Fan-PR mit CEC

Südländer
Ein Artikel aus dem Hamburger Abendblatt mit unserem Hamburger Dauergast. Das angeblich tolle Foto ist nicht dabei, aber trotzdem: gute PR-Arbeit





Anklage: "Wir gelten als Sicherheitsrisiko."
Fangruppe

Von Alexander Laux

Hamburg - Würde sie jemand als Fußball-"Kunden" bezeichnen, käme das einem Schimpfwort gleich. Sie leben und leiden mit dem Verein, sie begleiten den HSV auch zu den Auswärtsspielen. Sie, das sind die Anhänger auf den billigen (Steh-) Plätzen, die trotz der zunehmenden Unterhaltungsberieselung in Stadien hauptsächlich für die Atmosphäre in den topmodernen Arenen Deutschlands sorgen. Und sie sind sauer. Morgen, beim Bundesligaspiel gegen Dortmund, wird es wieder Proteste auf der Nordtribüne geben. Motto: "Fan-Emotion statt DFB-Repression."

Treffpunkt Fanhaus, Stresemannstraße 162. Philipp Markhardt, einer der führenden Mitglieder der Fangruppe "Chosen Few" und Auszubildender in einer PR-Agentur, und Patrick Grützner, Speditionskaufmann und Mitglied der Abteilungsleitung des Supporters Clubs, bemängeln die Zustände in Deutschland. Es geht um mangelnde Anerkennung der Fans, um den Erhalt der Fankultur, um Stadionverbote, die Behandlung durch die Polizei, um Anstoßzeiten und Spieltage.

"Fans werden in fremden Städten häufig nicht als Gäste angesehen, sondern als Sicherheitsrisiko. Die Zahl der Übergriffe von seiten der Polizei hat zugenommen", sagt Markhardt. "Aber solange Fußball-Fans keine öffentliche Lobby haben, können die Polizisten handeln wie die Axt im Walde." Das Klischee vom "asozialen Klopper" sitze in vielen Teilen der Gesellschaft noch tief.

Grützner erzählt davon, wie der Besuch eines Spiels auf Schalke abläuft. Nach der Ankunft des Sonderzugs am Bahnhof in Gelsenkirchen fahren Busse vor, die die HSV-Fans direkt vor dem Block absetzen. Ein Restaurant-Besuch vor dem Anpfiff? Unmöglich. In vielen Stadien fühlen sich die Hamburger durch hohes Plexiglas (Schalke) oder Zäune (Stuttgart) laut Grützner wie "Vieh, das zur Schlachtbank geführt wird". Und dann würden sie noch im Stadion mit Chipkarten abgezockt.

Sehr problematisch ist das Thema Stadionverbote. "Unmöglich, für welche Lappalien man heute Stadionverbot bekommt", beschwert sich Markhardt. Und: Auch nach Einstellung eines Ermittlungsverfahrens müssen die Fans ihre Unschuld beweisen, bevor ein Verbot aufgehoben wird. Grützner: "Ein Fan in Deutschland ist so lange schuldig, bis er das Gegenteil beweist . . ."

Ein Affront gegen jeden Fan seien laut Grützner und Markhardt die Spielzeiten am Sonntag und besonders am Montag. Doch es seien auch viele Kleinigkeiten, die es schwer machen würden, das pure Fußballvergnügen ohne Schnickschnack und Repression erleben zu können. Wollen die Fans vor dem Spiel eine Choreographie in der Kurve mit Pappschildern oder einer Blockfahne aufführen, so muß dies angemeldet werden und wird nicht überall genehmigt. Wegen Brandgefahr. Es sei zu befürchten, daß die Stammkundschaft des Fußballs nachhaltig geschädigt werde. Grützner: "Und was passiert dann, wenn für die Eventbesucher Fußball mal außer Mode gerät?"

Bundesweit haben sich 34 Vereine mit der Aktion "Pro Fans. Ohne uns kein Kick" zusammengeschlossen (www.profans.de). Die Nordachse mit den sonst rivalisierenden Fans des HSV, St. Pauli, Bremen, Rostock und Hannover kämpft gemeinsam um eine Besserstellung. Auf Unterstützung aus den Klubs hoffen die Fans weniger. Markhardt: "Viele Vorstände kommen aus der Wirtschaft, handeln profitorientiert. Die können sich nicht reindenken, was einen Stadionbesuch ausmacht." Auch einige Fanbetreuer, wie in Freiburg oder München, hätten "keine Ahnung, was Fans wollen".

erschienen am 18. März 2005 in Sporthttp://www.abendblatt.de/daten/2005/03/18/411557.html
CiderExpressCrew
Pöh! "Angeblich"... hab ich jemals gelogen?
Schiffmeister
Ein guter Artikel.