Mit Klose stärker als mit Ailton
Aber Fahrenhorst kein Krstajic-Ersatz
Von Björn Knips
BREMEN · Was waren sie nicht alle skeptisch - die Experten, die Fans und auch wir Medien. Kaum jemand hatte Miroslav Klose zugetraut, Ailton bei Werder vergessen zu machen. Doch genau das hat der Fünf-Millionen-Mann aus Kaiserslautern geschafft. Einem anderen Neu-Bremer ist dies nicht gelungen: Frank Fahrenhorst, der Mladen Krstajic in der Innenverteidigung ersetzen sollte.
Zugegeben - rein von den Zahlen her hat Ailton, der im Sommer zu Schalke wechselte, im Vergleich mit Klose die Nase vorn. 16mal traf der Brasilianer für Werder in der Hinrunde 2003/04 und gab noch drei Torvorlagen. Klose schoss dagegen nur zehn Treffer, spielte dafür immerhin fünfmal den Vorbereiter.
Aber: Während Ailton für Werder ein reiner Torjäger war, ist Klose viel mehr. Der Nationalspieler ist auch ein Kämpfer, ein echtes Vorbild auf dem Platz. Sein Laufpensum bringt die Fans erst ins Staunen, dann ins Schwärmen. "Wir haben ja immer gesagt, dass er mehr kann als nur Kopfbälle", lautet der Lieblingssatz von Sportdirektor Klaus Allofs.
Ailton brauchte den langen Pass in die Spitze, so war das Bremer Spiel ausgelegt. Klappte das nicht, funktionierte auch "Toni" nicht. Das ist jetzt anders. Klose mag's über außen und durch die Mitte, macht's mit dem Kopf und mit dem Fuß. Wie es gerade gebraucht wird.
Werder ist dadurch im Angriff weniger berechenbar und damit gefährlicher. Sicherlich auch ein Verdienst von Kloses Sturmkollegen Ivan Klasnic, Nelson Valdez und Angelos Charisteas. So urteilt Werder-Boss Jürgen L. Born voller Stolz: "Wir haben einen Sahnesturm."
Das gilt nicht für die Abwehr. Aus dem einstigen Bollwerk ist nach dem Wechsel von Krstajic zu Schalke eine Dauer-Baustelle geworden. Nachfolger Fahrenhorst konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Dabei hatte er auf der gleichen Position in Bochum eine ganz starke Saison abgeliefert. "Aber in Bochum mussten wir als Innenverteidiger ganz anders spielen", erklärte Fahrenhorst. Die Umstellung fiel ihm sichtlich schwer. Und als es endlich besser lief, fiel er aus: erst wegen eines Nasenbeinbruchs, dann wegen einer Knöchelverletzung. Das war's für ihn. Denn selbst als er wieder fit war, durfte Fahrenhorst nicht spielen. Trainer Thomas Schaaf setzte auf Frank Baumann. Der Kapitän gab der Abwehr endlich mehr Sicherheit, gleichzeitig wurde auch Nebenmann Valerien Ismael immer stärker.
Nun wird es spannend: Kann sich Fahrenhorst in der Winterpause den Stammplatz zurückerobern? Zweifel sind angebracht. Im Angriff herrscht dagegen Klarheit: Klose ist und bleibt die Nummer eins, alle anderen kämpfen nur um den Platz neben ihm. Die fünf Millionen Euro Ablösesumme haben sich gelohnt.
[16.12.2004]
Kreiszeitung