Bömmel
Micoud: Nie mehr für Frankreich
Werder-Spielmacher nach der Ausbootung stocksauer: "Das Nationalteam ekelt mich an"
Von Carsten Sander
BREMEN · Das war's dann wohl: Johan Micoud will nie wieder für Frankreich spielen. Nach dem Eklat um seine nicht erfolgte EM-Nominierung ist das Tischtuch zwischen dem Bremer Meister-Regisseur und Nationaltrainer Jacques Santini für immer zerschnitten. "Die Nationalmannschaft ekelt mich an", wird Micoud in der Sportzeitung "L'Equipe" zitiert. Eine Aussage, die keine Fragen hinsichtlich einer Fortsetzung seiner Karriere in der "Equipe Tricolore" offen lässt.
Gestern trainierte Micoud schon wieder in Bremen. Dabei hatte seine Wochenplanung für heute eigentlich einen Einsatz für Frankreich gegen Brasilien (21.00 Uhr/live im ZDF) vorgesehen. Wie abgesprochen war der 30-Jährige deshalb auch am Montag nach Paris geflogen. Im Gepäck die Hoffnung, dass seine Nominierung für das Jubiläumsspiel anlässlich des 100. Geburtstages des Weltverbandes FIFA gleichbedeutend mit einem Platz im EM-Kader sei. "Ich sehe keine andere Logik", sagte Micoud.
Jacques Santini offenbar schon. Denn er teilte dem Bremer Spielmacher mit, dass er sich zwar für die Brasilien-Partie bereit halten solle, nicht aber mit zur EM nach Portugal fahren würde. Das war wie ein Schlag unter die Gürtellinie. Micoud lästerte gegenüber "L'Equipe": "Ich bin völlig fertig und habe nicht einmal die Kraft gehabt, nach den Gründen zu fragen. Ich hatte auch Angst, nur Dummheiten zu hören." Das Gespräch zwischen ihm und dem Coach dauerte nur fünf Minuten. Und es wird vermutlich das letzte gewesen sein.
Wütend reiste Micoud aus Paris ab. Die Rolle als Stand-by-Spieler für die Brasilien-Partie lehnte er ab - aus verletztem Stolz: "Ich spiele nicht gegen Brasilien, wenn ich nicht mit zur EM fahre. Ich bin schließlich keine 20 mehr."
17 Mal hat Werder Bremens Nummer 10 bereits für Frankreich gespielt, war Mitglied der Europameister-Mannschaft 2000 und auch bei der verkorksten WM 2002 dabei. Als allerdings Santini das Amt des Nationaltrainers von Roger Lemerre übernahm, war für Micoud erst mal Sendepause. 21 Monate war er für Frankreich nicht mehr gut genug, ehe er am 31. März in Rotterdam gegen die Niederlande sein Comeback feiern durfte. Umso überraschender kam nun die Ausbootung. Micoud: "Ich weiß nicht, was man machen muss, um in Frankreich Nationalspieler zu werden. Ich habe in dieser Saison zehn Tore geschossen, zehn Torvorlagen gegeben, bin Meister geworden und stehe im Pokalfinale - was will man mehr?" Gute Frage. Beantworten kann sie nur einer: Jacques Santini.
Bei Micouds Kollegen und Landsmann Valerien Ismael sorgte die ganze Geschichte für Kopfschütteln: "So läuft das in Frankreich. Das war vor der WM 1998 genau das Gleiche. Einfach Mist."
[20.05.2004] Kreiszeitung
Werder-Spielmacher nach der Ausbootung stocksauer: "Das Nationalteam ekelt mich an"
Von Carsten Sander
BREMEN · Das war's dann wohl: Johan Micoud will nie wieder für Frankreich spielen. Nach dem Eklat um seine nicht erfolgte EM-Nominierung ist das Tischtuch zwischen dem Bremer Meister-Regisseur und Nationaltrainer Jacques Santini für immer zerschnitten. "Die Nationalmannschaft ekelt mich an", wird Micoud in der Sportzeitung "L'Equipe" zitiert. Eine Aussage, die keine Fragen hinsichtlich einer Fortsetzung seiner Karriere in der "Equipe Tricolore" offen lässt.
Gestern trainierte Micoud schon wieder in Bremen. Dabei hatte seine Wochenplanung für heute eigentlich einen Einsatz für Frankreich gegen Brasilien (21.00 Uhr/live im ZDF) vorgesehen. Wie abgesprochen war der 30-Jährige deshalb auch am Montag nach Paris geflogen. Im Gepäck die Hoffnung, dass seine Nominierung für das Jubiläumsspiel anlässlich des 100. Geburtstages des Weltverbandes FIFA gleichbedeutend mit einem Platz im EM-Kader sei. "Ich sehe keine andere Logik", sagte Micoud.
Jacques Santini offenbar schon. Denn er teilte dem Bremer Spielmacher mit, dass er sich zwar für die Brasilien-Partie bereit halten solle, nicht aber mit zur EM nach Portugal fahren würde. Das war wie ein Schlag unter die Gürtellinie. Micoud lästerte gegenüber "L'Equipe": "Ich bin völlig fertig und habe nicht einmal die Kraft gehabt, nach den Gründen zu fragen. Ich hatte auch Angst, nur Dummheiten zu hören." Das Gespräch zwischen ihm und dem Coach dauerte nur fünf Minuten. Und es wird vermutlich das letzte gewesen sein.
Wütend reiste Micoud aus Paris ab. Die Rolle als Stand-by-Spieler für die Brasilien-Partie lehnte er ab - aus verletztem Stolz: "Ich spiele nicht gegen Brasilien, wenn ich nicht mit zur EM fahre. Ich bin schließlich keine 20 mehr."
17 Mal hat Werder Bremens Nummer 10 bereits für Frankreich gespielt, war Mitglied der Europameister-Mannschaft 2000 und auch bei der verkorksten WM 2002 dabei. Als allerdings Santini das Amt des Nationaltrainers von Roger Lemerre übernahm, war für Micoud erst mal Sendepause. 21 Monate war er für Frankreich nicht mehr gut genug, ehe er am 31. März in Rotterdam gegen die Niederlande sein Comeback feiern durfte. Umso überraschender kam nun die Ausbootung. Micoud: "Ich weiß nicht, was man machen muss, um in Frankreich Nationalspieler zu werden. Ich habe in dieser Saison zehn Tore geschossen, zehn Torvorlagen gegeben, bin Meister geworden und stehe im Pokalfinale - was will man mehr?" Gute Frage. Beantworten kann sie nur einer: Jacques Santini.
Bei Micouds Kollegen und Landsmann Valerien Ismael sorgte die ganze Geschichte für Kopfschütteln: "So läuft das in Frankreich. Das war vor der WM 1998 genau das Gleiche. Einfach Mist."
[20.05.2004] Kreiszeitung