Abteilung geplant, inwieweit es möglich sei, die Gewalttäter aus der Szene herauszudrücken.

Durch Moogs Ausführungen wurde Kritik am Sachverhalt des verabschiedeten Antrags laut. «Meine Fraktion wurde getäuscht», erklärte Kai-Sören Kehrmann (CDU). Reinhard Klapproth (Grüne) verteidigte den Antragstext. Es gehe um die Verletzung von Unbeteiligten und eine ergebnisoffene Untersuchung.» Ursula auf der Heide betonte, auf jedem Schulhof gebe es stärkere Auseinandersetzungen als auf den gezeigten Stadion-Bildern. Sie habe keinen Anlass, an der Darstellung der Fan-Abteilung zu zweifeln. «Ich wehre mich entschieden, dass unsere Sicherheits-Polizei in die Ecke der prügelnden Horde gestellt wird. Ich empfehle Sachlichkeit», mahnte der Ortsvorsteher.

Moog räumte ein, dass der Auftritt der Beamten im Innenraum nicht ganz glücklich gewesen sei. Die Bereitschaftspolizei sei es gewohnt, regelrecht einzumarschieren. Sie könnten nicht die gesamte Spielzeit dort sein, weil sie zuvor andere Aufgaben im Stadion zu erledigen hätten. «Allerding darf das bloße Auftreten nicht als Provokation gelten, sonst hat unser Rechtsstaat keine Chance mehr.» Für kommende Spiele werde der Zaun erhöht und andere Nottore eingebaut. «Das kostet viel Geld, aber den Schuh ziehe ich mir nicht noch mal an. Ich trage die Verantwortung.»

Eric Baitinger, Dienstgruppenleiter im 8. Revier, war bei dem anschließenden Einsatz in Sachsenhausen dabei. Er erklärte, die Polizei sei gezielt durch inszenierte Schlägereien von einigen Fans in den Hinterhalt gelockt worden. Sein Eindruck gründe unter anderem auf Ausrufe bekannter Hooligans wie «Ihr seid in unseren Block gekommen, jetzt zeigen wir es euch».

In mehreren Schlägereien seien die augenscheinlich Beteiligten sich plötzlich einig gewesen, gemeinsam auf die Polizei loszugehen. «Die Angriffe waren so massiv, das ist unvorstellbar. Ich habe so was noch nicht erlebt.» Bei der Befreiung eingekesselter Beamter seien die Einsatzkräfte auch mit Schlagstöcken und Pfefferspray vorgegangen. Es sei nicht erkennbar gewesen, ob noch Kollegen in der Paradiesgasse festsäßen. Auch ihre Fahrzeuge und zwei Rettungswagen habe die Polizei rausziehen müssen. Zur Deeskalation hätten sich die Beamten schließlich aus dem Kneipenviertel zurückgezogen und sich in den Randzonen um die Fußgänger-Zone postiert.

http://www.rhein-main.net/sixcms/list.ph...icle&id=2369336