Ernst-Interview im "Kicker"

Tungendorfer Schwätzer
Bundesliga
Interview der Woche: Fabian Ernst (25, Werder Bremen) - 16.12.2004 10:30
"Ich brauche mich nicht zu rechtfertigen"

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Werder verliert wieder einen Stammspieler an Schalke: Fabian Ernst. Im kicker sagt er, warum er geht. Warum für ihn Schalke die bessere Perspektive hat. Und was er mit der Nationalelf vorhat.
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kicker: Herr Ernst, vor einem Jahr bezeichneten Sie den Wechsel der Kollegen Ailton und Krstajic nach Schalke als "Geldentscheidung". Jetzt gehen Sie auch dorthin - wegen der "sportlichen Herausforderung". Sehen Sie da kein Glaubwürdigkeitsproblem?

Fabian Ernst: Nein. Schalke hat sich ja eindeutig entwickelt und heute definitiv eine andere Perspektive als damals. Die Spieler, die sie geholt haben, passen haargenau: Ailton, Krstajic, Lincoln, Bordon.

kicker: Also ist Erfolg doch käuflich?

Ernst: Mich hat Schalke nicht gekauft.

kicker: Anders gefragt: Lässt sich der Erfolg mit Transfers garantieren?

Ernst: Natürlich muss ein Team auch sportlich vernünftig zusammengestellt sein. Auf Schalke hast du jetzt eine Mannschaft, die gar nicht unter Platz sechs abschneiden kann.

kicker: Was wäre eigentlich so schlimm daran, einfach zuzugeben: Dank des Fünfjahresvertrags auf Schalke haben Sie ausgesorgt, so ein Angebot gibt’s sonst nirgends, das muss man annehmen

Ernst: Das wäre nicht schlimm. Aber bei mir war der Gedankengang eben anders. Ich habe mich erst entschieden, Werder zu verlassen, mich dann erst konkret mit dem neuen Klub befasst. Dass man dann mehr verdient, bringt das Geschäft mit sich.

kicker: Bremen verliert immer wieder seine Leistungsträger - was macht der Verein da falsch?

Ernst: Nichts. Man hat doch alle Verluste immer gut kompensiert. Außerdem wurde Micoud gehalten, Klose geholt. Ich sehe da kein Ausbluten.

kicker: Aber auf Schalke sehen Sie bessere Perspektiven.

Ernst: Ja.

kicker: Werder kann nicht auf Dauer oben mitspielen, der Erfolg des Vorjahres bleibt eine Eintagsfliege, stimmt’s?

Ernst: Nein. Ich bin sicher, dass Bremen auch ohne mich weiter oben mitmischt.

kicker: Aber was hat Ihnen dann in Bremen überhaupt gefehlt, wenn weder das Geld noch die sportliche Zukunft?

Ernst: Ich gebe zu, dass das nicht einfach zu verstehen ist. Aber ich habe einfach gemerkt, dass ich heraus muss aus meinem Nest, das für mich schon ziemlich bequem geworden ist. Ich brauche neue Teamkollegen, einen neuen Trainer, ein neues Umfeld, um mich neu beweisen zu müssen. Das wird mich zwangsläufig wieder einen Schritt weiterbringen.

kicker: In Bremen geht es also zu beschaulich zu?

Ernst: Nein, das wäre falsch interpretiert. Es geht einzig und allein um meine ganz persönliche Situation.

kicker: Ihr Noch-Trainer Thomas Schaaf kann nicht verstehen, dass Sie Schalke als "sportliche Herausforderung" empfinden.

Ernst: So hat eben jeder seine Meinung.

kicker: Haben Sie nicht mit ihm darüber gesprochen?

Ernst: Nicht darüber, dass ich nach Schalke gehe. Wir hatten ein intensives Gespräch darüber, dass ich Werder verlasse.

kicker: Hatte er dafür Verständnis?

Ernst: Das sind interne Dinge.

kicker: Schaaf hat Sie vom HSV geholt, wo Sie untendurch waren, unter ihm wurden Sie Stamm- und Nationalspieler. Haben Sie nicht das Bedürfnis, ihm die Entscheidung pro Schalke zu erklären?

Ernst: azu war jetzt vor der Asien-Reise nicht mehr die Zeit. Klar ist aber auch, dass ich mich nicht zu rechtfertigen brauche.

kicker: Wären Sie ins Ausland gegangen, wäre das Verständnis im Klub und bei den Fans größer gewesen.

Ernst: Aber es ging um meine Zukunft. Ich wollte in Deutschland bleiben und konnte doch keine Rücksicht nehmen, dass zufällig schon drei Spieler von uns dahin gegangen sind.

kicker: Es geht aber auch darum, dass nach Bremer Selbstverständnis Schalke kein sportlich attraktiverer Klub ist.

Ernst: Wie auch immer, man muss meine Entscheidung respektieren. Sportlich spricht jedenfalls sicher nichts gegen Schalke.

kicker: Ihr künftiger Trainer Ralf Rangnick traut Ihnen zu, spätestens nach 2006 die "Spielführung" in der Nationalelf zu übernehmen.

Ernst: Ich hätte nichts dagegen.

kicker: Dann müssten Sie zentral vor der Abwehr spielen.

Ernst: Richtig.

kicker: Sehen Sie sich also als Herausforderer von Torsten Frings und dank seiner Abwesenheit die Asien-Tournee als große Chance?

Ernst: Wer da nun der Herausforderer ist, muss der Trainer entscheiden. Aber ich sehe mich auf dieser Position, ja.

kicker: In Bremen mussten Sie den Posten an Frank Baumann abgeben. Mit ein Grund für den Wechsel?

Ernst: Wegen so etwas wechselt man nicht.

kicker: Wie konkret war eigentlich der Kontakt nach Barcelona?

Ernst: Damit habe ich mich letztlich nicht intensiv beschäftigt.

kicker: Und was war mit dem FC Bayern?

Ernst: In Deutschland wäre für mich nur Schalke in Frage gekommen. Egal wer sonst ein Angebot gemacht hat oder hätte.
Roßkamp
gibbet shcon im ernst zu schlacke-thread
TorbenHB84
also schließen und in den Mülleimer