MrBonde
Noch ein Wunder an der Weser
Von Kai Niels Bogena, Bremen
Für Werder Bremen verlief die Winterpause alles andere als harmonisch. Spieler prügelten sich, die Ergebnisse der Testspiele waren zumeist enttäuschend. Dennoch glaubt der Meister, in der Rückrunde noch einmal angreifen zu können. Die Chance zur Titelverteidigung ist aber - nüchtern betrachtet - gering.
Jürgen L. Born blickte angestrengt gegen die untergehende Sonne. Auf dem holprigen Rasen vor ihm mühten sich die Spieler von Werder Bremen in der Testpartie gegen den bulgarischen Spitzenklub Lokomotive Plovdiv. Das Match schleppte sich dahin. Endstand 1:1, dennoch lächelte Born. Der Werder-Boss weilte zwar nur zwei Tage im Trainingslager im türkischen Badeort Belek. Diese Zeit aber genügte dem 64-jährigen, um eine Kampfansage an Tabellenführer Bayern München zu schicken. "Wir werden in der Rückrunde oben noch mal angreifen." Eine mutige Aussage, vielleicht sogar eine vermessene, ist doch Werder als Tabellenfünfter mit sechs Punkten Rückstand zur Liga-Spitze derzeit weit von der Titelverteidigung entfernt.
Nach dem morgigen Spieltag könnte der Abstand noch größer sein. Werder startet beim FC Schalke 04 in die Rückrunde. "Für Bremen wird es schon ein echtes Endspiel", unkt Franz Beckenbauer, Präsident des Herbstmeisters FC Bayern. Auch die Gelsenkirchener, nach der Hinrunde gleichauf mit den Münchnern, wissen, was auf dem Spiel steht. "Wir haben gegen Werder die Möglichkeit, auf neun Punkte davonzuziehen", sagte Schalkes Trainer Ralf Rangnick, "eine mittelprächtige Leistung wird aber nicht reichen. Wir müssen ein Topspiel abliefern."
Werden die Gäste Schalke wirklich so viel abverlangen? "Die Vorbereitung ist unrund verlaufen", gesteht Werder-Trainer Thomas Schaaf. Eine freundliche Formulierung eingedenk der jüngsten Kapriolen bei den Norddeutschen. Die in der Hinrunde drittbeste Bundesliga-Abwehr zeigte sich bei den Testspielkicks während der Winterpause häufig als Torso. Gegen den Zweitligisten Eintracht Trier gab es eine 1:5-Pleite, kaum weniger blamabel war die Vorstellung beim Kräftemessen mit Fenerbahce Istanbul. Das Team von Christoph Daum behielt mit 4:1 die Oberhand.
Immerhin durfte sich Johan Micoud als Sieger fühlen - im privaten Kickbox-Duell gegen Fabian Ernst. Seinen Noch-Mannschaftskollegen, der Nationalspieler wechselt nach der Saison zum morgigen Gegner Schalke 04, bezwang der Franzose klar nach Punkten. Gegen Micouds Kopfstoß fand Ernst kein Rezept, zu unerwartet kam die Attacke auf der Busfahrt zurück ins Hotel. Zwar vertrugen sich die beiden nach offizieller Darstellung des Vereins wieder, aber Beobachtern der Bremer Szene ist klar, dass das Verhältnis der Mittelfeldspieler zerrüttet ist. Ernsts Wechsel nach Gelsenkirchen kann so durchaus als Flucht vor dem Regisseur gewertet werden. Der 25-Jährige hat wohl genug von den divenhaften Eskapaden Micouds, der, wenn er will, formidabel kicken kann, aber auch den gesamten Ruhm beansprucht.
"Es ist klar, dass so etwas Nachwirkungen hat", bemüht sich Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs um Gelassenheit. "Wir laufen jetzt nicht alle geduckt in der Kabine herum und sind stark genug, um gegen Schalke zu bestehen", verkündet Schaaf tapfer. Der Trainer sieht sich, auch wenn er es nicht öffentlich zugeben mag, um den Lohn seiner Arbeit gebracht. Denn insgesamt können die Bremer mit dem bisherigen Verlauf der Bundesligasaison zufrieden sein. Dass es nicht wieder zu einem Coup wie vergangene Saison langen würde, als Meisterschaft und Pokal nach Bremen gingen, war an der Weser allen Beteiligten klar.
Auch diese Spielzeit hat es Werder geschafft, Abgänge zu kompensieren. Verteidiger Mladen Krstajic und Torschützenkönig Ailton zog es nach nach Schalke. Werder ersetzte sie durch den Bochumer Nationalspieler Frank Fahrenhorst und dessen DFB-Kollegen Miroslav Klose. Der liegt nach einigen Problemen zu Beginn mit zehn Treffern inzwischen auf Platz drei der Torschützenliste. Ailton brachte es in Gelsenkirchen bisher nur auf sechs Treffer. "Vielleicht war es gut, dass er uns nach unser überragenden Saison verlassen hat", sinniert Allofs, "manchmal tut eine Blutauffrischung einer Mannschaft gut."
Werder kennt sein Schicksal, stets die besten Fußballer an finanziell stärkere Clubs abgeben zu müssen. Seit dem Verkauf des peruanischen Stürmers Claudio Pizarro, der im Juni 2000 für umgerechnet 8,6 Millionen Euro zu Bayern München wechselte, war Werder danach nur bedingt in der Lage, Spitzenkräfte dauerhaft zu halten. Zwei Jahre nach Pizarro verließen die Nationalspieler Frank Rost und Torsten Frings die Bremer. Nun folgt Ernst.
Für die Bremer Führung ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Die Werder-Strategie fußt auf einem einfachen Konzept: Den Angestellten überschaubare Summen überweisen und den Kader immer wieder durch - in der Regel - günstige Kicker zu erweitern. Es sind Fußballer wie der Finne Petri Pasanen und Daniel Jensen aus Dänemark, die vorher kaum einer kannte, die aber in Bremen schnell zu Leistungsträgern avancierten. Beide zusammen kosteten gerade einmal rund zwei Millionen Euro. Auch der Franzose Valérien Ismaël, der vor anderthalb Jahren aus Straßburg kam, fällt in die Kategorie Schnäppchen. Der Franzose ist inzwischen einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga. "Genau solche Transfers machen unsere Stärke aus", freut sich Allofs.
"Wir haben uns eine Gehaltsgrenze gesetzt, die wir nicht überschreiten", sagt Allofs. "Wer trotzdem bei uns bleiben will, dem garantieren wir eine hervorragende, sportliche Perspektive, ein gesundes Umfeld und dass er sein Gehalt immer pünktlich bekommt." Micoud ist mit etwa drei Millionen Euro pro Jahr der Topverdiener. Dafür wird an der Basis gespart - fast alle Stammkräfte liegen mit ihrem Einkommen rund eine Million Euro unter dem Micouds.
Für einen Bundesliga-Spitzenclub ist dies eine unübliche Tatsache, weil oft gerade durchschnittliche Kicker überdurchschnittlich verdienen. Die Werder-Verantwortlichen halten ihr Modell für das der Zukunft. "Wir haben keine so hohen Zuschauereinahmen und kein so großes wirtschaftliches Umfeld wie Bayern München oder Schalke. Wir planen für Erfolge nur mit unserem hanseatisch durchdachten Konzept. Es ist die einzige Chance für uns, mit anderen Clubs mitzuhalten", sagt Born.
Die Verantwortlichen glauben, dass so Titel auch in den nächsten Jahren nach Bremen wandern werden. "Ich gebe zu, dass wir vergangenes Jahr durch Tore in letzter Minute oft ein wenig Glück hatten", so Born, "aber wir sind in dieser Saison noch aussichtsreich in allen drei Wettbewerben vertreten. Ich erwarte auch für die nächsten Jahre keinen Abfall unser Leistung." Die erstarkten Schalker und Bayern ängstigten ihn nicht, sagt Born.
"Wir müssen von Zeit zu Zeit den einen oder anderen Spieler abgeben, damit wieder Geld in die Kasse kommt", sagt der Ex-Banker. So wurde in der Winterpause der griechische EM-Held Angelos Charisteas für fast fünf Millionen Euro an Ajax Amsterdam verkauft. Ersatz war schnell gefunden. Der Ägypter Mohamed Zidan vom dänischen Erstligisten FC Midtjylland kostete eine Ausleihgebühr von rund 500.000 Euro. Pech nur, dass sich der 23-Jährige im Testspiel gegen den Hamburger SV am Knie verletzte und voraussichtlich erst Anfang März wieder spielen kann. In Bremen bemüht man sich, dies nicht als schlechtes Omen zu sehen.
spiegel.de
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Grosse journalistische Leistung. Werder gibt oft Spieler ab, hat nicht so ganz geile Chancen auf die Meisterschaft und Zidan ist verletzt. Brandheisse News.
Über Micouds Kopfnuss hab ich jetzt 3 Varianten gelesen: Beim 5 gegen 2, beim Trainingsspiel 8 gegen 8 und nun ist es doch im Bus passiert.
Bogena und Spiegel Online passen allerdings bestens zusammen.
Von Kai Niels Bogena, Bremen
Für Werder Bremen verlief die Winterpause alles andere als harmonisch. Spieler prügelten sich, die Ergebnisse der Testspiele waren zumeist enttäuschend. Dennoch glaubt der Meister, in der Rückrunde noch einmal angreifen zu können. Die Chance zur Titelverteidigung ist aber - nüchtern betrachtet - gering.
Jürgen L. Born blickte angestrengt gegen die untergehende Sonne. Auf dem holprigen Rasen vor ihm mühten sich die Spieler von Werder Bremen in der Testpartie gegen den bulgarischen Spitzenklub Lokomotive Plovdiv. Das Match schleppte sich dahin. Endstand 1:1, dennoch lächelte Born. Der Werder-Boss weilte zwar nur zwei Tage im Trainingslager im türkischen Badeort Belek. Diese Zeit aber genügte dem 64-jährigen, um eine Kampfansage an Tabellenführer Bayern München zu schicken. "Wir werden in der Rückrunde oben noch mal angreifen." Eine mutige Aussage, vielleicht sogar eine vermessene, ist doch Werder als Tabellenfünfter mit sechs Punkten Rückstand zur Liga-Spitze derzeit weit von der Titelverteidigung entfernt.
Nach dem morgigen Spieltag könnte der Abstand noch größer sein. Werder startet beim FC Schalke 04 in die Rückrunde. "Für Bremen wird es schon ein echtes Endspiel", unkt Franz Beckenbauer, Präsident des Herbstmeisters FC Bayern. Auch die Gelsenkirchener, nach der Hinrunde gleichauf mit den Münchnern, wissen, was auf dem Spiel steht. "Wir haben gegen Werder die Möglichkeit, auf neun Punkte davonzuziehen", sagte Schalkes Trainer Ralf Rangnick, "eine mittelprächtige Leistung wird aber nicht reichen. Wir müssen ein Topspiel abliefern."
Werden die Gäste Schalke wirklich so viel abverlangen? "Die Vorbereitung ist unrund verlaufen", gesteht Werder-Trainer Thomas Schaaf. Eine freundliche Formulierung eingedenk der jüngsten Kapriolen bei den Norddeutschen. Die in der Hinrunde drittbeste Bundesliga-Abwehr zeigte sich bei den Testspielkicks während der Winterpause häufig als Torso. Gegen den Zweitligisten Eintracht Trier gab es eine 1:5-Pleite, kaum weniger blamabel war die Vorstellung beim Kräftemessen mit Fenerbahce Istanbul. Das Team von Christoph Daum behielt mit 4:1 die Oberhand.
Immerhin durfte sich Johan Micoud als Sieger fühlen - im privaten Kickbox-Duell gegen Fabian Ernst. Seinen Noch-Mannschaftskollegen, der Nationalspieler wechselt nach der Saison zum morgigen Gegner Schalke 04, bezwang der Franzose klar nach Punkten. Gegen Micouds Kopfstoß fand Ernst kein Rezept, zu unerwartet kam die Attacke auf der Busfahrt zurück ins Hotel. Zwar vertrugen sich die beiden nach offizieller Darstellung des Vereins wieder, aber Beobachtern der Bremer Szene ist klar, dass das Verhältnis der Mittelfeldspieler zerrüttet ist. Ernsts Wechsel nach Gelsenkirchen kann so durchaus als Flucht vor dem Regisseur gewertet werden. Der 25-Jährige hat wohl genug von den divenhaften Eskapaden Micouds, der, wenn er will, formidabel kicken kann, aber auch den gesamten Ruhm beansprucht.
"Es ist klar, dass so etwas Nachwirkungen hat", bemüht sich Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs um Gelassenheit. "Wir laufen jetzt nicht alle geduckt in der Kabine herum und sind stark genug, um gegen Schalke zu bestehen", verkündet Schaaf tapfer. Der Trainer sieht sich, auch wenn er es nicht öffentlich zugeben mag, um den Lohn seiner Arbeit gebracht. Denn insgesamt können die Bremer mit dem bisherigen Verlauf der Bundesligasaison zufrieden sein. Dass es nicht wieder zu einem Coup wie vergangene Saison langen würde, als Meisterschaft und Pokal nach Bremen gingen, war an der Weser allen Beteiligten klar.
Auch diese Spielzeit hat es Werder geschafft, Abgänge zu kompensieren. Verteidiger Mladen Krstajic und Torschützenkönig Ailton zog es nach nach Schalke. Werder ersetzte sie durch den Bochumer Nationalspieler Frank Fahrenhorst und dessen DFB-Kollegen Miroslav Klose. Der liegt nach einigen Problemen zu Beginn mit zehn Treffern inzwischen auf Platz drei der Torschützenliste. Ailton brachte es in Gelsenkirchen bisher nur auf sechs Treffer. "Vielleicht war es gut, dass er uns nach unser überragenden Saison verlassen hat", sinniert Allofs, "manchmal tut eine Blutauffrischung einer Mannschaft gut."
Werder kennt sein Schicksal, stets die besten Fußballer an finanziell stärkere Clubs abgeben zu müssen. Seit dem Verkauf des peruanischen Stürmers Claudio Pizarro, der im Juni 2000 für umgerechnet 8,6 Millionen Euro zu Bayern München wechselte, war Werder danach nur bedingt in der Lage, Spitzenkräfte dauerhaft zu halten. Zwei Jahre nach Pizarro verließen die Nationalspieler Frank Rost und Torsten Frings die Bremer. Nun folgt Ernst.
Für die Bremer Führung ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Die Werder-Strategie fußt auf einem einfachen Konzept: Den Angestellten überschaubare Summen überweisen und den Kader immer wieder durch - in der Regel - günstige Kicker zu erweitern. Es sind Fußballer wie der Finne Petri Pasanen und Daniel Jensen aus Dänemark, die vorher kaum einer kannte, die aber in Bremen schnell zu Leistungsträgern avancierten. Beide zusammen kosteten gerade einmal rund zwei Millionen Euro. Auch der Franzose Valérien Ismaël, der vor anderthalb Jahren aus Straßburg kam, fällt in die Kategorie Schnäppchen. Der Franzose ist inzwischen einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga. "Genau solche Transfers machen unsere Stärke aus", freut sich Allofs.
"Wir haben uns eine Gehaltsgrenze gesetzt, die wir nicht überschreiten", sagt Allofs. "Wer trotzdem bei uns bleiben will, dem garantieren wir eine hervorragende, sportliche Perspektive, ein gesundes Umfeld und dass er sein Gehalt immer pünktlich bekommt." Micoud ist mit etwa drei Millionen Euro pro Jahr der Topverdiener. Dafür wird an der Basis gespart - fast alle Stammkräfte liegen mit ihrem Einkommen rund eine Million Euro unter dem Micouds.
Für einen Bundesliga-Spitzenclub ist dies eine unübliche Tatsache, weil oft gerade durchschnittliche Kicker überdurchschnittlich verdienen. Die Werder-Verantwortlichen halten ihr Modell für das der Zukunft. "Wir haben keine so hohen Zuschauereinahmen und kein so großes wirtschaftliches Umfeld wie Bayern München oder Schalke. Wir planen für Erfolge nur mit unserem hanseatisch durchdachten Konzept. Es ist die einzige Chance für uns, mit anderen Clubs mitzuhalten", sagt Born.
Die Verantwortlichen glauben, dass so Titel auch in den nächsten Jahren nach Bremen wandern werden. "Ich gebe zu, dass wir vergangenes Jahr durch Tore in letzter Minute oft ein wenig Glück hatten", so Born, "aber wir sind in dieser Saison noch aussichtsreich in allen drei Wettbewerben vertreten. Ich erwarte auch für die nächsten Jahre keinen Abfall unser Leistung." Die erstarkten Schalker und Bayern ängstigten ihn nicht, sagt Born.
"Wir müssen von Zeit zu Zeit den einen oder anderen Spieler abgeben, damit wieder Geld in die Kasse kommt", sagt der Ex-Banker. So wurde in der Winterpause der griechische EM-Held Angelos Charisteas für fast fünf Millionen Euro an Ajax Amsterdam verkauft. Ersatz war schnell gefunden. Der Ägypter Mohamed Zidan vom dänischen Erstligisten FC Midtjylland kostete eine Ausleihgebühr von rund 500.000 Euro. Pech nur, dass sich der 23-Jährige im Testspiel gegen den Hamburger SV am Knie verletzte und voraussichtlich erst Anfang März wieder spielen kann. In Bremen bemüht man sich, dies nicht als schlechtes Omen zu sehen.
spiegel.de
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Grosse journalistische Leistung. Werder gibt oft Spieler ab, hat nicht so ganz geile Chancen auf die Meisterschaft und Zidan ist verletzt. Brandheisse News.
Über Micouds Kopfnuss hab ich jetzt 3 Varianten gelesen: Beim 5 gegen 2, beim Trainingsspiel 8 gegen 8 und nun ist es doch im Bus passiert.
Bogena und Spiegel Online passen allerdings bestens zusammen.