WM-Kampagne

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WM-KAMPAGNE

Schröders neue Wahlkampfhelfer

Von Carsten Volkery

Die Werbeagentur Scholz and Friends hat den Zuschlag für die millionenteure Imagekampagne FC Deutschland 06 erhalten. Damit avancieren die Werber zu den offiziellen Stimmungskanonen der Nation - und der rotgrünen Bundesregierung.



DDP
Gerhard Schröder: Oberster Fußballfan Deutschlands
Berlin - Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat die Agentur Scholz and Friends die Ausschreibung für die Imagekampagne der Bundesregierung gewonnen. Von 6500 möglichen Punkten erzielte die Agentur, die unter anderem mit der FAZ-Werbekampagne ("Dahinter steckt immer ein kluger Kopf") bekannt geworden war, rund 6000 Punkte. Auf dem zweiten Platz landete die Agentur "Zum Goldenen Hirschen" mit 4000 Punkten. Entschieden hat eine 30-köpfige Kommission, der auch mehrere Regierungsmitglieder angehörten.

Auf den ersten Blick überrascht die Entscheidung. Viele Beobachter hatten darauf gewettet, dass die Werber vom "Goldenen Hirschen" das Rennen machen würde. Schließlich waren die Hamburger bereits mit dem letzten Bundestagswahlkampf der Grünen und der kniffligen "Agenda 2010"-Vermarktung betraut worden. Und schließlich waren sie es, die den Slogan "FC Deutschland 06" erfunden und Ende letzten Jahres bereits ein erstes Konzept präsentiert hatten.

Doch auf den zweiten Blick ist Scholz and Friends die logische Wahl. Denn sie ist die einzige der vier Agenturen, die noch nicht für eine Partei gearbeitet hat und der Imagekampagne so den wichtigen überparteilichen Anstrich gibt. Schröder erspart sich den Vorwurf, die WM für seine Wiederwahl zu instrumentalisieren - und kann sich insgeheim die Hände reiben, weil der Glanz der Kampagne sowieso auf die Regierung abfärben wird. Es ist, um eins seiner Lieblingswörter zu gebrauchen, eine Win-Win-Situation.

Ohnehin ist es unwahrscheinlich, dass Kritik laut wird. Die Opposition hat sich längst damit abgefunden, dass ihr nichts anderes übrig bleibt, als bei der Kanzlershow mitzumachen. Vorbei die Zeit, als der damalige CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer der Regierung vorwarf, sie wolle "nur von ihrer jämmerlichen Politik ablenken, indem sie den Fußball instrumentalisiert". Recht bald besann man sich im Konrad-Adenauer-Haus eines Besseren und entschied sich für eine "konstruktiv-kritische Haltung", wie ein CDU-Mann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" verriet.

CDU-Chefin Angela Merkel zeigt sich seither häufiger auf Fußballtribünen. Auf dem Düsseldorfer Parteitag bemühte sie sich zuletzt, so etwas wie Begeisterung für die Macho-Veranstaltung aufzubringen. "Wir alle wollen natürlich 2006 Fußballweltmeister werden", sagte sie. Die Kritik folgte allerdings auf dem Fuße: "Aber darin kann sich unser Ehrgeiz doch nicht erschöpfen." Sie wolle, dass sich die Menschen nicht nur "über den Sieg der Fußballweltmeisterschaft" freuen, sondern auch darüber, "dass sie wieder Arbeit haben".



DDP
Michael Rogowski: WM als Standortwerbung
Solche Sticheleien werden im nationalen Fußballtaumel untergehen. 90 Prozent der Deutschen halten die WM für "eine gute Chance, Deutschland in der Welt positiv zu präsentieren." Bundespräsident Horst Köhler hat sich als Schirmherr der Imagekampagne gewinnen lassen - und nimmt der Union so jede Chance des Krittelns. Und Schröders Skatbruder Michael Rogowski, gerade abgelöster BDI-Chef, steht an der Spitze des Fanclubs Wirtschaftsführer-für-die-WM, der den Standort im Ausland anpreisen will.

Der BDI begann bereits vor einem Jahr, über eine Standort-Kampagne für die WM nachzudenken. Das erste Konzept war der Bundesregierung jedoch nicht grandios genug, und so wurde mit Hilfe der Profis vom "Goldenen Hirschen" nachgebessert. Heraus kam die Powerpoint-Präsentation FC Deutschland 06, die den Ton vorgab: "Es geht um mehr als nur Fußball, es geht um Deutschland". Die Strategie hat zwei Stoßrichtungen: Im Inland die Stimmung heben, im Ausland Investoren locken.

Bei einem Spenden-Dinner im November im Kanzleramt umwarben Schröder und Rogowski 25 handverlesene Unternehmensbosse. Allein dieses Jahr sollen 20 Millionen Euro in die Kampagne fließen, nächstes Jahr noch einmal zwölf Millionen. Rund ein Drittel der Gesamtsumme hat das Innenministerium zugesagt, der Rest soll aus der Industrie kommen. Die Unternehmen halten sich jedoch bisher noch zurück, viele wollen sich nicht Wahlkampfhilfe nachsagen lassen.