Walke wechselt nach Freiburg
Allofs und Schaaf sind vom Torhüter maßlos enttäuscht / "Es waren rein sportliche Gründe"
Von Arne Flügge
und Erik Trümpler
BREMEN · Am Mittwoch noch hatte Sportdirektor Klaus Allofs optimistisch verkündet, dass die Vertragsverlängerung mit Alexander Walke so gut wie in trockenen Tüchern sei - gestern nun platzte die Bombe: Der Torhüter hat das Angebot von Werder Bremen abgelehnt und wird stattdessen in diesen Tagen einen Dreijahres-Vertrag beim SC Freiburg unterschreiben.
Die Enttäuschung über die Entscheidung des 21-Jährigen stand sowohl Bremens Sportdirektor als auch Werder-Trainer Thomas Schaaf ins Gesicht geschrieben. "Wir hatten vor, etwas Gutes zu tun. Aber wer nicht will, der hat schon", grollte Allofs. Der Wechsel Walkes sei für ihn "völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar."
Werder hatte dem 21-Jährigen einen Dreijahres-Vertrag vorgelegt. Mit der Maßgabe, sofort für zwei Jahre ausgeliehen zu werden, um genügend Spielpraxis zu sammeln. Nach dem Abschied von Andreas Reinke 2007 sollte der Keeper dann mit Tim Wiese in den Konkurrenzkampf um die Nummer eins im Bremer Tor einsteigen. "Wir wollten mit Alex gemeinsam etwas entwickeln, weil wir bei ihm großes Potenzial sehen. Wir hatten ihm eine Zukunft bei Werder aufgezeigt. Seine Absage ist sehr bedauerlich."
Thomas Schaaf war maßlos enttäuscht. Er hatte ganz auf die Karte Walke gesetzt, den U 21-Nationaltorwart nach der Winterpause sogar zur Nummer zwei befördert. "Wir haben über Jahre hinweg mit Alex richtig gelegen und ihm eine gute Entwicklung ermöglicht. Jetzt verlieren wir ihn, bevor wir überhaupt etwas von Alexander hatten", sagte der Trainer.
Nach der Haschisch-Affäre während der U 20-WM in den Emiraten im Dezember 2003, als der junge Torwart von der FIFA für sieben Monate gesperrt worden war, hatte sich Schaaf überdies wie eine Wand vor den Keeper gestellt und an ihm festgehalten. "In Zukunft werden wir uns überlegen, ob wir uns wieder so verhalten", meinte Schaaf frustriert. Von Charakterschwäche des Torwarts wollte der Coach nicht sprechen. "Das maße ich mir nicht an. Darüber soll jeder sein eigenes Urteil fällen . . ." Sportchef Klaus Allofs machte aus seinem Herzen ebenfalls keine Mördergrube: "Ich kann Alexander nicht verstehen. Wir haben ihm damals in einer schwierigen Situation zur Seite gestanden und uns der Verantwortung gestellt. "
Das weiß Walke, und deshalb "bin ich auch für alles dankbar, was der Verein für mich getan hat. Doch es waren rein sportliche Gründe, warum ich mich zu einem Wechsel nach Freiburg entschlossen habe. Deshalb habe ich mir moralisch nichts vorzuwerfen."
Die Variante mit dem Leihgeschäft "haben wir lange diskutiert", erklärte gestern Walke-Berater Stefan Schneekloth, "doch dafür haben sich keine konkreten Angebote ergeben." So hätte sein Schützling in die Situation kommen können, als Nummer drei in Bremen bleiben zu müssen. "Für Alex geht es darum, sich sportlich weiter zu entwickeln", sagte Schneekloth. Da kam das Angebot aus dem Breisgau wie gerufen. Allerdings wollte Freiburg Walke nicht ausleihen. Er soll Torhüter Richard Golz (36) beerben. "Vielleicht schon in diesem Jahr, spätestens aber 2006 hat Alex die Chance, Nummer eins zu werden.", meinte Schneekloth.
Er kann die Bremer Enttäuschung zwar nachvollziehen, nicht aber, dass "Werder die Entscheidung von Alex als Undankbarkeit abqualifiziert". Für einen Torwart gebe es in der ersten und zweiten Bundesliga nicht viele Möglichkeiten, einen Club zu finden. "Freiburg ist ein seriös geführter Verein, bei dem Alex eine gute sportliche Perspektive hat", findet Schneekloth: "Es ist doch klar, dass ein junger Torhüter über diese Möglichkeit nachdenkt." Auf der anderen Seite, so der Berater weiter, habe sich Werder für die Lösung Reinke/Wiese entschieden. "Das musste Alex auch akzeptieren."
[08.04.2005]
Kreiszeitung