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Phantom Klose gegen Phänomen Ailton
Von Hans Trens
02. August 2004 Seit Wochen geistert er wie ein Phantom durch das Bremer Weserstadion - seit Werder Bremen in eine neue Dimension der Personalpolitik vorgestoßen ist. Miroslav Klose, mit fünf Millionen Euro Ablöse der teuerste Einkauf in der 105jährigen Vereinsgeschichte, beschäftigte die Fußballbeobachter. Dabei rückte alsbald die bange Frage in den Vordergrund, ob Klose die richtige Wahl sei. Ob dieser Nationalspieler deutscher Provenienz in der Lage sei, ein Phänomen, wie es sein Vorgänger Ailton verkörpert hat, nahtlos zu ersetzen.
Phantom Klose gegen Phänomen Ailton, so lautet seither das Fernduell, das die Vorbereitung beim deutschen Meister und DFB-Pokalsieger beherrscht. "Ich will nicht mit Ailton verglichen werden", wehrte sich der frühere Kaiserslauterer gegen diesen Vergleich, noch bevor er erstmals für seinen neuen Arbeitgeber gegen den Ball getreten hatte. Ailton sei nun mal ein anderer Typ. Sein Bestreben sei es, sich schnellstens in die neue Elf zu integrieren und ein wichtiger Bestandteil zu werden.
Keine Zweifel an der Tauglichkeit
In Portugal nicht mehr als ein Nebendarsteller wie die meisten aus dem deutschen Team, hat der ehemalige Kaiserslauterer seinen Europameisterschaftsschock gut verdaut. In Bremen präsentierte sich der Sechsundzwanzigjährige, bei der Weltmeisterschaft 2002 noch der Torjäger, inzwischen vom Stuttgarter Kevin Kuranyi als Nummer eins im nationalen Sturm verdrängt, mit neuem Mut und neuer Spielfreude. Spektakuläre Tore wie vor zwei Jahren in Asien erleichterten ihm den Start, so daß Sportdirektor Klaus Allofs über den mit gewissem Risiko behafteten Kauf jetzt sagt: "Kloses Premiere ist gelungen. Wichtig, weil sein Wechsel doch kritisch beäugt worden ist."
Zweifel an der Tauglichkeit des Pfälzer Buben hatte der frühere Weltklassestürmer nie. Daß es aber auf Anhieb so gut funktioniert, hatte Allofs nicht unbedingt erwartet. "Absolut positiv", sagt Klose über die Art, wie sie ihn bei Werder aufgenommen hätten. "Das beweist, daß die Elf intakt ist."
Ismael und Micoud loben Klose
Seinen Teil trug er dazu bei. Natürlich ist er kein Ailton, der neben der Rolle des Torjägers auch die Position des Spaßvogels zu besetzen vermag. Als Comedystar wie der Brasilianer taugt Klose, ein introvertierter Zeitgenosse, gewiß nicht. Doch in Bremen, weit weg von den sich auftürmenden Lasten am Betzenberg, hat der Werder-Neuling seine Scheu abgelegt, gibt sich zugänglich, stieß im Mannschaftskreis sofort auf ungeteilte Sympathie. "Mit Klose anstatt Ailton sind wir im Angriff noch stärker", rühmte Valerien Ismael, ein Wortführer im Team, den neuen Kollegen zu einem Zeitpunkt, als dieser sich noch auf der Anreise befand. Und Ismaels Landsmann Johan Micoud, der bei Werder das Sagen hat, schloß sich nach den ersten Testspielen dieser geradzu hymnischen Wertung an: Das Offensivspiel sei nun anders, weitaus variabler, behauptete der Franzose. "Klose geht nicht nur in die Spitze, sondern kann auch den Ball mal halten. Wir sind noch schwerer auszurechnen." Von Kloses Kopfballstärke wollte Micoud erst gar nicht reden.
Da mag der in die Jahre gekommene Kritikaster Max Merkel in seiner auf dem Boulevard präsentierten Saisonvorschau noch so sehr mäkeln, Klose passe nicht in Ailtons Hose und Stiefel, könne diesem nicht das Wasser reichen. In Bremen sehen sie die Angelegenheit mit hanseatischer Gelassenheit. Zumal sie seit den Tagen von Portugal in gewisser Weise einen weiteren Ailton-Ersatz aus den eigenen Reihen dazugewonnen haben: den Griechen Angelos Charisteas, in der Vorsaison nur Ergänzungsspieler, nun Europameister mit neuen Ansprüchen: "Ich will einen Stammplatz. So eine Saison wie zuletzt mache ich nicht mehr mit, dann bin ich weg."
Zum Auftakt gegen Ailton und Schalke
Klose und Charisteas, dazu der Kroate Ivan Klasnic sowie Nelson Valdez, der junge Aufsteiger aus Paraguay, bilden ein hochkarätiges Quartett, das um zwei Plätze kämpft. Zur Freude von Thomas Schaaf: "Diese Konkurrenzsituation habe ich herbeigesehnt." Doch was den Cheftrainer jubilieren läßt, könnte im Team für Unruhe und Aufruhr sorgen. "Ich werde um meinen Platz kämpfen", hat auch Klasnic angekündigt.
Am vorigen Donnerstag, beim Liga-Pokal gegen Stuttgart, liefen erst mal Klasnic und Charisteas auf. Der Grieche, zuvor erst zwei Tage im Training nach dem ausgedehnten Sonderurlaub, wurde allerdings nach einer Stunde entkräftet gegen Valdez ausgewechselt, Klose mußte wegen eines verstauchten Knöchels passen. "Eigentlich eine Kleinigkeit", sagte der neue Bremer. Von Tag zu Tag werde es zwar besser, behauptet Klose. Doch gesichert ist seine Pflichtspiel-Premiere beim Saisonstart längst nicht.
Dabei geht es gegen Schalke und somit gegen Ailton. Phantom gegen Phänomen - dieses Duell wird am kommenden Freitag bei der offiziellen Saisoneröffnung der Deutschen Fußball Liga lebendig und leibhaftig. Obwohl Klose sagt, ihn interessiere dieser Zweikampf, der keiner sei, beileibe nicht, dürfte dies nur die halbe Wahrheit sein. Sollte er treffen und Abwanderer Ailton nicht, so hätte sich Miroslav Klose sogleich in die Herzen der Werder-Fans geschossen.
Von Hans Trens
02. August 2004 Seit Wochen geistert er wie ein Phantom durch das Bremer Weserstadion - seit Werder Bremen in eine neue Dimension der Personalpolitik vorgestoßen ist. Miroslav Klose, mit fünf Millionen Euro Ablöse der teuerste Einkauf in der 105jährigen Vereinsgeschichte, beschäftigte die Fußballbeobachter. Dabei rückte alsbald die bange Frage in den Vordergrund, ob Klose die richtige Wahl sei. Ob dieser Nationalspieler deutscher Provenienz in der Lage sei, ein Phänomen, wie es sein Vorgänger Ailton verkörpert hat, nahtlos zu ersetzen.
Phantom Klose gegen Phänomen Ailton, so lautet seither das Fernduell, das die Vorbereitung beim deutschen Meister und DFB-Pokalsieger beherrscht. "Ich will nicht mit Ailton verglichen werden", wehrte sich der frühere Kaiserslauterer gegen diesen Vergleich, noch bevor er erstmals für seinen neuen Arbeitgeber gegen den Ball getreten hatte. Ailton sei nun mal ein anderer Typ. Sein Bestreben sei es, sich schnellstens in die neue Elf zu integrieren und ein wichtiger Bestandteil zu werden.
Keine Zweifel an der Tauglichkeit
In Portugal nicht mehr als ein Nebendarsteller wie die meisten aus dem deutschen Team, hat der ehemalige Kaiserslauterer seinen Europameisterschaftsschock gut verdaut. In Bremen präsentierte sich der Sechsundzwanzigjährige, bei der Weltmeisterschaft 2002 noch der Torjäger, inzwischen vom Stuttgarter Kevin Kuranyi als Nummer eins im nationalen Sturm verdrängt, mit neuem Mut und neuer Spielfreude. Spektakuläre Tore wie vor zwei Jahren in Asien erleichterten ihm den Start, so daß Sportdirektor Klaus Allofs über den mit gewissem Risiko behafteten Kauf jetzt sagt: "Kloses Premiere ist gelungen. Wichtig, weil sein Wechsel doch kritisch beäugt worden ist."
Zweifel an der Tauglichkeit des Pfälzer Buben hatte der frühere Weltklassestürmer nie. Daß es aber auf Anhieb so gut funktioniert, hatte Allofs nicht unbedingt erwartet. "Absolut positiv", sagt Klose über die Art, wie sie ihn bei Werder aufgenommen hätten. "Das beweist, daß die Elf intakt ist."
Ismael und Micoud loben Klose
Seinen Teil trug er dazu bei. Natürlich ist er kein Ailton, der neben der Rolle des Torjägers auch die Position des Spaßvogels zu besetzen vermag. Als Comedystar wie der Brasilianer taugt Klose, ein introvertierter Zeitgenosse, gewiß nicht. Doch in Bremen, weit weg von den sich auftürmenden Lasten am Betzenberg, hat der Werder-Neuling seine Scheu abgelegt, gibt sich zugänglich, stieß im Mannschaftskreis sofort auf ungeteilte Sympathie. "Mit Klose anstatt Ailton sind wir im Angriff noch stärker", rühmte Valerien Ismael, ein Wortführer im Team, den neuen Kollegen zu einem Zeitpunkt, als dieser sich noch auf der Anreise befand. Und Ismaels Landsmann Johan Micoud, der bei Werder das Sagen hat, schloß sich nach den ersten Testspielen dieser geradzu hymnischen Wertung an: Das Offensivspiel sei nun anders, weitaus variabler, behauptete der Franzose. "Klose geht nicht nur in die Spitze, sondern kann auch den Ball mal halten. Wir sind noch schwerer auszurechnen." Von Kloses Kopfballstärke wollte Micoud erst gar nicht reden.
Da mag der in die Jahre gekommene Kritikaster Max Merkel in seiner auf dem Boulevard präsentierten Saisonvorschau noch so sehr mäkeln, Klose passe nicht in Ailtons Hose und Stiefel, könne diesem nicht das Wasser reichen. In Bremen sehen sie die Angelegenheit mit hanseatischer Gelassenheit. Zumal sie seit den Tagen von Portugal in gewisser Weise einen weiteren Ailton-Ersatz aus den eigenen Reihen dazugewonnen haben: den Griechen Angelos Charisteas, in der Vorsaison nur Ergänzungsspieler, nun Europameister mit neuen Ansprüchen: "Ich will einen Stammplatz. So eine Saison wie zuletzt mache ich nicht mehr mit, dann bin ich weg."
Zum Auftakt gegen Ailton und Schalke
Klose und Charisteas, dazu der Kroate Ivan Klasnic sowie Nelson Valdez, der junge Aufsteiger aus Paraguay, bilden ein hochkarätiges Quartett, das um zwei Plätze kämpft. Zur Freude von Thomas Schaaf: "Diese Konkurrenzsituation habe ich herbeigesehnt." Doch was den Cheftrainer jubilieren läßt, könnte im Team für Unruhe und Aufruhr sorgen. "Ich werde um meinen Platz kämpfen", hat auch Klasnic angekündigt.
Am vorigen Donnerstag, beim Liga-Pokal gegen Stuttgart, liefen erst mal Klasnic und Charisteas auf. Der Grieche, zuvor erst zwei Tage im Training nach dem ausgedehnten Sonderurlaub, wurde allerdings nach einer Stunde entkräftet gegen Valdez ausgewechselt, Klose mußte wegen eines verstauchten Knöchels passen. "Eigentlich eine Kleinigkeit", sagte der neue Bremer. Von Tag zu Tag werde es zwar besser, behauptet Klose. Doch gesichert ist seine Pflichtspiel-Premiere beim Saisonstart längst nicht.
Dabei geht es gegen Schalke und somit gegen Ailton. Phantom gegen Phänomen - dieses Duell wird am kommenden Freitag bei der offiziellen Saisoneröffnung der Deutschen Fußball Liga lebendig und leibhaftig. Obwohl Klose sagt, ihn interessiere dieser Zweikampf, der keiner sei, beileibe nicht, dürfte dies nur die halbe Wahrheit sein. Sollte er treffen und Abwanderer Ailton nicht, so hätte sich Miroslav Klose sogleich in die Herzen der Werder-Fans geschossen.