Erklärung der Wilden Horde/Köln

Suffältester
Stellungnahme der WILDEn HORDE 1996 zu den Vorkommnissen der vergangenen Wochen und den daraus resultierenden Folgen

Am Osterwochenende kam es beim Länderspiel der deutschen Fußballnationalschaft im slowenischen Celje zu Ausschreitungen durch deutsche Fußballanhänger. Laut der örtlichen Presse sollen Personen die der Kölner Fanszene zugerechnet werden an diesen Ausschreitungen beteiligt gewesen sein.

Des weiteren kam es beim Meisterschaftsspiel der Regionalliga Nord am darauffolgenden Mittwoch, den 30.März zwischen der Amateurmannschaft des 1.FC Köln und Fortuna Düsseldorf zu Unannehmlichkeiten die ebenfalls unsere Fangruppierung und im besonderen die gesamte Kölner Fanszene in ein schlechtes Licht stellte: während der zweiten Halbzeit des oben genannten Spiels kam es zum Einsatz von Pyrotechnik und es flogen pyrotechnische Gegenstände auf den Platz woraufhin der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen musste.

Zum Auswärtsspiel der Profimannschaft des 1.FC Köln beim TSV 1860 München am vergangenen Sonntag reisten wir per Bus an. Traditionell steuerten wir aufgrund unserer frühen Anreise ein Brauhaus in der Münchner Innenstadt an. Dort befanden sich bei unserer Ankunft schon weitere FC-Fans mit denen man fortan friedlich feierte. Nach einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen einem FC-Fan und dem Brauhauspersonal sperrte die Polizei den Vorplatz des Brauhauses ab und es wurden von über 100 Personen mühsam die Personalien festgestellt. Dies hatte 10 Festnahmen inklusive Sicherheitsgewahrsam zur Folge von denen teilweise auch unsere Gruppe betroffen war. Durch diese Maßnahme erreichten die meisten von der Münchner Polizei kontrollierten Kölner Fans erst weit nach Anpfiff das Olympiastadion.

Nach dem die Kölner Fanszene aufgrund der bisherigen geschilderten Vorkommnisse in den Focus der Kölner Medien und der Kölner Polizei geriet berichtete die Kölner Tageszeitung "Kölner Rundschau" am vergangenen Mittwoch, den 6.April in ihrer Ausgabe über die Problematik mit Fußballfans in Köln im Allgemeinen und erwähnte in diesem Bericht unsere Gruppe im speziellen als Verantwortliche für eben diese Problematik. In einem Interview was in der heutigen Ausgabe der "Kölner Rundschau" abgedruckt ist bezieht der Präsident unserer Gruppe, Pascal Göllner, Stellung zu dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Mit diesem Schreiben beziehen wir nun ausführlich Stellung zu den Geschehnissen:

Die Ausschreitungen beim Länderspiel in Slowenien verurteilen wir. Hiermit distanzieren wir uns als Fanclub des 1.FC Köln erneut von Gewalt. Hierzu sei zu sagen, dass wir inzwischen nahezu 400 Mitglieder in unseren Reihen haben und mittlerweile einer der größten offiziellen Fangemeinschaften des Vereins bilden. Wir sind sicher keine Engel und bei stetigem Zuwachs ist es möglich, dass man auch mal ein paar schwarze Schafe unter sich hat. Vor kurzem haben wir unser Mitgliedersystem umgestellt und erhoffen uns durch eine Optimierung in diesem Bereich zur internen Selbstregulierung und Verbesserung beizutragen.

Zum Spiel der Amateure gegen Düsseldorf ist es auf der Gegengerade wie oben schon erwähnt zum Einsatz von pyrotechnischen Mitteln gekommen. Wichtig ist uns in diesem Falle klar zu stellen, dass kein Mitglied unserer Gruppierung daran beteiligt gewesen ist. In den meisten Fällen sind gar keine oder nur vereinzelt Mitglieder unserer Gruppierung bei Spielen der Amateurmannschaft des 1.FC Köln anwesend. Unsere Fanclubfahne hängt aus diesem Grund auch nie bei Spielen der zweiten Mannschaft unseres Vereins. Anwesend sind wir somit wenn unsere Fahne hängt, und das ist nur bei allen Spielen der Profimannschaft der Fall. Zur Klarstellung möchten wir hiermit die Gelegenheit nutzen noch ein mal deutlich zu stellen, dass wir uns seit längerer Zeit ebenfalls vom Zünden pyrotechnischer Feuerwerksmittel distanzieren. Seit dieser Saison erklären sich Neumitglieder unserer Gruppe mit der Unterschrift bereit, auf den Gebrauch pyrotechnischer Mittel zu verzichten.
Das Abbrennen von Pyrotechnik entspricht zwar unserer Mentalität und ist weiterhin in unseren Augen eine optische Verschönerung der Kurve, doch das Wohl des Vereins ist uns wichtiger als selbstdarstellerische Aktionen.

In der gesamten Kölner Fanszene ist das Bemühen einer Selbstregulierung zur Lösung gewisser Probleme schwer zu vollziehen, da es bei so vielen Leuten in einer Kurve immer mal ein paar Dummköpfe gibt die sich zu Taten hinreissen lassen und somit dem Verein Schaden zufügen. Jedoch sehen wir uns durch die gesamten Geschehnisse ebenfalls gezwungen nicht nur in der eigenen Gruppe, sondern auch in der gesamten Kölner Fanszene das beste zu tun, damit oben geschilderte Geschehnisse sich nicht wiederholen.

Was uns als Gruppe und auch anderen FC-Fans am vergangenen Sonntag in der Münchner Innenstadt geschah ist jedoch zu kritisieren. Das rigorose und übertriebene Durchgreifen der Münchner Polizei in folge der oben geschilderten Verhältnisse war völlig unberechtigt. Wenn ein Täter identifizierbar ist, so kann man nicht pauschal jeden verdächtigen und zu überzogenen Maßnahmen greifen. Von mehr als hundert Personen wurden die Personalien aufgenommen, weiter wurden fast alle Personen die ihre Personalien abgeben mussten abfotografiert und fest gehalten, so dass wie auch schon oben erwähnt viele relativ spät erst das Gelände des Münchner Olympiastadions erreichten. Wir als Fanclub und Teil der Kölner Fanszene sehen hier einen Trend der uns sehr missfällt. Seit den Vorfällen beim Länderspiel in Slowenien kommt es uns vor als würden alle Fußballfans als grundsätzliches Gefahrenpotenzial angesehen. Gerade an diesem ersten Spielwochenende nach dem betreffenden Länderspiel gab es mehrere Vorfälle bei anderen Fußballspielen wo Fans vermutlich ebenso unberechtigt und überzogen behandelt wurden. Hinzu kommt, dass jegliche Medien in den vergangenen Tagen höchst unreflektiert über gewisse Vorfälle berichten womit beim allgemeinen Leser der Eindruck entstehen könnte, dass aktive Fußballfans die ihren Verein auch bei den Auswärtsspielen unterstützen als potentielle Krawallmacher gelten.

Gehen wir somit nun im speziellen auf den Bericht der „Kölner Rundschau“ vom vergangenen Mittwoch ein: hier wurde unserer Gruppe indirekt ein Bezug zu den Vorfällen in Slowenien unterstellt. Des weiteren fällt der Begriff „Hooligans“ in naher Berichterstattung mit unserer Gruppe. Es ist die Rede von einer Absplitterung der „Wilden Horde“ die im Vorfeld der Mini-WM (gemeint ist der im Juni stattfindende Confederations Cup) für Aufregung sorgt. Dieser Bericht ist unserer Meinung nach Panikmache und absolut nicht wahrheitsgemäß. Neben dem Interview unseres Präsidenten, dass heute in derselben Tageszeitung abgedruckt wurde möchten wir nun noch mal abschließend klar und deutlich Stellung beziehen und einige Punkte unterstreichen: in unserer Gruppe herrscht ein großer Zusammenhalt und wir betrachten uns als EINS, somit gibt es sicherlich keine „Absplitterung“ wie von erwähnter Zeitung berichtet wurde. Wichtig ist uns des weiteren zu äußern, dass von uns als Gruppe kaum bis gar kein Interesse am baldigen Confederations Cup sowie an der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 besteht. Alles deutet schon seit längerer Zeit darauf hin, dass diese Veranstaltungen für uns als Fußballfans zum Nachteil der Entwicklung einer lebendigen und freien Fankultur hierzulande tendieren. Es wird mit dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden geworben“. Doch ziehen wir hierzu mal die Geschehnisse des letzten Wochenendes in Betracht: wie wird ein Gast erst behandelt werden wenn schon die aktiven Fans hierzulande keine Gastfreundlichkeit bei Fußballveranstaltungen entgegengebracht kriegen?
Stolz können wir sagen, dass wir in den vergangenen Jahren für unseren Verein einiges geleistet haben. Wir sind uns bewusst, dass wir als große Fanvereinigung im Focus der Öffentlichkeit stehen, besonders auch in der eigenen Fanszene. Jedoch stellen wir uns gezielt und berechtigt gegen Vermutungen und Behauptungen die nicht wahrheitsgemäß sind. Wir sind kein Ziel von Aktionismus! Wenn sich einzelne Fans, die es zweifelsohne sicherlich bei jedem größeren Verein im deutschen Fußball gibt, daneben benehmen, kann dies nicht immer unweigerlich einen ganzen Fanclub, oder eine ganze Fanszene in Verruf bringen.

Wir hoffen, dies gibt allen Lesern dieser Stellungnahme Anlass, die Dinge einmal zu überdenken.

WE ARE COLOGNE!

WILDE HORDE 1996
Der Vorstand