Kreiszeitung: Fünf Fälle, fünf neue Gefahren

Bömmel
Fünf Fälle, fünf neue Gefahren

Ein Jahr nach dem Ailton/Krstajic-Schock: Was macht Werder, um neue Überraschungen zu verhindern?

Von Carsten Sander


BREMEN · Es war der 7. Oktober 2003 - also genau vor einem Jahr. Die Medien beschäftigten sich an diesem Tag noch mit dem Fall Krstajic, als am Abend die zweite Bombe platzte: Auch Ailton wechselt zum FC Schalke 04. Es war eine Niederlage auf der ganzen Linie, ein Transfer-Debakel für Werder Bremen und ein Aufreger in der ganzen Fußball-Nation. Damals wurde den Werder-Verantwortlichen angelastet, sie wären in den Vertragsverhandlungen zu zögerlich gewesen, hätten sich von Schalke-Manager Rudi Assauer überrumpeln lassen. Nun stellt sich die Frage: Hat der Club dazugelernt?

Antwort: ja und nein. Mit Johan Micoud wurde schon im Sommer vorzeitig bis 2007 verlängert, da kann nichts mehr passieren. Aber fünf weitere Verträge laufen am Saisonende aus. Fabian Ernst, Tim Borowski, Paul Stalteri, Ludovic Magnin und Christian Schulz haben - wie Ailton und Krstajic vor einem Jahr - die freie Wahl. Doch trotz der schlechten Erfahrungen geht Sportdirektor Klaus Allofs die Gespräche ohne Panik und ohne Angst vor neuen "Wilderern" an. "Niemand kann von uns erwarten, dass wir schon im Herbst den Kader für die nächste Saison beisammen haben", sagt Allofs. Er lässt sich Zeit bei . . .


. . . Fabian Ernst

Man hat sich schon unterhalten - mehrmals sogar. Die wesentlichen Punkte sind jedoch noch nicht besprochen worden. Allofs: "Fabian hat uns erklärt, dass er gerne bleiben möchte." Mehr aber auch nicht. Vom Gehalt und der Vertragslaufzeit haben beide Parteien bislang die Finger gelassen.

Es steht auch noch im Raum, was Nationalspieler Ernst im Mai nach dem Prämienstreit beiläufig verkündet hatte: "Wenn der Verein kein Geld hat, wird es schwer, Verträge zu verlängern . . ." Sollte das eine Warnung gewesen sein?


. . . Tim Borowski

Klare Willensbekundung von Klaus Allofs: "So einen Spieler muss man halten. Bei Tim wissen wir, wohin die Entwicklung geht." Allerdings hat der Sportdirektor den Spieler noch nicht in sein Büro bestellt. "Eigentlich war ja auch keine Zeit", sagt Borowski und gibt seinerseits Zeichen: "Ich warte auf ein Angebot, ich bin bereit." Als er vor zweieinhalb Jahren seinen im Juni 2005 auslaufenden Kontrakt verlängerte, da geschah dies, "weil ich mich in Bremen gut aufgehoben fühle. Und so denke ich immer noch", bekräftigt er. Gute Aussichten also für Werder. Zumal Borowski Kurzschlusshandlungen wie von Krstajic und Ailton ausschließt: "Bei den beiden war's eine spontane Entscheidung. Ich bin aber jemand, der sich alles ganz genau anguckt."

. . . Paul Stalteri

Der Kanadier könnte zu einem Wackelkandidaten werden. Gründe: Zum einen droht Stalteri die Rolle des Ersatzmannes, wenn Ümit Davala und Gustavo Nery wieder fit sind. Zum anderen ist in Ansätzen zu erkennen, dass der bald 27-Jährige nach acht Jahren Werder auch mal etwas anderes kennenlernen möchte. Sein Sommer-Flirt mit Crystal Palace ist ein Indiz dafür.

Auch Werder scheint nicht wild entschlossen, unbedingt und sofort zu verlängern. "Im Moment stehen da keine Verhandlungen an", erklärt Klaus Allofs.


. . . Christian Schulz

Die Ausgangslage beschreibt der Sportdirektor so: "Christian muss sich entscheiden, ob er die Herausforderung, sich bei uns durchzusetzen, annimmt oder nicht." Womit schon mal klar wäre: Werder will das Eigengewächs halten. "Wir werden versuchen, ihn zu überzeugen, dass er hier die besten Entwicklungsmöglichkeiten hat", bestätigt Allofs. Allerdings ist Schulz (um ihn buhlen angeblich Schalke und Hannover) davon offenbar nicht restlos überzeugt. Er überlegt noch.


. . . Ludovic Magnin

Der Schweizer steht auf dem Langzeit-Prüfstand. Nach zwei Jahren voller Verletzungspech wollen die Bremer endlich mehr von ihm sehen. In den letzten Wochen lief das schon gut an. Aber Allofs und Trainer Thomas Schaaf sind nicht so schnell zufriedenzustellen. "Es ist schön, dass es bei Ludo aufwärts geht", sagt Manager Allofs, "aber wir müssen auch sehen, ob er die Qualität über einen längeren Zeitraum hält." Aus diesem Grund sieht Allofs keinen Anlass, "unmittelbar über eine Verlängerung nachzudenken". Motto: Erst mal gucken, dann handeln.

[07.10.2004] Kreiszeitung