Kreiszeitung: Amateure vor dem Abstieg: Das gibt Probleme . . .

Bömmel
Amateure vor dem Abstieg: Das gibt Probleme . . .

Klaus-Dieter Fischer: "Der positive Lernprozess der Spieler würde fehlen"

Von Sven Bremer


BREMEN · Die Amateure von Werder Bremen stehen in der Regionalliga Nord derzeit auf einem Abstiegsplatz. Über die Ursachen für die sportliche Talfahrt und die Auswirkungen für den Verein bei einem Absturz in die Viertklassigkeit spricht Klaus-Dieter Fischer, Geschäftsführer Leistungszentrum Fußball bei Werder, im Interview.

?Herr Fischer, wo sehen Sie die Ursachen für den derzeitigen schlechten Tabellenstand der Werder Amateure?


!"Zum einen gerät die Mannschaft aufgrund einer Runderneuerung fast automatisch in einem Drei- bis Vierjahresrhythmus in Abstiegsgefahr. Das musste Thomas Schaaf als Amateurtrainer erfahren, wie auch Frank Neubarth. Zweimal konnten wir uns nur retten, weil anderen Vereinen die Lizenz nicht erteilt wurde. Zum anderen hatten wir in dieser Saison mit Aaron Hunt, Francis Banecki, Marco Stier und Alexander Walke vier Spieler fest eingeplant. Doch aufgrund der angespannten Personalsituation bei den Profis konnte Thomas Wolter sie nicht konstant einsetzen. Stattdessen musste er auf die neuen Spieler zurückgreifen, die zum Großteil aus unterklassigen Vereinen gekommen sind."


?Bei anderen Clubs würde der Trainer wackeln . . .


!"Bei uns nicht. Thomas Wolter steht außerhalb jeder Diskussion. Er leistet gute Arbeit, geht gut mit den Jungs um."


?Was würde der Abstieg in die Oberliga für Werder bedeuten - aus sportlicher und aus finanzieller Sicht?


!"Das Finanzielle können wir schnell abhaken. Uns würden die Fernsehgelder von rund 390 000 Euro fehlen. Aber durch einen erheblich geringeren Aufwand in punkto Fahrtkosten und Übernachtungen könnte einiges eingespart werden. Zudem würden wir keine teuren Spiele mehr im Weserstadion austragen müssen. Insgesamt könnte man die Hälfte der fehlenden TV-Gelder ausgleichen."


?Schwerer wiegen würde also der sportliche Abstieg?


!"Richtig. Die Spieler werden in der dritten Liga viel stärker gefordert. In der Oberliga würden die Talente sich nicht Woche für Woche mit alten, erfahrenen Hasen auf relativ hohem Niveau messen können. Der positive Lernprozess würde fehlen. Das wäre schon ein großes Negativum."


?Ist auch ein Imageschaden zu befürchten? Schließlich gilt der Verein als Vorreiter in Sachen Nachwuchsarbeit.


!"Nein, die Befürchtung habe ich nicht. Einfach aus dem Grund, weil der Tabellenplatz für uns nie die entscheidende Rolle gespielt hat, sondern die Tatsache, dass wir Spieler nach oben bringen. Mit Francis Banecki und Aaron Hunt haben wir da unser Soll in dieser Saison schon erfüllt."


?Bieten sich noch andere Spieler an, und was rückt aus der A-Jugend nach?


!"Mit Torwart Kasper Jensen und Florian Mohr haben wir zwei Spieler im Blickfeld. Ansonsten sind da noch Thiago Rockenbach da Silva und Damir Memisevic. Das ist in Ordnung. Aber wenn Sie mich fragen: Mir ist das trotzdem noch zu wenig."


?In den DFB-Juniorennationalmannschaften, von der U 19 abwärts, ist so etwas wie ein Werder-Vakuum entstanden. Hat Werder keine herausragenden Talente mehr?


!"Das sehen wir schon länger mit großer Gelassenheit. Weil es nicht gleichzusetzen ist, dass ein Jugendnationalspieler auch ein guter Bundesligaspieler wird. Es ist sogar so, dass sie sich mehrheitlich nicht durchsetzen. Die Talente bei Werder sind da. Das zeigt auch, welche Rollen die Mannschaften in den Ligen spielen. Werder ist überall oben dabei."


?In der Vergangenheit lehnten andere Profivereine Ihre Idee, die Gründung einer U23-Nachwuchsliga, mehrheitlich ab. Glauben Sie noch daran?


!"Ja, denn ab der Saison 2005/2006 tritt die Regelung in Kraft, dass in den Regionalliga-Teams der Bundesligisten nur noch drei Spieler spielen dürfen, die dem U 23-Alter entwachsen sind. Ich denke, dass es in Richtung U 23-Liga gehen wird. Wenn, dann muss es allerdings eine klare Anbindung an die Bundesliga geben."

[14.04.2005] Kreiszeitung