Lauterer in Dortmund festgenommen

Nils
Und täglich grüßt das Murmeltier

Offener Brief der Reservoir Devils zu den Vorfällen beim Auswärtsspiel in Dortmund


"Fußballbegeisterung ist kein Verbrechen! In Dortmund mussten wir leider das Gegenteil feststellen. Was wir an diesem Tag erlebt haben, möchten wir der Öffentlichkeit nicht vorenthalten und sehen uns zu einem Statement veranlasst.



Am 23.04. trafen wir, 5 Mitglieder der Reservoir Devils, uns um 8:45 Uhr am Bremer Hauptbahnhof, von wo es mit dem Zug zum Auswärtsspiel in Dortmund ging. Nach einem kurzen Zwischenstop in Osnabrück, wo wir uns noch mit weiteren FCK Fans getroffen haben, ging es weiter nach Dortmund. Am Hauptbahnhof angekommen wurden wir von einer größeren Anzahl von Polizisten erwartet. Zehn Minuten nach uns sollte der Sonderzug aus Kaiserslautern ankommen. Wir entschieden uns, nicht länger zu warten und direkt zum Westfalenstadion zu fahren, da wir mit unseren Freunden aus Koblenz in einer Gaststätte verabredet waren. Als wir einige Rucksäcke bei den Schließfächern abgeben wollten, haben wir an diesem Tag das erste Mal die Dortmunder Polizei kennengelernt. Der Zugang zu den Schließfächern wurde uns mit der Begründung, es würde ein zu großes Konfliktpotenzial mit Dortmunder Anhängern bestehen, verweigert. Ohne großes Lamentieren ging es daher weiter zum Ausgang, bevor wir dann über einen Umweg doch noch die Möglichkeit hatten, unsere Gegenstände in Schließfächer an der U-Bahn-Station Kampfstraße (eine Station hinter dem Hauptbahnhof) zu deponieren. Dortmunder Fans trafen wir natürlich auch, aber von Konflikten war keine Spur.
Vor dem Bahnhof sollten sich die Wege unsere mitlerweile 15 köpfigen Gruppe dann erstmal trennen, da zwei von uns noch kurz bei der Sparkasse vorbei mussten. Einer von uns hatte unter der Woche noch mit erheblichen Rückenproblemen zu kämpfen und deshalb fuhren wir den kurzen Weg mit dem Taxi zum Stadion. Angekommen am Westfalenstadion machten wir uns auf die Suche nach der Gaststätte, in der wir uns mit befreundeten Koblenzern treffen wollten. Nach vergeblichen Nachfragen bei einigen Passanten, wie die Gartenkolonie zu finden sei, entschieden wir uns, einen Polizisten zu fragen, schließlich müsste dieser es ja wissen.
Bevor er unsere Frage nach dem Weg beantwortete, mussten wir ihm erstmal eine Antwort geben, warum einer von uns an der Hand blutete. Die Antwort fiel kurz aus, denn es waren nur einige Kratzer die bei einer überschwenglichen Freude beim Wiedersehen in Osnabrück mit einem unseren Freunde passiert war. Der Polizist teilte uns die Richtung zur Gaststätte mit und gab uns noch einen Ratschlag auf den Weg. "Heute haben wir schon einige festgenommen, für euch wäre es besser nirgendwo mehr hinzugehen".
Verwundert über einen solchen Kommentar ging es weiter zur Gartenkolonie, wo wir die Koblenzer und den Rest unserer Leute trafen. Nach einiger Zeit war esdann auch an der Zeit ins Stadion zu gehen. Die Gästestehplatzblöcke waren bereits im Vorfeld ausverkauft und so mussten wir uns mit dem Sitzplatzblock 75 zufrieden geben. Für unser Mitglied mit Rückenschmerzen aber, war dies nicht die schlechteste Lösung und die Sicht aufs Spielfeld war auch sehr gut. Als der FCK zum 2-2 ausgleichen konnte, war die Freude natürlich riesengroß. Die Stimmung im Gästeblock war ausgelassen und friedlich. Die Mannschaft wurde unter Applaus in die Halbzeitpause verabschiedet. Die Ordner in unserem Block waren sehr gut drauf und verstanden unsere Freude über das Halbzeitergebnis. Das wir auf unseren Sitzplätzen standen und auch einmal den Block wechselten um bekannte Gesichter zu begrüßen und das ein oder andere Bild vom Stehplatzblock zu machen war für die Ordner kein Problem. Die Kommunikation untereinander stimmte, sodass wir hier auch mal als Lob aussprechen möchten.

Unsere gute Stimmung und das Spiel war dann nach dam 3-2 für Dortmund zu Ende. Vom Sitzplatzblock über uns wurden zwei von uns mit Bier übergossen und es flogen Gegenstände wie Feuerzeuge in unseren Block. Anscheinend hatte diesen Leuten unsere überschwengliche, aber friedliche, Freude über unseren Ausgleich kurz vor der Pause nicht gefallen. Die Ordner waren aber aufmerksam und haben das Geschehen mitbekommen. Polizisten kamen zu uns in den Block und kletterten über die Absperrung in den Dortmunder Block über uns und zogen 3 Dortmunder aus dem Block. Einer der Ordner fragte, ob wir eine Aussage bzw. Anzeige machen wollten.
Als später dann allerdings auch noch 5 Polizisten zurück zu uns in den Block kamen und einen von uns rauszogen, waren wir sehr verwundert. Ein weiterer Polizist deutete noch auf einen anderen von uns und dieser wurde dann ebenfalls rausgefischt. Wirklich verwundert über diese Maßnahme machte einer von uns eine Fotoaufnahme von dieser Aktion. Direkt danach tauchte ein Ordner, diesen hatten wir vorher noch nicht gesehen, auf und fragte was auf dem Bild zu sehen sei. Das wir das Spiel nicht fotografiert haben, war jedem klar und somit verlangte der Ordner das wir das Bild löschen sollten. Da wir dies nicht machen wollten kam ein weiterer Polizist und nahm den Dritten von uns mit.

Vor dem Eingang zu unserm Block mussten wir uns mit den Händen nach oben an die Wand stellen. Die Beamten traten sehr aggressiv auf und die Durchsuchung war auch nicht gerade zimperlich. Einer der Polizisten verlangte in einem sehr rauhen Ton, dass das Bild gelöscht werden müsse und um Konflikten aus dem Weg zu gehen, hielten wir uns an diesen Ratschlag. Selber löschen durften wir nicht, sondern wir mussten es dem Polizisten erklären wie es denn ginge. Das Bild wurde gelöscht. Zwei der wirklich freundlichen Ordner beobachteten das Vorgehen der Polizisten und wiesen darauf hin, dass wir nichts gemacht haben und uns nichts vorzuwerfen sei.

Der Aussage wurde aber keine Beachtung geschenkt sondern die Ordner wurden von den Polizisten weggeschickt, da dies nicht deren Aufgabenbereich sei. Nach 10 Minuten an der Wand stehen kam dann ein weiterer Polizist. Dieser teilte uns mit, dass man uns keine Fesseln anlegen würde, wenn wir uns ruhig verhalten, was wir eh schon die ganze Zeit taten. Andernfalls würden wir solche Schmerzen bekommen, wie wir sie zuvor noch nicht erlebt hätten. Geschockt und eingeschüchtert von diesem Auftreten ging es dann mit den Händen hinter dem Kopf zum Mannschaftwagen. Unser Kollege mit den Rückenschmerzen wies darauf hin, er können die Hände nicht mehr länger oben halten. Das er erhebliche Rückenschmerzen hatte, interessierte keinen. Angekommen am Mannschaftwagen und nach Abgabe unserer persönlichen Gegenstände ging es dann in den Bus. Im Bus war es sehr warm und in den kleinen Kabinen bekam man nicht sehr gute Luft. Die Lüftungsanlage wurde trotz höflicher Bitte nicht eingeschaltet. Nachdem einer von uns nach einer Viertelstunde im Bus Durst bekam, kein Wunder bei der Temperatur und der Enge im Bus, und nach Wasser fragte wurde er lächelnd angeschaut und mit den Worten "es geht ja gleich los" abgewiesen. Als zehn Minuten später immer noch nichts passierte und das Verlangen nach einem Toilettendrang auch stieg, machten wir uns mit Klopfzeichen bemerkbar. Die Beifahrertür wurde geöffnet und man teilte uns mit, in fünf Minuten würden wir mehr wissen.

Die Zeit verging und es passierte nichts, einer von uns konnte sein Bedürfniss nicht mehr unterdrücken und urinierte in den Bus. Als die Beamten dies mitbekamen wurden wir angebrüllt, wer es gewesen ist. Unser Kollege teilte ihm mit, dass man ihm zugesichert hatte in 5 Minuten könne er auf Toilette aber es passierte ja nichts. Auf die Anfrage warum wir überhaupt hier sitzen, teilte man uns mit ihr werdet ja schon nicht ohne Grund hier sein. Als einer von uns nachhaken wollte, hieß es nur warum er keine Handfesseln hätte. Bevor er diese noch angelegt bekommen sollte, schwieg er dann lieber.

Nach etwa 40 Minuten setzte dich der Mannschaftswagen dann in Richtung Polizierevier in Bewegung. Dort angekommen wurden wir abgelichtet und mussten eine Alkoholkontrolle abgeben. Einzeln wurden wir befragt, ob wir wissen warum wir hier sind. Natürlich wussten wir es nicht und wir bekamen zum ersten Mal zu hören, wir sollen ein 7 jähriges Kind mit Bierbechern beworfen haben. Hätten die Polizisten sich im Stadion mit den Ordnern unterhalten, wäre die Sache noch vor Ort aufgeklärt gewesen. Aber eine Zusammenarbeit und Kommunikation der Polizei mit den Ordnern fand nicht statt. Unsere Freunde suchten uns in der Stadionwache und auf Nachfrage teilte man Ihnen nur mit, dass man zwei Dortmunder wegen Bierbecher werfen vor kurzem hier gehabt hätte aber da niemand eine Anzeige gemacht hat, diese auch wieder laufen gelassen hat. Wie sollten wir denn auch eine Anzeige oder Aussage machen, wen wir selbst verhaftet werden und keine Stellung nehmen durften. Daraufhin wurden diese noch an das Polizeipräsidium Dortmund verwiesen, allerdings wurde die Wahrscheinlichkeit von Seiten der Polizisten, die sich noch um das Westfalenstadion aufhalten sollten, als "sehr gering" eingeschätzt, dass ein Bierbecherwurf mit verbundener Anzeige auf dem polizeipräsidium geklärt werden sollte. Dennoch zogen sie in Richtung des Polizeipräsidiums, um sich dort nach uns zu erkundigen. Trotz freundlicher und sachlicher Nachfrage wurde ihnen jedoch keinerlei Auskunft erteilt, stattdessen wurde ihnen ein Platzverbot erteilt, da sich die Polizei bei der Ausführung ihrer Arbeit angeblich behinderten.


Nach einiger Zeit in der Zelle auf dem Polizeirevier wurden wir wieder freigelassen. Unsere persönlichen Gegenstände bekamen wir zurück. Auf Nachfrage von uns, wer denn der Einsatzleiter gewesen ist oder an wen wir uns wenden könnten, bekamen wir keine aussagekräftige Antwort. Da wir natürlich wissen wollten, wie die Sache jetzt weiter bearbeitet wird, Stadionverbot und / oder Anzeige, fragten wir nochmals nach. Uns wurde mitgeteilt, dass wir erstmal nur in Gewahrsam genommen wurden, bis die Situation unter Kontrolle ist.

An diesem Tag, haben wir die willkürliche und aggressive Behandlung von Polizeibeamten an friedlichen Fußballfans am eigen Leib zu spüren bekommen. Wir wissen darum, dass unser Beispiel kein Einzelfall ist. Ein Anhörungsrecht wurde uns verweigert, auf den angeschlagenen Gesundheitsstand eines unserer Mitglieder wurde ebenfalls keine Rücksicht genommen.

Wir werden uns diese Vorgehensweise nicht ohne weiteres gefallen lassen und werden prüfen lassen, inwiefern rechtliche Schritte gegen das Vorgehen der zuständigen Polizeibeamten eingeleitet werden können.

Teuflische Grüße

Sebastian
RESERVOIR DEVILS
1.FC Kaiserslautern Supporters Club"


Quelle: http://www.profans.de/index.php?newsnr=104
Mütze
:effe:
bastian
So gesehen nichts neues. Für die Betroffenen natürlich ein scheiß Tag.
Janfred
soweit ich weiß, sind das die leute, mit denen "unser" Lauterer zu den Spielen fährt. ich werd ich nacher mal anrufen und genauere Infos einholen
Emerica
naja wie gesgat nichts neues aber langsam muss man dagegen doch iregdnwas tun.