kackstelze
Horst R. Schmidt: "Gut vorbereitet für eine sichere WM"
31.03.2005 09:11:00
© Bongarts
Horst R. Schmidt
Horst R. Schmidt, Generalsekretär des DFB und 1. Vizepräsident des Organisationskomitees FIFA WM 2006, äußert sich im Interview über die Ausschreitungen im Umfeld des Slowenien-Länderspiels und die Konsequenzen für die WM-Vorbereitungen.
Frage: Herr Schmidt, die Ausschreitungen deutscher Hooligans am Rande des Länderspiels in Slowenien haben dieses Problem auch mit Blick auf die FIFA WM 2006 wieder in den Vordergrund gerückt. Welche Vorkehrungen haben Sie vorgesehen, um solche Vorkommnisse auszuschließen?
Horst R. Schmidt: Seitdem sich der DFB um die Austragung der WM 2006 beworben hat der Startschuss dazu ist offiziell gefallen im Jahr 1993 beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema Sicherheit bei einer Weltmeisterschaft. Wir tun alles, um ein höchstes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. "Wir" sind übrigens nicht FIFA, OK oder DFB allein. Vor allem sind dies auch die für die Sicherheit zuständigen Behörden und Institutionen von Bund und Ländern, bei denen die Federführung und die Kompetenz liegen. In einer engen Partnerschaft haben wir auf allen Ebenen ein Sicherheitskonzept für die WM 2006 erarbeitet und stimmen uns fast täglich dazu ab. Bestätigt wird dieses funktionierende und gelebte Konzept ja wöchentlich durch reibungslose Abläufe in den Bundesliga-Stadien oder bei den Heimspielen unserer Nationalmannschaft. Wenn, dann treten Probleme mit deutschen Hooligans bei Auswärtsspielen auf. So paradox es klingen mag: die Erfahrungen mit den deutschen Hooligans sind nun sogar hilfreich bei der Einschätzung dieser internationalen Situation.
Frage: Welche konkreten Maßnahmen werden in Deutschland greifen?
Horst R. Schmidt: Zunächst zu den deutschen Hooligans: In der praktischen Zusammenarbeit steht der Austausch mit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) im Vordergrund. Dort stehen Daten so genannter gewalttätiger Fußballfans zur Verfügung, wobei ich solche Kriminelle nicht als "Fans" bezeichnen möchte. Gegen diese Personen greift in deutschen Arenen ein probates Mittel: das Stadionverbot. Selbstverständlich befinden wir uns in dieser Frage auch in ständigem Austausch mit anderen Nationalverbänden. Genauso kooperiert die polizeiliche Ebene.
Umgesetzt haben wir zudem die Empfehlungen des Europarates zur Sicherheit von Sportveranstaltungen, insbesondere bei Fußballspielen. Auf Initiative des Bundesinnenministeriums haben zudem bereits vier internationale Konferenzen mit Anrainer-, Transit- und Teilnehmerstaaten stattgefunden, weitere sind in Planung. Die Bundesregierung setzt sich auf europäischer Ebene ein für die Schaffung einer europaweiten Regelung zur Überwachung und Verhinderung der Ein-, Aus- und Durchreise von gewaltbereiten Fans. Dabei geht es um Meldepflichten oder Ausreiseverbote für entsprechende Personenkreise. Zur Anwendung kamen solche Maßnahmen bereits bei der Europameisterschaft 2000 in Holland und Belgien, als britische Behörden englische Hooligans nicht haben ausreisen lassen. Bei entsprechender Gefährdungslage ist es sogar denkbar, dass für einen begrenzten Zeitraum an den EU-Binnengrenzen des Schengenraumes Grenzkontrollen durchgeführt werden.
Frage: Stichwort Prävention. Welche Maßnahmen werden im Vorfeld lanciert, beispielsweise bei der Fanbetreuung?
Horst R. Schmidt: Prävention gerade in Richtung der Fans ist natürlich ein ganz wesentlicher Baustein unserer Sicherheits-Maßnahmen. Wer sich gut aufgehoben, betreut, ja wohl fühlt, wird weniger über die Stränge schlagen. Wir arbeiten eng zusammen mit der Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS) und nutzen ihr Know How und die Beziehungen zu den Fan-Gruppierungen in aller Welt. So können wir besser auf die Wünsche und Bedürfnisse der Fans eingehen und gleichermaßen unsere deutschen Fans als Gastgeber für die Zuschauer aus aller Herren Länder aktiv einbinden. Wir richten Fan-Botschaften ein, bei denen sämtliche Informationen abgerufen werden können.
Frage: Ist es richtig, dass auch die Ausweisnummer bei der Bestellung von WM-Tickets letztlich aus Sicherheitsgründen abgefragt wird?
Horst R. Schmidt: Ja, auch das Ticketing-System versucht, in hohem Maße Sicherheitsanforderungen zu berücksichtigen, selbst wenn dies mitunter als unbequem und übertrieben empfunden wird. So ist auch die Erhebung von Ausweis- und Passdaten ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit der WM. Ein Fußballspiel im Rahmen einer WM ist keinesfalls vergleichbar mit einem Kinobesuch. Eine anonym erworbene Eintrittskarte öffnet den Störern Tür und Tor, wie am vergangenen Wochenende in Slowenien geschehen. Nicht ohne Grund haben wir zudem auch je Spiel die maximale Bestellmenge auf vier Tickets pro Kopf limitiert. Damit möchten wir verhindern, dass größere Gruppen die Abläufe behindern könnten.
Frage: Inwiefern ist schon der bevorstehende FIFA Confederations Cup ein Test für das Sicherheits-Konzept bei der WM 2006?
Horst R. Schmidt: Der Confederations Cup ist aus Sicherheits-Sicht nicht zu vergleichen mit der WM. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sich für dieses Turnier ausschließlich Mannschaften qualifiziert haben, deren Fangruppen zu den wirklichen Fußballanhängern zählen. Aber natürlich werden spezifische Turnier-Abläufe getestet, wie beispielsweise Maßnahmen des Ordnungsdienstes oder die Zutrittskontrollen. In Frankfurt testen wir insgesamt das WM-Format. Somit wird es rund um das Stadion auch einen äußeren Sicherheitsring geben.
Frage: Wie lautet - auch nach den aktuellen Ereignissen in Slowenien - Ihr Fazit hinsichtlich der Sicherheits-Vorbereitungen für die WM 2006?
Horst R. Schmidt: Wir fühlen uns sehr gut vorbereitet, um ein höchstes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Natürlich verfeinern wir die Konzepte und passen sie an aktuelle Gegebenheiten an. Dazu befinden wir uns weiter in regelmäßigem Austausch mit allen Beteiligten bis hin zu Bundesinnenminister Otto Schily, der sich persönlich über die Maßen einbringt.
www.dfb.de
31.03.2005 09:11:00
© Bongarts
Horst R. Schmidt
Horst R. Schmidt, Generalsekretär des DFB und 1. Vizepräsident des Organisationskomitees FIFA WM 2006, äußert sich im Interview über die Ausschreitungen im Umfeld des Slowenien-Länderspiels und die Konsequenzen für die WM-Vorbereitungen.
Frage: Herr Schmidt, die Ausschreitungen deutscher Hooligans am Rande des Länderspiels in Slowenien haben dieses Problem auch mit Blick auf die FIFA WM 2006 wieder in den Vordergrund gerückt. Welche Vorkehrungen haben Sie vorgesehen, um solche Vorkommnisse auszuschließen?
Horst R. Schmidt: Seitdem sich der DFB um die Austragung der WM 2006 beworben hat der Startschuss dazu ist offiziell gefallen im Jahr 1993 beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema Sicherheit bei einer Weltmeisterschaft. Wir tun alles, um ein höchstes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. "Wir" sind übrigens nicht FIFA, OK oder DFB allein. Vor allem sind dies auch die für die Sicherheit zuständigen Behörden und Institutionen von Bund und Ländern, bei denen die Federführung und die Kompetenz liegen. In einer engen Partnerschaft haben wir auf allen Ebenen ein Sicherheitskonzept für die WM 2006 erarbeitet und stimmen uns fast täglich dazu ab. Bestätigt wird dieses funktionierende und gelebte Konzept ja wöchentlich durch reibungslose Abläufe in den Bundesliga-Stadien oder bei den Heimspielen unserer Nationalmannschaft. Wenn, dann treten Probleme mit deutschen Hooligans bei Auswärtsspielen auf. So paradox es klingen mag: die Erfahrungen mit den deutschen Hooligans sind nun sogar hilfreich bei der Einschätzung dieser internationalen Situation.
Frage: Welche konkreten Maßnahmen werden in Deutschland greifen?
Horst R. Schmidt: Zunächst zu den deutschen Hooligans: In der praktischen Zusammenarbeit steht der Austausch mit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) im Vordergrund. Dort stehen Daten so genannter gewalttätiger Fußballfans zur Verfügung, wobei ich solche Kriminelle nicht als "Fans" bezeichnen möchte. Gegen diese Personen greift in deutschen Arenen ein probates Mittel: das Stadionverbot. Selbstverständlich befinden wir uns in dieser Frage auch in ständigem Austausch mit anderen Nationalverbänden. Genauso kooperiert die polizeiliche Ebene.
Umgesetzt haben wir zudem die Empfehlungen des Europarates zur Sicherheit von Sportveranstaltungen, insbesondere bei Fußballspielen. Auf Initiative des Bundesinnenministeriums haben zudem bereits vier internationale Konferenzen mit Anrainer-, Transit- und Teilnehmerstaaten stattgefunden, weitere sind in Planung. Die Bundesregierung setzt sich auf europäischer Ebene ein für die Schaffung einer europaweiten Regelung zur Überwachung und Verhinderung der Ein-, Aus- und Durchreise von gewaltbereiten Fans. Dabei geht es um Meldepflichten oder Ausreiseverbote für entsprechende Personenkreise. Zur Anwendung kamen solche Maßnahmen bereits bei der Europameisterschaft 2000 in Holland und Belgien, als britische Behörden englische Hooligans nicht haben ausreisen lassen. Bei entsprechender Gefährdungslage ist es sogar denkbar, dass für einen begrenzten Zeitraum an den EU-Binnengrenzen des Schengenraumes Grenzkontrollen durchgeführt werden.
Frage: Stichwort Prävention. Welche Maßnahmen werden im Vorfeld lanciert, beispielsweise bei der Fanbetreuung?
Horst R. Schmidt: Prävention gerade in Richtung der Fans ist natürlich ein ganz wesentlicher Baustein unserer Sicherheits-Maßnahmen. Wer sich gut aufgehoben, betreut, ja wohl fühlt, wird weniger über die Stränge schlagen. Wir arbeiten eng zusammen mit der Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS) und nutzen ihr Know How und die Beziehungen zu den Fan-Gruppierungen in aller Welt. So können wir besser auf die Wünsche und Bedürfnisse der Fans eingehen und gleichermaßen unsere deutschen Fans als Gastgeber für die Zuschauer aus aller Herren Länder aktiv einbinden. Wir richten Fan-Botschaften ein, bei denen sämtliche Informationen abgerufen werden können.
Frage: Ist es richtig, dass auch die Ausweisnummer bei der Bestellung von WM-Tickets letztlich aus Sicherheitsgründen abgefragt wird?
Horst R. Schmidt: Ja, auch das Ticketing-System versucht, in hohem Maße Sicherheitsanforderungen zu berücksichtigen, selbst wenn dies mitunter als unbequem und übertrieben empfunden wird. So ist auch die Erhebung von Ausweis- und Passdaten ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit der WM. Ein Fußballspiel im Rahmen einer WM ist keinesfalls vergleichbar mit einem Kinobesuch. Eine anonym erworbene Eintrittskarte öffnet den Störern Tür und Tor, wie am vergangenen Wochenende in Slowenien geschehen. Nicht ohne Grund haben wir zudem auch je Spiel die maximale Bestellmenge auf vier Tickets pro Kopf limitiert. Damit möchten wir verhindern, dass größere Gruppen die Abläufe behindern könnten.
Frage: Inwiefern ist schon der bevorstehende FIFA Confederations Cup ein Test für das Sicherheits-Konzept bei der WM 2006?
Horst R. Schmidt: Der Confederations Cup ist aus Sicherheits-Sicht nicht zu vergleichen mit der WM. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sich für dieses Turnier ausschließlich Mannschaften qualifiziert haben, deren Fangruppen zu den wirklichen Fußballanhängern zählen. Aber natürlich werden spezifische Turnier-Abläufe getestet, wie beispielsweise Maßnahmen des Ordnungsdienstes oder die Zutrittskontrollen. In Frankfurt testen wir insgesamt das WM-Format. Somit wird es rund um das Stadion auch einen äußeren Sicherheitsring geben.
Frage: Wie lautet - auch nach den aktuellen Ereignissen in Slowenien - Ihr Fazit hinsichtlich der Sicherheits-Vorbereitungen für die WM 2006?
Horst R. Schmidt: Wir fühlen uns sehr gut vorbereitet, um ein höchstes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Natürlich verfeinern wir die Konzepte und passen sie an aktuelle Gegebenheiten an. Dazu befinden wir uns weiter in regelmäßigem Austausch mit allen Beteiligten bis hin zu Bundesinnenminister Otto Schily, der sich persönlich über die Maßen einbringt.
www.dfb.de