Suffältester
Erklärung von PRO-FANS
Die aktuellen Berichte über Zuschauerausschreitungen im Zusammenhang mit Fußballspielen sowie die politischen Reaktionen, die auf eine Verschärfung polizeilicher Maßnahmen gegen Fußballfans zielen, veranlassen die bundesweite Faninitiative ihren Standpunkt in dieser Diskussion mit einigen Thesen deutlich zu machen
1. Pro-Fans unterstützt die Interessen von Fußballfans, die - daheim wie auch auswärts - eine stimmungsvolle, bunte, laute, bewegte, von Spaß und Freude dominierte Stadionatmosphäre tragen, die die Mannschaft des eigenen Vereins lautstark und ideenreich unterstützen und die Schwächen des sportlichen Gegners augenzwinkernd aufs Korn nehmen. Pro-Fans unterstützt die Fans in ihrem Bestreben, Fußballbegegnungen damit auch zu einem eindrucksvollen, interessanteren und schöneren Erlebnis für normale Zuschauer in den Stadien und am Fernseher werden zu lassen.
2. Pro-Fans wendet sich strikt gegen jegliche körperliche Gewalt innerhalb und außerhalb der Stadien. Der Support der eigenen Mannschaft äußert sich nicht in dritten Halbzeiten. Während der Spiele ist das Spielfeld als Tabu zu akzeptieren. Pro-Fans verurteilt Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.
3. Pro-Fans ruft alle Fangruppierungen auf, sich so zu verhalten, wie es die o. g. Grundsätze gebieten.
4. Pro-Fans ist in großer Sorge darüber, daß das Sicherheitsbestreben von Veranstaltern, Politikern und Polizei dazu führt, daß friedliche Fußballfans, die sich nichts zu Schulden kommen lassen haben, seitens der Staatsmacht immer öfter unannehmbaren Repressalien bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt werden. Das trifft vor allem auf Fußballfreunde zu, die zu Auswärtsspielen reisen.
5. Pro-Fans sieht es als nicht hinnehmbar an, daß jeder einzelne Fußballfan schon jetzt vor allem auswärts regelmäßig unter anderem damit rechnen muß,
- unabhängig von einem etwaigen konkreten Anlaß bis zur gesamten Dauer des Aufenthaltes in der Gastgeberstadt im Polizeikessel gefangengehalten zu werden oder Platzverweise zu erhalten,
- ohne eine Verfehlung begangen zu haben, für die Dauer des Spiels oder auch länger in Polizeigewahrsam genommen zu werden,
-
- schuldlos und ohne die Möglichkeit, sich zu entfernen, polizeilichen Attacken wie Prügel-, Reizgas- oder Wasserwerfereinsätzen ausgesetzt zu werden,
- durch polizeiliche Maßnahmen körperlich verletzt zu werden, ohne daß die Polizei sich um die verletzten Personen kümmert, bis hin dazu, daß die Hilfe von Sanitätern verwehrt wird,
- das Recht der späteren Überprüfung der Rechtmäßigkeit polizeilicher Maßnahmen nicht wirksam wahrnehmen zu können, weil die Beamten die Preisgabe eines Identifikationsmerkmales verweigern,
- trotz gültiger Eintrittskarte und Beachtens der Stadionordnung nicht ins Stadion eingelassen zu werden, etwa weil traditionell übliche Fanutensilien oder gar nur notwendige Medikamente oder Hygieneartikel mitgeführt werden,
- daran gehindert zu werden, das Stadion zu verlassen,
- in seiner Gesundheit gefährdet zu werden, weil Fluchtwege zu knapp bemessen oder versperrt sind und Absperrungen verwendet werden, von denen wegen ihrer Form und Anordnung Gefahren ausgehen,
- durch Polizeikräfte oder Ordner in provozierender, entwürdigender oder beleidigender Weise behandelt zu werden,
- daran gehindert zu werden, die Notdurft zu verrichten, weil sich innerhalb des Polizeikessels keine Toilette befindet,
- nur wegen eines unbewiesenen Verdachts von einem langfristigen bundesweiten Betretungsverbot für Fußballstadien betroffen zu werden,
- die Verletzung des gesetzlich vorgeschriebenen Verbots der Weitergabe personenbezogener Daten zu erleiden.
6. Wenn, wie aus einer neuen Studie des Sportsoziologen Pilz hervorgeht, eine weit überwiegende Mehrheit von Fußballfans ihr Verhältnis zur Polizei als schlecht ansieht, dann ist dies eine Bankrotterklärung für die Polizeiarbeit in dem Metier. Das Verhältnis ist zerrüttet. Immer wieder erleben wir, daß Situationen erst DURCH unbesonnenes Eingreifen der Polizei eskalieren.
Sieben von Pilz angeführte Zweitligaspiele in der laufenden Saison mit Ausschreitungen, das sind sieben zuviel. Aber das Verhältnis zur Gesamtzahl der Spiele zeigt auch, daß Hysterie völlig unangemessen ist. 10.000 Fußballfans in Deutschland als potentielle Gewalttäter einzustufen - unglaubwürdiger geht es nicht. Überhartes Vorgehen der Polizei aus nichtigen Anlässen und Maßregelungen gegen Unschuldige sind ein Schlag ins Gesicht aller, die sich in den Fanszenen um Besonnenheit und gewaltfreies Verhalten bemühen. Praktisch nirgends gibt es heute in Deutschland größere Zusammenstöße zwischen Fangruppen. Vielmehr entzünden sich Auseinandersetzungen im Protest gegen überzogene Ordner- oder Polizeieinsätze insbesondere gegen Gästefans, die nicht nur von einigen wenigen, sondern von der Masse der Fans als ungerechtfertigte Schikane empfunden werden. Es ist schwer, die Fassung zu bewahren, wenn man sich als Mensch zweiter Klasse behandelt sieht.
7. Gerade im Hinblick auf die WM 2006 sieht Pro-Fans die Situation am Scheideweg: Wenn friedliche Fußballfans sich vom Fußballverband ausgegrenzt und von der Staatsmacht pauschal als potentielle Feinde angesehen fühlen müssen, wird das Ziel einer weltoffenen, freundschaftlich-sportlichen, friedlichen und festlichen Atmosphäre kaum erreichbar sein - vielmehr wächst die Gefahr, daß gewaltbereite Personen willkommenen Anlaß sehen werden, die Eskalation gewalttätiger Auseinandersetzungen zu suchen, und daß ein Bild Deutschlands als dem eines ohnmächtigen Polizeistaates um die Welt gehen wird. Aktuell gefallen sich einige Politiker darin, immer harschere Töne von sich zu geben. - Wie schön wäre es, wenn sich nur diejenigen davon betroffen fühlen müßten, die die Zerstörung des Fußballs im Sinn haben!
Das Ziel ist nach wie vor nur zu erreichen, wenn das gemeinsame Anliegen gesehen und um die große Mehrheit der sportbegeisterten und sich gegen Gewalt wendenden Fußballfans geworben wird, für ihr aktives Engagement zum reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen.
8. Die Initiative Pro-Fans ist jederzeit gern zum Dialog zu Fragen von Fußballstimmung und Fankultur, wie auch zu Fragen der Sicherheit, bereit.
Pro Fans im Mai 2005
Die aktuellen Berichte über Zuschauerausschreitungen im Zusammenhang mit Fußballspielen sowie die politischen Reaktionen, die auf eine Verschärfung polizeilicher Maßnahmen gegen Fußballfans zielen, veranlassen die bundesweite Faninitiative ihren Standpunkt in dieser Diskussion mit einigen Thesen deutlich zu machen
1. Pro-Fans unterstützt die Interessen von Fußballfans, die - daheim wie auch auswärts - eine stimmungsvolle, bunte, laute, bewegte, von Spaß und Freude dominierte Stadionatmosphäre tragen, die die Mannschaft des eigenen Vereins lautstark und ideenreich unterstützen und die Schwächen des sportlichen Gegners augenzwinkernd aufs Korn nehmen. Pro-Fans unterstützt die Fans in ihrem Bestreben, Fußballbegegnungen damit auch zu einem eindrucksvollen, interessanteren und schöneren Erlebnis für normale Zuschauer in den Stadien und am Fernseher werden zu lassen.
2. Pro-Fans wendet sich strikt gegen jegliche körperliche Gewalt innerhalb und außerhalb der Stadien. Der Support der eigenen Mannschaft äußert sich nicht in dritten Halbzeiten. Während der Spiele ist das Spielfeld als Tabu zu akzeptieren. Pro-Fans verurteilt Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.
3. Pro-Fans ruft alle Fangruppierungen auf, sich so zu verhalten, wie es die o. g. Grundsätze gebieten.
4. Pro-Fans ist in großer Sorge darüber, daß das Sicherheitsbestreben von Veranstaltern, Politikern und Polizei dazu führt, daß friedliche Fußballfans, die sich nichts zu Schulden kommen lassen haben, seitens der Staatsmacht immer öfter unannehmbaren Repressalien bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt werden. Das trifft vor allem auf Fußballfreunde zu, die zu Auswärtsspielen reisen.
5. Pro-Fans sieht es als nicht hinnehmbar an, daß jeder einzelne Fußballfan schon jetzt vor allem auswärts regelmäßig unter anderem damit rechnen muß,
- unabhängig von einem etwaigen konkreten Anlaß bis zur gesamten Dauer des Aufenthaltes in der Gastgeberstadt im Polizeikessel gefangengehalten zu werden oder Platzverweise zu erhalten,
- ohne eine Verfehlung begangen zu haben, für die Dauer des Spiels oder auch länger in Polizeigewahrsam genommen zu werden,
-
- schuldlos und ohne die Möglichkeit, sich zu entfernen, polizeilichen Attacken wie Prügel-, Reizgas- oder Wasserwerfereinsätzen ausgesetzt zu werden,
- durch polizeiliche Maßnahmen körperlich verletzt zu werden, ohne daß die Polizei sich um die verletzten Personen kümmert, bis hin dazu, daß die Hilfe von Sanitätern verwehrt wird,
- das Recht der späteren Überprüfung der Rechtmäßigkeit polizeilicher Maßnahmen nicht wirksam wahrnehmen zu können, weil die Beamten die Preisgabe eines Identifikationsmerkmales verweigern,
- trotz gültiger Eintrittskarte und Beachtens der Stadionordnung nicht ins Stadion eingelassen zu werden, etwa weil traditionell übliche Fanutensilien oder gar nur notwendige Medikamente oder Hygieneartikel mitgeführt werden,
- daran gehindert zu werden, das Stadion zu verlassen,
- in seiner Gesundheit gefährdet zu werden, weil Fluchtwege zu knapp bemessen oder versperrt sind und Absperrungen verwendet werden, von denen wegen ihrer Form und Anordnung Gefahren ausgehen,
- durch Polizeikräfte oder Ordner in provozierender, entwürdigender oder beleidigender Weise behandelt zu werden,
- daran gehindert zu werden, die Notdurft zu verrichten, weil sich innerhalb des Polizeikessels keine Toilette befindet,
- nur wegen eines unbewiesenen Verdachts von einem langfristigen bundesweiten Betretungsverbot für Fußballstadien betroffen zu werden,
- die Verletzung des gesetzlich vorgeschriebenen Verbots der Weitergabe personenbezogener Daten zu erleiden.
6. Wenn, wie aus einer neuen Studie des Sportsoziologen Pilz hervorgeht, eine weit überwiegende Mehrheit von Fußballfans ihr Verhältnis zur Polizei als schlecht ansieht, dann ist dies eine Bankrotterklärung für die Polizeiarbeit in dem Metier. Das Verhältnis ist zerrüttet. Immer wieder erleben wir, daß Situationen erst DURCH unbesonnenes Eingreifen der Polizei eskalieren.
Sieben von Pilz angeführte Zweitligaspiele in der laufenden Saison mit Ausschreitungen, das sind sieben zuviel. Aber das Verhältnis zur Gesamtzahl der Spiele zeigt auch, daß Hysterie völlig unangemessen ist. 10.000 Fußballfans in Deutschland als potentielle Gewalttäter einzustufen - unglaubwürdiger geht es nicht. Überhartes Vorgehen der Polizei aus nichtigen Anlässen und Maßregelungen gegen Unschuldige sind ein Schlag ins Gesicht aller, die sich in den Fanszenen um Besonnenheit und gewaltfreies Verhalten bemühen. Praktisch nirgends gibt es heute in Deutschland größere Zusammenstöße zwischen Fangruppen. Vielmehr entzünden sich Auseinandersetzungen im Protest gegen überzogene Ordner- oder Polizeieinsätze insbesondere gegen Gästefans, die nicht nur von einigen wenigen, sondern von der Masse der Fans als ungerechtfertigte Schikane empfunden werden. Es ist schwer, die Fassung zu bewahren, wenn man sich als Mensch zweiter Klasse behandelt sieht.
7. Gerade im Hinblick auf die WM 2006 sieht Pro-Fans die Situation am Scheideweg: Wenn friedliche Fußballfans sich vom Fußballverband ausgegrenzt und von der Staatsmacht pauschal als potentielle Feinde angesehen fühlen müssen, wird das Ziel einer weltoffenen, freundschaftlich-sportlichen, friedlichen und festlichen Atmosphäre kaum erreichbar sein - vielmehr wächst die Gefahr, daß gewaltbereite Personen willkommenen Anlaß sehen werden, die Eskalation gewalttätiger Auseinandersetzungen zu suchen, und daß ein Bild Deutschlands als dem eines ohnmächtigen Polizeistaates um die Welt gehen wird. Aktuell gefallen sich einige Politiker darin, immer harschere Töne von sich zu geben. - Wie schön wäre es, wenn sich nur diejenigen davon betroffen fühlen müßten, die die Zerstörung des Fußballs im Sinn haben!
Das Ziel ist nach wie vor nur zu erreichen, wenn das gemeinsame Anliegen gesehen und um die große Mehrheit der sportbegeisterten und sich gegen Gewalt wendenden Fußballfans geworben wird, für ihr aktives Engagement zum reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen.
8. Die Initiative Pro-Fans ist jederzeit gern zum Dialog zu Fragen von Fußballstimmung und Fankultur, wie auch zu Fragen der Sicherheit, bereit.
Pro Fans im Mai 2005