Starke Bilanz. Und oft unterschätzt. (Andreas Reinke)

Fango
Zitat:
Starke Bilanz. Und oft unterschätzt.

Was bedeuten Ihnen Titel, Herr Reinke? Die Antwort darauf präsentiert Andreas Reinke mit einer einfachen Logik. Wer einen Titel gewinnt, sagt Werders Keeper, erhält einen Pokal oder eine Schale.

Fingerzeig Richtung Berlin: Andreas Reinke."Als Belohnung", so Reinke. "Das besagt doch alles." Von daher seien ihm Titel wichtig, als sichtbares Honorar für die absolvierte Arbeit. Und das Pokal-Finale in Berlin, fügt der Oldtimer an, der schon so viel erlebt hat, sei "immer noch der Höhepunkt in einem Fußballjahr".

Reinke ist vielleicht einer der am meisten unterschätzten Profis in Deutschland und die in statistischen Dingen nicht so sattelfesten Beobachter trauen ihm diese Bilanz kaum zu: Vier Titel hat der aus Güstrow stammende Torwart, der nach der Wende im Westen sein Glück fand, gewonnen. Meisterschaft und Pokal, jeweils mit Lautern und Bremen. Die Zweitliga-Titel mit Lautern und Murcia in Spanien nicht mitgerechnet.

Trotz der Erfolge, Reinke ist der Alte geblieben. Noch heute kreuzt er mit seinem acht Jahre alten VW-Bus (Kilometerstand: 178 000) auf, der im Fuhrpark der PS-kräftigen Nobelkarossen der Kollegen wie ein exotisches Exemplar wirkt. "Der macht noch einige Jahre", sagt Reinke über das praktische Gefährt, das ihm ans Herz gewachsen ist, und schmunzelt vor sich hin. So ist er, der Junge aus Mecklenburg. Bekannt für seinen rustikalen Charme und hintergründigen Mutterwitz, für seine Offenheit und Ehrlichkeit, die Zeitgenossen aus diesem Landstrich auszeichnet. Einer, der in kein Poesiealbum für Profis passt und aus dem Rahmen der schmucken Bilderwelt im Berufsfußball fällt. Ein Anti-Star.

Respektiert beim Double-Gewinner, wo sie auch dank ihm diesen Jahrzehnt-Triumph feiern konnten. Nun nimmt Reinke neu Anlauf und hofft auf die Revanche "auf Schalke" für das 1:2 in der Meisterschaft, auf Berlin und die Wiederholung des Finalsiegs. Und sagt: "Das wäre ein großes Ding, wenn wir die schwere Saison so abschließen könnten."

Manche behaupten, dass es Reinkes letzte Chance sein könnte, eine Hauptrolle zu spielen. Wenn er dies hört, wird er fuchsteufelswild. "Jedes Jahr das Gleiche", sagt er. "Ihr habt nichts dazugelernt." Und empfiehlt den Reportern eindringlich Weiterbildung. "Auch für Euch gibt es doch Schulungen." Man muss Reinke schon kennen, um diesen Witz verarbeiten zu können. Nein, über Tim Wiese, den jungen Herausforderer, der im Sommer kommt, will er nicht reden. "Jetzt interessiert diese Saison, interessiert der Pokal." Der Ehrgeiz ist zu spüren. Reinke, dieser Eindruck verstärkt sich im Gespräch, ist nicht gewillt, kampflos seinen Platz preiszugeben.

So hat er es stets getan. In Hamburg begann er, erst beim HSV, dann bei St. Pauli. Der Durchbruch gelang ihm in Lautern, wo sie ihm oftmals ein ähnliches Schicksal prophezeiten wie nun. Zunächst im Schatten von Gerry Ehrmann setzte sich Reinke durch, ließ Claus Reitmaier keine Chance, Uwe Gospodarek auch nicht. Erst als ihn eine Verletzung stoppte, fand er seinen Meister in Georg Koch. Zu Unrecht, betonen heute noch viele am Betzenberg. Reinke ging nach Saloniki, nach Murcia. Zwischenstationen auf dem Weg zum Glück.

Bremen kämpft auch noch um die Qualifikation für die Champions League. "Der dritte Platz in der Liga wäre mir lieber als der Cup", sagt Sportdirektor Klaus Allofs.

Was ist Ihnen wichtiger, Herr Reinke?

Reinke kann die Logik des Managers nachvollziehen. "Im nächsten Jahr kann der Verein mehr damit anfangen." Und doch träumt er von seinem fünften "echten" Titel.

Hans-Günter Klemm


Quelle: www.kicker.de
MrBonde
"Und empfiehlt den Reportern eindringlich Weiterbildung. "Auch für Euch gibt es doch Schulungen."



Wie recht er doch hat.