Weser Kurier: Heiße Zeiten im kühlen Norden

LeHrAs
Bremen. Es fährt ein Zug nach nirgendwo. Man weiß seit Mittwoch Nacht überhaupt nicht mehr, wohin die Reise mit diesen Werderanern gehen könnte. Zum erneuten Double? Ins Champions-League-Halbfinale? Es gibt nur ein paar Anhaltspunkte. Ein riesiges Fan-Banner ("Der Triumphzug kann starten"), ein riesiges Fußballspiel (2:1 gegen Valencia) sowie einen kurzen Satz von Verteidiger Valerien Ismaël ("Mit uns ist alles möglich").

Das ist nicht viel, um Verlässliches vorauszusagen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Mannschaft in oben erwähntem Riesen-Spiel als Mäuslein begann. Als Mäuslein auch in die Kabine ging. Als Tiger wieder herauskam. Gestern sagte Klaus Allofs dann: "Wir wollen dauerhaft in der Champions League spielen."

Es klang wie selbstverständlich. Alltäglich. Ein Nebenbei-Satz. Werders Geschäftsführer hatte aber eindeutig nicht informiert, dass es gerade Zwölfuhrvierundvierzig sei oder dass draußen die Sonne scheine. Er hat einen Anspruch formuliert, den man noch vor zwei Jahren als Träumerei ins Archiv gelegt hätte. Oder als Spinnerei. Jetzt kann man sich das schon ganz gut vorstellen. Werder nimmt den Faden einer berauschenden Meister-Jubel-Saison auf und umwickelt seine Fans immer besser.

Gegen Valencia bebte und blubberte und brodelte das Weserstadion, als ob es gar nicht das Weserstadion wäre. Die Zuschauer, die man bislang fälschlicherweise für norddeutsch unterkühlt gehalten hatte, benahmen sich wie Heißsporne aus: Valencia zum Beispiel. Obwohl eine Halbzeit lang mindestens jeder zweite Werder-Pass beim Gegner landete, oder im Aus, peitschte und brüllte und sprang auf nicht nur die Ostkurve. Nord, Süd und West auch. Auf dem Feld erzählte Mittelfeldspieler Tim Borowski einem Nebenmann, er habe eine Gänsehaut. Auf der Bank fühlte sich Werders Trainer Thomas Schaaf an "die Zeit der großen Europacup-Spiele erinnert. Da gab es hier eine Mannschaft, die an ihre Grenze gehen konnte".

Klaus Allofs verweist darauf, "dass die Rolle des Publikums häufig unterschätzt werde". Mittwoch Abend spielte Werders Publikum definitiv eine tragende Rolle und Allofs lobt seinen Klub noch einmal für die Entscheidung, das Weserstadion tiefer zu legen. "Es ist jetzt ein bisschen wie eine Theateraufführung, und es war eine richtig heiße Atmosphäre gegen Valencia", sagt er.

Die großen Europacup-Zeiten, an die Schaaf derweil dachte, hängen mit den Weser-Wundern gegen Moskau, Berlin, Anderlecht und Lyon zusammen. An dem Sieg gegen den Favoriten FC Valencia war für viele vor allem wunderbar, dass ihn kein Werderaner als neues Wunder beschrieb. War normal. Bisschen komisch gelaufen mit dem frühen Gegentor, aber im Grunde normal. Drei Punkte in der Champions-League-Gruppe G. Gute Ausgangsposition, Achtelfinale möglich. Warum nicht?

Die Möglichkeiten sind dabei noch gar nicht richtig aufgedeckt. Diese Mannschaft verzichtete am Mittwoch: Auf die Meister und Stammspieler Ismaël, Baumann, Davala, Lisztes. Zusätzlich auf einen brasilianischen und einen dänischen Nationalspieler. Sowie zwei finnische Nationalspieler. "Und trotzdem" sagt Tim Borowski, "haben wir den Nachweis geliefert, dass wir mit zwei Systemen klarkommen." Bei drei englischen Wochen in Folge siegt Werder vier Mal in Folge. Erst mit zwei (bis drei) Stürmern, jetzt mit anfangs drei und schließlich mit vier.

Nun schwebt der Stakkato-Spielplan einem großen Höhepunkt entgegen. Werder gegen Bayern, Klose gegen Makaay. Sonnabend, 15.30, Weserstadion. Man mag Werder-Stürmer Nelson Valdez nicht widersprechen, welcher kundtat: "Die Bayern kommen mit breiter Brust. Wir haben auch eine breite Brust. Das wird eines der besten Spiele der Bundesliga."

Quelle: www.werder-online.de

Warum ich das poste? Noch einmal einen Dank an die ES für die geile Choreo. Wie man sieht, hat sie Eindruck hinterlassen.
Flughamster
@ LeHrAs

ja ich kann mich da nur anschließen...grosses LOb