2x reinke

Soeren1313
Kreiszeitung 10.01.2005
Zitat:
Die Einsamkeit der Nummer eins
Keeper Reinke wirkt trotz des Lobs ein wenig enttäuscht

Von unserem Redakteur Olaf Dorow

BELEK. Andreas Reinke wird heute 36 Jahre alt. Aha, denkt man, hier wird dem Alter (dem nach Fußballer-Maßstäben unheimlich hohen Alter) Rechnung getragen. Denn im dritten Stock des Adora-Hotels in Belek genießen nur zwei Werder-Spieler das Privileg, alleine wohnen zu dürfen. Kapitän Frank Baumann - und Torwart Andreas Reinke.Man denkt das. Aber das stimmt nicht. Reinke wohnt nur deswegen solo, weil Torwart-Kollege Alexander Walke am Donnerstag, als Werder ins Traingslager an die türkische Riviera düste, daheim blieb. Heute wird Walke wegen seiner Bindehautentzündung in Bremen noch einmal beim Arzt vorstellig. Danach wird entschieden, ob er noch hinterherdüst. Er würde bei Andi Reinke einziehen - und es lägen dort für eine Woche die Gegenwart und die Zukunft der bremischen Torwartherrlichkeit zusammen auf einem Zimmer. Auch das ist etwas, was man denkt, was aber nicht stimmen muss. Walkes Vertrag läuft im Sommer aus. "Ich würde eine Verlängerung begrüßen", sagt Werders Torwart-Trainer Dieter Burdenski, "solche Leute sollte man nicht gehen lassen." Walke ist deutscher U-21-Nationalspieler und gilt als großes Talent. Ob Werder nun aber in die nächste Saison erneut mit dem Keeper-Trio Reinke - Borel - Walke geht, erscheint mehr als fraglich. "Es könnte sein, dass sich da etwas tut", sagt Burdenski. Man muss dabei einberechnen, dass er damit viel weniger sagt, als er weiß. Der Name Tim Wiese füttert beharrlich die Bremer Gerüchteküche. Der extrovertierte Torhüter ließ im Dezember eine letzte Frist für eine Vertragsverlängerung in Kaiserslautern verstreichen. Werder holt Wiese, Werder gibt Borel ab, Wiese macht Reinke die Nummer eins streitig - so stellen sich nicht wenige kommende Torwart-Schlagzeilen vor. Der Vertrag von Pascal Borel läuft 2006 aus.Der von Andreas Reinke auch. Schon im November hatte sich sein Kontrakt bis dahin automatisch verlängert, weil die dazu nötige Anzahl von Pflichtspielen erreicht war. Nun sitzt er auf der Sonnenterrasse des Adora-Hotels und spricht über die Gelassenheit des Alters. Warum solle er sich über dies, dies und auch das aufregen? "Der muss auch erst mal ’nen Ball halten", sagt er zum Thema Wiese.Reinke ruht in sich. Was wohl nicht nur mit seinem außergewöhnlich niedrigen Ruhepuls zusammenhängt. Es könnte auch daran liegen, dass das Leben nicht immer nett zu ihm war. Harte Arbeit und frühes Aufstehen, als er im Nebenjob Tiefkühlware durch Hamburg transportierte. Die raue Luft in der griechischen sowie der zweiten spanischen Liga. Die Trennung von seiner Frau und damit auch von beiden Töchtern. Nächtliche Autobahnfahrten zwischen Spiel und Training, um die Mädchen zu sehen. Derzeit sucht er für seinen 16-jährigen Sohn, der in Schwerin lebt, in Bremen eine Lehrstelle als Mechatroniker. Was sich als recht kompliziert erweist."Er hat überragend gespielt", lobt Ex-Torwart Burdenski den Torwart Reinke. Und um das zu verdeutlichen, fügt Burdenski an: "Ob du Reinke oder Kahn ins Tor stellst. Glaub’ nicht, dass wir dadurch ein Spiel mehr gewonnen hätten."Doch trotz dieser Anerkennung tropft ein wenig Enttäuschung herunter, wenn man mit Andreas Reinke über seine Situation spricht. Klar, sein Vertrag hat sich gerade bis 2006 verlängert. "Aber es wäre nicht schlecht, wenn man auch mal darüber spricht. Vielleicht hat Klaus Allofs ja demnächst mal Zeit", sagt er. Reinke würde ganz gern noch zwei, drei Jahre spielen.Ob das in Bremen sein wird? Er weiß es nicht, und man denkt diesmal: Dass ein 22-jähriger Ersatz-Stürmer nicht in die Zukunftsplanungen des Klubs eingeweiht wird, klingt logisch. Aber ein 36-jähriger verdienstvoller Torwart?Zumal im Raum steht, dass Andi Reinke später als Torwarttrainer bei Werder arbeiten wird. "Ich kann mir sehr gut vorstellen", sagt Burdenski, "dass er mich mal beerbt." Reinke selbst kann sich das auch vorstellen. Als Trainer hat man’s ja auch gut. In Trainingslagern bekommt man immer ein Einzelzimmer.



Die Welt 12.01.2005
Zitat:
"Bremen ist für mich ein Jungbrunnen"
Werder-Torhüter Andreas Reinke (36) über das Alter, Deutschlands Nummer eins und seinen VW-Bus

Belek. Zum Interview wollte Werder Bremens Torwart Andreas Reinke nicht in der kühlen Hotellobby des Mannschaftsquartiers Adora Golf Resort Platz nehmen, ihn zog es auf die Terrasse, in die Sonne. Bei einem Cappuccino sprachen WELT-Redakteur Patrick Krull und WELT-Mitarbeiter Kai Niels Bogena mit Reinke, der seit dem vergangenen Donnerstag mit Werder an der türkischen Riviera im Trainingslager ist und am Montag seinen 36. Geburtstag feiert.


DIE WELT: Herr Reinke, wie sehr spüren Sie das Alter in der Vorbereitung auf den Rückrundenstart.

Andreas Reinke: Es ist ein wenig paradox, und glauben sie mir, ich mache keine Eigenwerbung. Aber ich habe tatsächlich weniger Probleme als früher. Vielleicht kann ich das eine oder andere Jährchen noch dranhängen, wenn es so weitergeht.


DIE WELT: Wie lange planen Sie denn noch?

Reinke: Wenn du realistisch bist, dann kannst du im Fußball nur sagen: "Sei froh, wenn du morgen fit bist." Für mich aber gilt, noch zwei bis drei Jahre durchzuhalten.


DIE WELT: Vermutlich bei Werder. Ihr Vertrag hat sich nach den absolvierten 20 Pflichtspielen automatisch um ein Jahr verlängert.

Reinke: Ich habe meinen Teil erfüllt, der Vertrag hat sich also verlängert. Es wäre dennoch nicht schlecht, wenn einer der Verantwortlichen auch mal offiziell mit mir über meine Zukunft als Spieler sprechen würde, wie der Klub mit mir plant.


DIE WELT: Weil sich immer mehr herauskristallisiert, das Ihr Klub wohl schon in der nächsten Saison einen neuen Torwart verpflichten wird? Zum Beispiel fiel der Name von Tim Wiese (23 Jahre - d.R.) vom 1. FC Kaiserslautern. Beschäftigt Sie das?

Reinke: Der muß auch erst einmal Bälle halten. Ich sehe nur mich und meine Position.


DIE WELT: Was unterscheidet einen alten Torhüter von einem jungen?

Reinke: Er hat vielleicht ein paar Haare weniger. Nein, im Ernst: Ich sehe vieles mit anderen Augen, über das ich mich vielleicht früher noch aufgeregt hätte. Ich bin durch meine Stationen in Griechenland und Spanien gelassener geworden, da habe ich die ganz harte Schule des Lebens durchlaufen. Als Profi bist du im Ausland vollkommen auf dich allein gestellt. Wenn es nicht so gut läuft, bist du der Erste, der es zu spüren bekommt. Dazu kam, daß ich meine Kinder nur selten sehen konnte. Das hat mich beinahe aufgefressen. Wenn du dich aber durchbeißen kannst, kommst du gestählt da heraus. Das kommt mir jetzt zu Gute.


DIE WELT: Wie wichtig waren die Titelgewinne im vergangenen Jahr?

Reinke: Als Fußballspieler zehrst du von Erfolgen wie unserer Meisterschaft, dem Pokalsieg oder der Champions-League-Teilnahme. Wenn du immer an der Grenze zum Nichts spielst, etwa gegen den Abstieg oder in der Grauzone, dann verschleißt du einfach schneller. Insofern ist Werder für mich auch eine Art Jungbrunnen.


DIE WELT: Genießt man im Alter Erfolge mehr?

Reinke: Ich kann sie besser einschätzen. Ich weiß, was ich wirklich erreicht habe, welche Dimension das hat. Früher habe ich eine Meisterschaft oder einen Pokalsieg nahezu beiläufig im Kopf abgespeichert. Mittlerweile ist das viel tiefer ins Bewußtsein eingedrungen.


DIE WELT: Ist es aus Ihrer Sicht Zufall, daß die nominell besten Torhüter Deutschlands, Oliver Kahn und Jens Lehmann, in Ihrem Alter sind.

Reinke: Das scheint halt ein guter Jahrgang zu sein.


DIE WELT: Dennoch gehörten Sie nie zu diesem illustren Kreis.

Reinke: Einem gefällt deine Nase, dem anderen nicht - Pech! Ich rege mich schon lange nicht mehr darüber auf. Aber es ist bei deutschen Bundesligatorhütern doch so, daß es auf unserem Level keine großen Unterschiede mehr gibt. Nur soviel: Das Problem mit Kahn und Lehmann hätte schon vor der EM in Portugal geklärt werden können.


DIE WELT: Ergo hätte Ihrer Meinung einer gehen müssen?

Reinke: Wir haben viele gute deutsche Torhüter ...


DIE WELT: ... und wer ist der Beste?

Reinke: Sie werden mich nicht locken, also Ende des Themas.


DIE WELT: Noch ein Versuch: Was würden Sie in eine Bewerbung an Bundestrainer Jürgen Klinsmann schreiben?

Reinke: Ich brauche mich bei ihm nicht zu bewerben.


DIE WELT: Also gut, zu einem anderen, alten Modell. Gibt es ihren VW-Bus noch, mit dem Sie damals von Spanien aus nach Bremen zum Dienstantritt gefahren sind?

Reinke: Sicher, er war sogar jetzt im Winter schwer am Arbeiten. Eine Reise in den Süden, Sie verstehen? Er hat sich jetzt erst einmal zwei Wochen Pause verdient.


DIE WELT: Das klingt so, als hätten Sie ein inniges Verhältnis zu ihm?

Reinke: Ich nenne ihn Bussi ...


DIE WELT: ... und können ad hoc seinen Kilometerstand nennen ...

Reinke: ... 173 000. Wir passen gut zusammen, oder?