Fans bei Rau

Südländer
Schiffmeister
Ein Klasse-Artikel, von hinten bis vorne.

Die Süddeutsche ist in der Hinsicht wirklich bei Weitem das Beste, gibt sich nicht mit Halbwahrheiten ab und lässt beide Seiten zu Wort kommen.

Ich bin sehr auf die Ergebnisse der Diskussionsrunde gespannt, weil sie bietet die große Chance einer "Resozialisierung" der Fußballfanszene!
Der Mäcker
Kann dem Herrn Schiffmeister nur zustimmen. Finde den Artikel auch sehr gelungen. Was er bringt, bleibt abzuwarten. Er bietet sicherlich eine Chance, aber vielleicht stellt er auch wieder nur eine Diskussionsrunde ohne zählbaren Erfolg da.
DARKWAVE
Spitzenmässig geschrieben ... :respekt:
winko
Einem Fan aus Hannover wurde in Frankfurt vor dem Besteigen des Zuges ein Döner-Sandwich abgenommen. Der Beamte aß es dann selber auf.

Soweit ich mitbekommen habe wurde nur ein Döner dem Fan entnommen und nicht aufgegessen sollte das wirklich wahr sein ist es eine absolute Frechheit und unnötige Provokation.

Sauberer Journalismus!
Pavel
Ich bin wahnsinnig gespannt auf den Ausgang des Gespräches.
Einfach abzuwarten, bis die WM 2006 gelaufen ist,
darf nicht alles sein!
Dieses treffen ist eine große Chance im Kampf gegen Menchenrechtsverletzung und gegen die Kommerzialisierung.
Schiffmeister
So, Link bei Stadionwelt aufgegriffen, erste Ergenisse gibts hier:

http://www.ndr.de/ndr/sport/meldung.phtm...line=SPORTSLINE

Allerdings steht da alles und nix drin, völlig inhaltslos was die Probleme und Forderungen der Fans betrifft. Wenn das alles gewesen sein soll, sicherlich eine schöne Scheiße. Aber mal abwarten, was "unser Abgesandter"( ) und der Rest der anwesenden Fans da so zu sagt, aber der Text klang ziemlich ernüchternd.

Denn das Hauptanliegen war sicherlich nicht die Beachtung der Fans beim Umlegen der Spieltagen und Anstoßzeiten(natürlich auch ein wichtiger Punkt), sondern das schlimme Verhältnis zu Polizei, Ordnern, DFL und DFB. Wenn ich das denn richtig sehe.

Aber wie gesagt, abwarten was noch so an Berichten zu Tage tritt, vielleicht spiegelt dieser Text einfach nicht alles genau wieder.

Achja, den Link hier hab ich eben übersehen:

http://www.netzeitung.de/sport/bundesliga/268995.html

Hört sich schon etwas besser an, aber genaues ist auch hier nicht zu finden.
Schiffmeister
Weiter gehts, hier die erste Erklärung von ProFans:

http://www.egalwie-werdergewinnt.de/PE_P...ntentreffen.pdf

Ich hab Mr. Mazzo auch mal gebeten, wenn er denn selbst nen Bericht schreibt, ihn sofern es möglich ist auch hier eben zu veröffentlichen.
Südländer
Well, wenn die Beteiligten allseits Interesse an weiteren Treffen bekunden, scheint zumindest die Atmosphäre ganz ok gewesen zu sein.
Südländer
Hier noch ein Bericht von www.11freunde.de - richtige Ergebnisse gab´s wohl wirklich nicht, aber das war ja auch nicht zu erwarten. Wichtiger ist dran bleiben.

Was sagt denn nun "unser Mann vor Ort"?


Ein Artikel von 11Freunde.de
Ultras Bellevue: Der Bundespräsident lud ein
[16.01.04]

Bundespräsident Johannes Rau ist der Öffentlichkeit bislang nicht als großer Fußballfan bekannt gewesen. Zumindest trieb sich Rau nicht routiniert auf den Ehrentribünen deutscher Stadien umher wie etwa Parteifreund Gerhard Schröder oder auch Ex-Finanzminister Theo Waigel, der sich bei Münchner Derbies gerne mit fabrikneuem Sechzig- Schal ablichten ließ.
Bei einem Gesprächstermin mit Fans und Sicherheitskräften gestern im Schloss Bellvue machte sich rau jedoch für die Interessen der Anhänger stark gemacht. Bei der Neugestaltung der Bundesliga-Termine etwa solle offen diskutiert werden: "Mehr unter dem Gesichtspunkt, wer hingeht, statt wer zuschaut." Auch das Verhältnis zwischen Polizei und Fans ging Rau ein. "Gewalttäter und aktive, friedliche Fans dürfen nicht in einen Topf geworfen worden", sagte der Bundespräsident. Zurückhaltend reagierten gestern die Fans. So kommentierte "Pro Fans"- Sprecher Martin Kößler die Äußerungen: "Es wird sich zeigen, ob die Fans verstärkt im Entscheidungsprozess angehört werden". Der Sicherheitsbeauftragte Bernd Manthey vom Bundesinnenministerium zog sich dann auch erwartungsgemäß auf die altbekannten Positionen zurück: "Die Stadionregeln und Strafgesetzte müssen alle beachten".
Johannes Rau, beim Termin gestern adrett mit einem Fanschal dekoriert, bekam derweil von den Anhängern eine symbolische Riesendauerkarte für alle Vereine überreicht, natürlich lebenslang, natürlich Stehplatz. Die Gründung der "Ultras bellevue" steht also kurz bevor.


Autor: Philipp Köster
Dicht
Zitat:
Original von Südländer
(neben der weiterhin wohlwollenden Berichterstattung von Biermann)


Das wird man von einem BAFF-Gründungsmitglied ja auch erwarten dürfen.

Hier noch ein bißchen Lesestoff zum gestrigen Treffen. Gebt Matze mal noch ein bißchen Zeit, der muß "nebenbei" schließlich auch noch seinem Beruf nachgehen.

Ärgerlich natürlich, daß ProFans - anscheinend aufgrund der Pressemitteilung des DFB - mehrmals als "Pro Verein" verhohnepipelt wird.

===

http://www.dfb.de/news/display.php?id=2109

Johannes Rau: "Aus Zuschauern sollten Fans werden"

15.01.2004 16:15:00

Der von Bundespräsident Johannes Rau im Hinblick auf die
Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ins Leben gerufene
Sicherheitsgipfel im Berliner Schloss Bellevue brachte eine spürbare
Annäherung zwischen den anwesenden Vertretern der Fan-Gruppen und den
Fußball-Funktionären sowie Vertretern des Innenministeriums.

"Das war ein Doppelpunkt und kein Schlusspunkt. Ich gehe davon aus,
dass nun regelmäßige Gespräche auf regionaler Ebene geführt werden",
meinte Johannes Rau nach dem Treffen. "Das war eine gute Plattform zur
weiteren Annäherung. Wir haben für unser Fan-Projekt in Hinblick auf
die WM 2006 viele Anregungen erhalten", erklärte Horst R. Schmidt,
Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und
stellvertretender Präsident des WM Organisationskomitees 2006. Und
Martin Kößler von der Fan-Initiative "Pro Verein" meinte: "Es war ein
Erfolg, dass dieses Treffen stattgefunden hat."

"Fußball-Fan" Johannes Rau war auf seiner letzten Sommerreise in
Dortmund von Fans der Borussia auf die Thematik der
Sicherheitsvorkehrungen rund um die Fußball-Stadien angesprochen
worden. Die Anhänger setzten sich dann auch in Berlin insbesondere mit
den Themen "Polizeieinsätze bei Fußballspielen" und "Stadienverbote"
kritisch auseinander.

Horst R. Schmidt konnte in diesem Punkt die Haltung der Fans nicht
teilen und verteidigte die Vorgehensweise der Polizei. "Es gibt leider
immer noch viele gefährliche Fans, die ein hartes Durchgreifen
rechtfertigen", meinte der DFB-Generalsekretär. Auch Bernd Manthey,
Beauftragter im Bundesinnenministerium für Sport und Sicherheit, wies
darauf hin, dass "nicht alle Schlachtenbummler so gesprächsbereit
seien, wie das in Berlin der Fall war".

Zu einem verantwortlichen Handeln rief Bundesinnenminister Otto Schily
auf: "In den Fußball-Stadien gibt es immer ein Spannungsverhältnis
zwischen Fans und Polizei. Mit der großen Aufgabe vor Augen, die WM
2006 auszurichten, müssen Fans und Ordnungskräfte gleichzeitig
Verantwortung übernehmen."

Abgesehen von der Sicherheitsdebatte wünschte sich Rau 876 Tage vor
dem Start der Weltmeisterschaft eine große Fußball-Begeisterung im
Lande, die dazu führe, dass aus "Zuschauern Fans werden". "Ich habe im
Sommer erfahren, dass Fans eben mehr sind als nur Beobachter eines
Spiels. Und ich wünschte mir, dass es nicht nur in den Stadien,
sondern in ganz Deutschland weniger Zuschauer und mehr Fans gäbe",
meinte Rau.

===

http://www.nwz-online.de/2_dyn_449.php?s...8525&navpoint=5

[Nordwest-Zeitung, 16.01.2004]

,Prävention statt Bestrafung‘

Von hauke richters

Frage: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Probleme im Umgang der Vereine
und der Polizei mit den Fans?

Bettag: Innerhalb des Stadions sollen wir den bunten und singenden
Kaspar spielen, außerhalb des Stadions gelten wir dagegen als
Sicherheitsrisiko. Wir wollen aber als Ganzes ernst genommen werden.

Frage: Welche Vorschläge haben Sie, um das Verhältnis zu verbessern?

bettag: Wir Fans halten Stadionverbote für den falschen Weg. Wenn ein
jugendlicher Zuschauer eine Nebelkerze anzündet und deshalb ein
mehrjähriges Verbot erhält, wird er vom Fußball ausgeschlossen,
kriminalisiert und in eine falsche Ecke gedrängt. Außerdem habe ich
den Eindruck, dass Verbote oft willkürlich ausgesprochen werden.

Frage: Welche Alternative schlagen Sie vor?

bettag: Die Clubs sollen ihr Vorgehen in solchen Fällen transparenter
darstellen. Außerdem wünsche ich mir, dass die Vereine mit den Fans
eher das Gespräch suchen. Ich halte von Prävention mehr als von
Bestrafung.

Frage: Ist Gewalt in deutschen Stadien noch ein Thema?

bettag: Nein. Die Gewaltbereitschaft ist in den vergangenen Jahren
drastisch zurück gegangen. Außerdem muss man von eventueller Gewalt
Begeisterung und Leidenschaft sehr genau trennen. Und die kommen auch
bei einem Rockkonzert vor oder wenn ein Kegelclub zum Oktoberfest
fährt.

Frage: Wird es bis zur WM 2006 eine feste Gesprächsrunde mit
Sicherheitskräften, Organisatoren und Fans geben?

bettag: Ich wünsche mir das sehr, und in Berlin haben auch die beiden
anderen Seiten Bereitschaft dazu signalisiert.

Werder-Fan Matthias Bettag (Bild) hat am Treffen im Schloss Bellevue
teilgenommen. Er fordert einen faireren Umgang mit den Fans.

===

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/16.01.2004/933515.asp

[Der Tagesspiegel, 16.01.2004]

Gästeblock Bellevue
Bundespräsident Rau spricht mit Fußballfans und Polizei

Noch ist der Postempfänger streng geheim. Doch die Stimmen sind
gezählt, die Wahl abgeschlossen. In zwei Wochen kürt das „Bündnis
Aktiver Fußballfans“ den Sieger in der Kategorie „Goldener
Schlagstock“ für die aggressivste Polizeiarbeit in einem
Fußballstadion. 3500 Fans aus dem Bundesgebiet haben gewählt – und der
Gewinner ist: die Polizei in Frankfurt am Main.

Mit Ironie reagieren die Fans auf das Auftreten von Ordnerdiensten und
Polizei in den Stadien. Mit Sorge blicken die Anhänger auf die
Weltmeisterschaft 2006: Sie befürchten, dass ihnen durch viele
Sicherheitsauflagen die Lust am Spiel vergehen wird. Gestern bezog
Bundespräsident Johannes Rau zu dem Thema Stellung: „Es darf nicht
sein, dass Gewalttäter und aktive, friedliche Fans in einen Topf
geworfen werden.“ Zur Freude der Fans regte Rau auch eine offene
Debatte über die Anstoßzeiten der Bundesligaspiele an: „Mehr unter dem
Gesichtspunkt, wer hingeht, statt unter dem, wer zuschaut.“

Bundespräsident Rau hatte Fans aus dem ganzen Bundesgebiet ins Schloss
Bellevue geladen, um mit ihnen, Vertretern der Regierung, Polizei und
der Deutschen Fußball-Liga über den Alltag im Stadion zu reden. Zu
enge Gästeblöcke, zu hohe Zäune, zu aggressive Polizei – das waren die
Vorwürfe der Fans. Von „Präventionsmaßnahmen“ sprach die Polizei, von
„Willkür und Schikane“ redeten die Fans. Viele kritisierten auch, dass
gegen Fans zu schnell Stadionverbote verhängt werden und die
Rechtsgrundlage für die Aufnahme in die polizeiinterne Datei
„Gewalttäter Sport“ unklar sei. Bundesinnenminister Otto Schily zeigte
Verständnis: „In den Stadien gibt es immer ein Spannungsverhältnis
zwischen Fans und Polizei.“ Angesichts der bevorstehenden
Fußball-Weltmeisterschaft 2006 forderte Schily: „Es ist wichtig, dass
wir uns als gute Gastgeber präsentieren.“

Das Motto der WM 2006 lautet „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Es sei
ein Unterschied, „ob die Fans aus Brasilien von einer Hundertschaft
Polizisten begrüßt werden – oder von den Fans“, sagte Ralf Busch, ein
Sozialpädagoge des Berliner Fanprojekts. Lob gab es von allen Seiten
für den Bundespräsidenten, weil der es geschafft hat, dass die
Parteien nicht über, sondern miteinander reden. Rau geht davon aus,
„dass nun regelmäßige Gespräche auf regionaler Ebene geführt werden“.
Eines bedauerte er dann doch: Fußballfans im Schloss Bellevue – „das
ist Premiere. Leider ist kein Fan des Wuppertaler SV dabei“. Wuppertal
ist seine Heimatstadt.

André Görke

===

http://morgenpost.berlin1.de/inhalt/sport/story653639.html

[Berliner Morgenpost, 16.01.2004]

Freier Eintritt für Bundespräsidenten

Von Sebastian Schlichting

Was für ein Geschenk: Bundespräsident Johannes Rau erhält von Martin
Kößler aus Karlsruhe eine Dauerkarte auf Lebenszeit

Saison-Dauerkarten für Fußball-Vereine sind meist klein und handlich.
Bundespräsident Johannes Rau bekam gestern ein wohl einmaliges
Exemplar überreicht, das eher die Größe eines mittelgroßen Bildes für
die Wand hat. Es ist auch eine besondere Dauerkarte. Mit ihr hat der
bekennende Fußball-Fan Rau freien Eintritt auf Lebenszeit in den
Stehplatz-Blöcken der deutschen Stadien, also in den Fan-Blöcken.
"Zählt leider nicht für die WM", schränkte Martin Kößler vom Vorstand
der "Supporters Karlsruhe" bei der Übergabe ein, "da gibt es ja keine
Stehplätze."

Über die Belange von Fußball-Fans wird sonst selten im Schloss
Bellevue geredet. Gestern schon. Rau hatte im Sommer bei seiner Reise
durch Deutschland in Dortmund Gespräche mit Fans geführt und wurde
gebeten, etwas für die Verbesserung des schwierigen Verhältnisses zu
den Sicherheitskräften zu tun. Er handelte und lud Anhänger aus allen
Teilen des Landes ein - einige kamen mit Sakko und Fan-Schal -, um
sich mit Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes, der Deutschen
Fußball-Liga, der Vereine, der Polizei und des Innenministeriums
auszutauschen. Die Problematik sollte auch im Hinblick auf die
bevorstehende WM in Deutschland erörtert werden.

Dass Auswärtsfans oft bereits am Bahnhof von der Polizei abgefangen
und dann zum Stadion geleitet werden, ist den Anhängern ebenso ein
Dorn im Auge wie die fehlende Einspruchsmöglichkeit gegen
Stadionverbote.

"Wir werden entweder als Folklore oder als Sicherheitsrisiko
angesehen", kritisiert Werder-Bremen-Fan Matthias Bettag und Kößler
ergänzt: "Obwohl die Gefahrenlage in den Stadien zurückgeht, wird der
Sicherheitsapparat ausgebaut." Das sind Themen, die nicht mal eben in
zwei Stunden am runden Tisch geklärt werden können. Kaum überraschend
wurden daher gestern keine konkreten Beschlüsse gefasst, aber "eine
gute Plattform zur Annäherung" sieht DFB-Generalsekretär Horst R.
Schmidt.

Die Freunde des runden Leders, ohnehin nicht mit allzu großen
Hoffnungen angereist, bleiben dagegen skeptisch: "Wir haben mündliche
Zusagen für weitere Gespräche. Ich hoffe, das ist nicht nur
dahergeredet", sagt Bernd Küster, Mitglied des Fan-Beirats von Hertha
BSC.
Dicht
Und noch was kleines aus der SZ, das nicht mehr in den letzten Beitrag reinpaßte.

===

http://www.sueddeutsche.de/sz/sport/red-artikel115/

[Süddeutsche Zeitung, 16.01.2004]

Fußballfans zu Gast bei Johannes Rau

Nur ein Anfang

Berlin – Es gab am gestrigen Donnerstag durchaus Einiges zu lernen am
Amtssitz des Bundespräsidenten. Unter anderem, dass Nostalgietrikots
von Fußball-Mannschaften salonfähig sein können (andererseits
gewöhnungsbedürftig sind, jedenfalls in Kombination mit dem dunklen
Einreiher).

Zur Aufführung kamen derartige Devotionalien in Schloss Bellevue, weil
Bundespräsident Johannes Rau (Wuppertaler SV) Fußball-Fans,
Verbands-Funktionäre und Vertreter aus dem Regierungs- und
Sicherheitsapparat an einen Tisch gebracht hatte (siehe SZ vom
Donnerstag). Zur Diskussion stand vor allem die Art des Umgangs
miteinander. Zahlreiche Fans klagen schon länger über allerlei
Schikanen in Bundesligastadien. Die „deutliche Diskrepanz“ in der
Wahrnehmung der Sicherheitsvorkehrungen, durch die Polizei einerseits
und die Fans andererseits, wurde zwar auch gestern nicht beseitigt,
wie Martin Kößler, der Sprecher der Fan-Initiative „Pro Fans“, nach
der Debatte berichtete, er wolle erst dann von einem Erfolg durch Raus
Inititative sprechen, „wenn Maßnahmen ergriffen werden“. Rau jedoch
hob hervor, dass „ein Anfang gemacht“ sei. Bernd Manthey, Inspekteur
der Bereitschaftspolizeien der Bundesländer und Beauftragter für Sport
und Sicherheit im Bundesinnenministerium, wehrte sich seinerseits
gegen „Pauschalisierungen“ bei der Darstellung von
Repressionsmaßnahmen, die Polizei komme in der Öffentlichkeit zu
schlecht weg, fand er. Ungerechtfertigte Eingriffe seien
„Einzelfälle“, über die man dann auch mit den Fans rede. Eine
Folgeveranstaltung zur gestrigen Konferenz ist nicht vorgesehen. Rau
hofft aber auf Fortführung der Kontakte auf regionaler Ebene: „Dies
war ein Doppelpunkt, kein Schlusspunkt.“

jc
Schiffmeister
Zitat:
Original von Dicht
Zitat:
Original von Südländer
(neben der weiterhin wohlwollenden Berichterstattung von Biermann)


Das wird man von einem BAFF-Gründungsmitglied ja auch erwarten dürfen.


Das hatte ich schon fast befürchtet. Ich hatte mich schon gewundert bzw. gefreut darüber, wie ein Außenstehender soviel Sachverstand an den Tag legen kann. Naja, einerseits schade, aber andererseits sitzt da natürlich genau der Richtige und man kann davon ausgehen, dass diese hinterfragenden Beiträge von bleibender Dauer sind...
Dicht
Zitat:
Original von UTB-Schiffmeister
Das hatte ich schon fast befürchtet. Ich hatte mich schon gewundert bzw. gefreut darüber, wie ein Außenstehender soviel Sachverstand an den Tag legen kann. Naja, einerseits schade, aber andererseits sitzt da natürlich genau der Richtige und man kann davon ausgehen, dass diese hinterfragenden Beiträge von bleibender Dauer sind...


Wobei er seit einigen Jahren eh nur noch passives Mitglied ist. Nach seiner eigenen Aussage hat er persönlich das Interesse an Fankultur in den letzten Jahren ein wenig verloren. Daß er kein BAFF-Sprachrohr ist, sieht man allein daran, daß er mit keinem Wort erwähnt, wer das Buch herausgibt. Aber das ist ja auch okay, sonst würde das schon an Schleichwerbung grenzen.

Übrigens ist mir gerade aufgefallen, daß das Rau-Grußwort im oberen Posting abgeschnitten ist. Darum nehme ich es da oben ganz raus und häng es hier nochmal komplett ran:

=======================================================================

http://www.bundespraesident.de/

Grußwort des Bundespräsidenten zur Eröffnung des Gesprächs zwischen
Fußballfans und den für die Sicherheit im Fußball Verantwortlichen

Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort.

Herzlich willkommen im Schloß Bellevue!

Ich begrüße hier nicht wenige Staatsoberhäupter, Regierungschefs,
Verantwortliche aus Politik und Gesellschaft und führe Gespräche mit
vielen Bürgern und Vertretern von Institutionen und Initiativen.

Dass aber heute Fußballfans aus der ersten und zweiten Bundesliga und
aus den Regionalligen hier sind, das ist eine Premiere.

Leider ist kein Fan des Wuppertaler SV dabei - immerhin ist der WSV
Spitzenreiter der Regionalliga Nord.

Aber ich freue mich darüber, dass heute Fans gemeinsam mit Polizisten,
Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball
Liga, mit Sozialarbeitern aus Fanprojekten, mit Fanbeauftragten und
mit Mitarbeitern von Vereinen meiner Einladung ins Schloss gefolgt
sind.

Der eine oder andere mag sich fragen, wieso sich der Bundespräsident
für Fußballfans interessiert. Warum er einige von ihnen gemeinsam mit
Verantwortlichen aus der Fußballwelt einlädt, um sie ins Gespräch zu
bringen.

Auf diese Fragen könnte ich Ihnen schlicht mit ein paar Zahlen
antworten:

Über fünfeinhalb Millionen Zuschauer saßen und standen in der gerade
abgeschlossenen Hinrunde der Fußball-Bundesliga auf den Rängen in den
Stadien. Das sind im Durchschnitt rund 37.000 Menschen pro Spiel. Das
ist Rekord.

Über die Hälfte der Deutschen sind fußballbegeistert - ich gehöre
dazu.

Ich könnte Ihnen jetzt noch die Einschaltquoten von Länderspielen der
Nationalmannschaft nennen, aber ich denke, dass Sie auch so verstehen,
warum Politiker oft so beeindruckt sind von der emotionalen Kraft des
Fußballs, von der Hingabe und der Gefolgstreue der Fußballbegeisterten
- auch in schlechten Zeiten.

Allein diese Zahlen und die Tatsache, dass der Fußball nun mal,
zumindest in Deutschland, das Mannschaftsspiel ist, wären also Grund
genug für das Interesse des Bundespräsidenten an den Fußballfans.
Es gibt aber wichtige andere Gründe, warum ich Sie eingeladen habe:

"Reden wir über Deutschland" war das Motto meiner Sommerreise im
letzten Jahr, bei der ich mit Gruppen junger Menschen aus ganz
unterschiedlichen Arbeits- und Lebenssituationen gesprochen habe.

Ich wollte viel von ihnen wissen und sie auch von mir. Wir haben über
Politik und über die Zukunft Deutschlands gesprochen und diskutiert.

Bei allen Unterschieden zwischen den Gruppen, eines war fast allen
jungen Menschen gemeinsam: Sie haben wenig Vertrauen in die Politik,
in Parteien und Institutionen.

Ich habe gut zugehört. Aber ich habe nicht nur zugehört. Ich habe der
Jugend in unserem Land auch meine Meinung gesagt. Ich habe ihnen
gesagt: "Mischt Euch ein, macht mit, engagiert Euch. Wer nicht
handelt, der wird behandelt!"

Ich will, dass die Generation, die einmal Verantwortung tragen wird,
begreift, dass Verdrossenheit und Ohnmachtgefühle kein einziges
Problem lösen. Wer will, dass sich etwas verändert, der muss etwas
dafür tun.

Eine Station auf meiner Reise war das Dortmunder Westfalenstadion.
Dort habe ich mit BVB- Fans gesprochen, zwei von ihnen sind heute mit
dabei.

Das war ein ganz besonderes Gespräch. Nicht nur, dass die Fans so gar
nicht dem Klischee entsprachen, das ihnen so oft in den Medien
verpasst wird, sie haben mir auch einen Satz mit auf den Weg gegeben,
der mich beeindruckt und gefreut hat: "Wir müssen aus Zuschauern Fans
machen!"

"Aus Zuschauern Fans machen!", das heißt ja wohl, mitzumachen, sich
einzubringen und das ganze Stadion mitzureißen: als "Zwölfter Mann"
die eigene Mannschaft friedlich und einfallsreich zu unterstützen - in
guten wie in schlechten Zeiten - und sich das auch etwas Kosten
lassen, Zeit und Geld.

Auf solche Fans kann jeder Verein stolz sein. Sie sind das größte
Kapital, das ein Verein haben kann. Sie schaffen die unvergleichbare
Atmosphäre, ohne die der Fußball nicht die Attraktion wäre, die er
ist.

Das sollten wir bei all den Fragen nach der Wirtschaftlichkeit und der
Fernsehtauglichkeit im Fußball nicht vergessen.

Ich habe damals im Sommer erfahren, dass Fans eben mehr sind als nur
Beobachter eines Spiels. Und ich wünschte mir, dass es nicht nur in
den Stadien, sondern in ganz Deutschland weniger Zuschauer und mehr
Fans gibt, die sich für unser Land und damit für ihre eigene Zukunft
engagieren.

Die Fans in Dortmund haben mich gebeten, etwas zu tun, um das
Verhältnis zwischen Sicherheitskräften und Fans im Stadion zu
verbessern.

Das habe ich ihnen versprochen, und darum sind Sie und darum bin ich
heute hier.

Wir haben in der Vergangenheit erlebt, dass es Chaoten gibt, die den
Fußball dazu missbrauchen, Gewalttaten zu verüben. Darum ist es
richtig und notwendig, diese Straftaten zu verhindern.

Jeder Gewalttäter schadet dem Fußball und unserem Land.

Bei all den Maßnahmen, die den Fußball sicherer machen, müssen wir
freilich darauf achten, dass die friedlichen Fans ihre Mannschaft
weiterhin mit Begeisterung und Einfallsreichtum unterstützen können.

Gewalttäter und aktive, friedliche Fans dürfen nicht in einen Topf
geworfen werden.

Bei meinem Gespräch in Dortmund hatte ich den Eindruck, dass die Fans
das Verhalten der Sicherheitskräfte oft nicht verstehen, das ihnen
manches Mal im Stadion und im Umfeld des Stadions begegnet.

Daher bin ich dankbar dafür, dass der für Sport zuständige
Bundesinnenminister, der Präsident der Deutschen Fußball Liga und der
Vize-Präsident des Organisationskomitees für die
Fußball-Weltmeisterschaft 2006, der zugleich auch der Generalsekretär
des DFB ist, meine Initiative unterstützen und heute anwesend sind.
Sie unterstreichen damit, wie wichtig auch ihnen um der Sache willen
der Dialog mit den Fans ist.

Ich wünsche mir und Ihnen einen offenen, einen echten Dialog. Sie
haben alle Zutaten, die man dafür braucht: die notwendigen Fachleute,
einen guten Gesprächsleitfaden und einen hervorragenden Moderator, dem
ich ganz herzlich dafür danke, dass er diese nicht ganz leichte
Aufgabe übernommen hat.

Aus meiner Erfahrung darf ich Ihnen etwas mit auf den Weg geben, das
sich in meinen Gesprächen immer bewährt hat:

"Die Bereitschaft in einen Dialog einzutreten, setzt die Einsicht
voraus, nicht allein im Besitz der ganzen Wahrheit zu sein - der
andere hat in manchem vielleicht auch Recht."

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass das Gespräch, das Sie heute hier
führen wollen, dazu beiträgt, das Verhältnis zwischen Fußballfans und
Sicherheitskräften so zu verbessern, dass ein möglichst
vertrauensvolles und vorurteilsfreies Miteinander entsteht.

Diese Atmosphäre brauchen wir, wenn in 876 Tagen die 2.
Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland beginnt.

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist auf den ersten Blick ein
gigantisches Sportereignis und ein nicht zu unterschätzender
Wirtschaftsfaktor. Auf den zweiten Blick aber ist eine
Fußball-Weltmeisterschaft viel mehr. Sie ist für unser ganzes Land
eine große Chance.

Milliarden Menschen auf der ganzen Welt werden für vier Wochen im Jahr
2006 auf Deutschland schauen.

Gemeinsam mit den vielen Gästen, die wir bei uns begrüßen dürfen,
werden sie sich ein Bild machen nicht nur vom deutschen Fußball,
sondern von uns Deutschen und von unserem Land.

Die Zuschauer und die Gäste aus allen fünf Kontinenten werden dies
Bild von unserem Land mit nach Hause nehmen.

Was sie da gesehen und gehört, gelesen oder selber erlebt haben, wird
auf lange Zeit ihr Bild von Deutschland prägen.

Darum müssen wir uns Gedanken darüber machen, welche Bilder von
Deutschland mit der Fußball-Weltmeisterschaft in die Welt gehen
sollen.

Wie diese Bilder aussehen, das liegt in unserer Hand. Dazu kann jeder
von uns etwas beitragen.

Ich fände es schön,

- wenn viele Bürger den Fußballfans aus aller Welt das Gefühl gäben,
dass sie zu Gast bei Freunden sind,

- wenn Städte Patenschaften für die Nationalmannschaften übernähmen, die
bei ihnen wohnen,

- wenn Familien ihre Häuser für Gäste öffneten,

- wenn deutsche Fans und Fans aus anderen Ländern miteinander feierten.

Wenn uns das gelingt, dann können wir in nur einem Monat unendlich
viel über unser Land erzählen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist eine einzigartige Gelegenheit, um
der Welt das moderne, weltoffene Deutschland zu zeigen.

"Die Welt zu Gast bei Freunden" das ist das Motto der
Fußball-Weltmeisterschaft. Ein gutes Motto, mit Bedacht gewählt, ein
Motto, das uns als Gastgeber in die Pflicht nimmt - den
Bundespräsidenten genauso wie den Fußballfan, den Sportfunktionär, den
Polizisten, jeden einzelnen Bürger unseres Landes.

Deshalb ist es mir wichtig, dass Sie heute hier sind, denn gute
Gastgeber können Sie nur gemeinsam sein: die Fans gemeinsam mit den
Ordnungskräften.

Nur gemeinsam können Sie dazu beitragen, dass dieses herausragende
Ereignis zu einem Fest der Freude, der Begeisterung und der
Gastlichkeit wird, zu einem Fest, bei dem wir Deutsche ein gutes Bild
abgeben.

Ich wünsche uns, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu einer
Sache aller sportbegeisterten Deutschen wird, dass sie getragen wird
von einem Geist der Fairness und von einer Begeisterung, die uns
gegenseitig und die unsere Gäste ansteckt.


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mazzo
Moinsen,
sorry, dass das so lange gedauert hat. Hier mein Bericht zum Treffen beim Bundespräsidenten vom 15.01.2004, Achtung: Langer Text!:


Eingeladen waren 9 Fanvertreter: Jens (schwatzgelb.de) und Andreas (the Unity) aus Dortmund (beide auch bei ProFans), Andi von Hansa (auch sehr aktiv bei ProFans), Martin vom KSC (KSC Supporters/Phoenix Sons und Mitgründer von Pro1530), Roger vom Sprecherrat St.Pauli, Gregor aus München (Club Nr.12, einer der "Krawattenmörder" vom dortigen Sommerspektakel, auch bei proFans), Bernd von Hertha (Fanclub vergessen, irgendwas mit Herthafreunde-92 oder so, er ist im Fanbeirat von Hertha) und Stefan vom V.I.R.U.S Union Berlin und ich als Werderfan und BAFFler, der bei ProFans aber auch mitspukt und u.a. von Jens aus Dortmund als Wunschteilnehmer genannt wurde.

Die Einladungen kamen zustande, nachdem bei der KOS (Koordinierungsstelle für Fanprojekte)und der BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte), den "Bundeszentralen" der regionalen Fanprojekte, die Anfrage aus dem Bundespräsidialamt einging, Fanvertreter vorzuschlagen. Neben den quasi "gesetzten" Dortmundern, weil die schon im Sommer 2003 mit Rau redeten und der Anlass für eine Fortführung in solcher Runde waren, wurde die obigen Namen genannt. Die beiden Berliner, Bernd und Stefan, wurden eingeladen worden weil sie sich persönlich per Brief an das Bundespräsidialamt gewandt hatten. Beide sind aber nicht bei Profans organisiert und hatten auch weniger Bezug zu dem bundesweiten Netzwerk, dem die anderen direkt und indirekt angehörten. In der Vorbereitung haben wir eine eigene Mailingliste gegründet um uns besser abzusprechen und vorzubereiten, dabei stehen wir auch im Kontakt zur KOS und der BAG, die neben dem FP Dortmund und dem FP Berlin auch Vertreter bei der Diskussion hatte. Desweiteren war auch Tower aus MG dabei, der als Fanbeauftragter und Fanprojektler eine gewisse Sonderstellung in dieser Branche hat. Soweit die Fanvertreter und "Angehörige".

Daneben stand ein größeres "Aufgebot" der Polizei (kennt man ja, machte hier aber ausnahmsweise Sinn) und Vertreter des Innenministeriums: Herr Manthey (Bundesministerium des Inneren, zuständig für die "Sicherheit WM 2006"), Herr Endler, Leiter der ZIS (Zentralstelle für Sporteinsätze), der Polizeidirektor und Vorsitzende des nationalen Ausschusses Sport und Sicherheit Herr Schankin.
Desweiteren Jürgen Rollmann (unser Europacup-Torwart), der "Koordinator der Bundesregierung für die Fussball WM 2006" ist, und dem Bundesinnenministerium unterstellt ist.

Von Vereinsseiten haben Dieter Hoeness und Meier aus Dortmund abgesagt (da kann man mal sehen wie die das Treffen bewertet haben), haben aber Vertreter geschickt. Beckenbauer war auch nicht da obwohl zunächst angekündigt, aber den hat glaub ich niemand vermisst. Trotzdem ist er natürlich eine wichtige Repräsentationsfigur.

Der "Gewaltforscher" Herr Pilz vom Institut für Sportwissenschaft aus Hannover und Psychologin Frau Schreiber von der Uni Bonn waren ebenfalls dabei, die aber beide nur kurz etwas sagten.

Dann waren noch vertreten der DFB durch Herrn Dr. Sengle, Jurist und einer der Vizepräsidenten des DFB, Herr Schmidt, Generalsekretär vom OK 2006, Herr Straub von der DFL und Herr Florin, DFB-Abteilungsleiter Sicherheit .

Moderiert wurde die Runde höchst kompetent von Herrn Breuckmann, Journalist vom WDR, neben ihm saßen Herr Wilke (Bundespräsidialamt, prima Kerl, der hat die ganze "Diplomatie" der Vorbereitung gemacht) und Staatsekretär Frohn, der offiziell Rau in der Diskussion vertrat.

Soweit waren also allerlei kompetente Verantwortungsträger der verschiedenen Institutionen anwesend, die letztlich viel Einfluss auf Regelungen, Veränderungen und Verhaltensweisen haben. Dazu zähle ich auch die Fanvertreter weil wir ja schliesslich unsere Meinungen und Ergebnisse auch an tausende Fans weitergeben. Z.B. hier und jetzt... Ich versuche mal möglichst sachlich zu beschreiben was mir in Erinnerung geblieben ist, ein offizielles Protokoll erscheint (hoffentlich bald) dann noch von Seiten des Bundespräsidialamtes (Wilke hat zudem alles auf Diktiergerät aufgenommen).

Los ging es um 10h mit einer kleinen Rede von Rau vor der versammelten Presse. Rau wiederholte was die Dortmunder Fans ihm im Sommer sagten: "Wir würden gerne alle Zuschauer zu Fans machen". Er betonte, dass die Anliegen der Fans wichtig seien und dass diese Runde dazu dienen sollte, besser miteinander ins Gespräch zu kommen. Anschliessend redete Hackmann irgendwas belangloses, dann kam Schily (wie Hackmann war auch er nicht in der anschliessenden Diskussionsrunde) der u.a. betonte, dass Sicherheit wichtig sei und dass auch unter Minderheiten der Fans Gewalt existiere usw. Innenministerzeugs eben. Anschliessend redete Schmidt vom OK 2006. Der wirkte in seiner Rede schon etwas in der Defensive und man merkte, dass er die Vorwürfe/Kritik bzgl. Repression und Ausgrenzung der Fans gleich widerlegen wollte. Ganz nebenbei betonte er aber auch das Konzept "die Struktur in und um die Stadien zu verbessern" und "auf andere Gruppen zuzugehen" um u.a. VIP/Businesslogen zu etablieren und dann diese Strukturen auszubauen. Eigentlich nix neues für uns, aber irgendwie auch reichlich direkt, wie er die Kommerzialisierung und "Ver-Turnhallelung" (nenn ich mal so) bzw. die zentrale Ausrichtung auf Business-Publikum und Stadien/Arenen als Ganztagskommerzhallen mit eingebautem Fussballplatz ankündigte. Wenigstens nahm er kein Blatt vor den Mund, höchste Priorität haben wir Fans in diesen Plänen nicht so ganz...

Anschliessend wurde von Martin Kößler aus Karlsruhe eine "Fan-Dauerkarte" von ProFans an Rau übergeben, das symbolische Geschenk in Din A3 zeigt ein Foto der Fandemo 2002 in Berlin und den Text "für alle Ligen, alle Fankurven und auf Lebenszeit". Irgendein Reporter fragte hinterher tatsächlich, ob Rau damit freien Eintritt in jedes Stadion hätte. *AUA*, Marttin sagte aber, dass wenn Rau irgendwo reinwolle, er das notfalls selber bezahlen würde ;-)
Dazu bekam Rau auch das neue BAFF-Buch "Die hundert 'schönsten' Schikanen gegen Fussballfans" übergeben. Das Buch ist frisch aus der Druckpresse und kann über http://www.aktive-fans.de ab sofort bestellt werden. Ich finde dies Buch sehr gelungen (haha, kein Wunder, ich hab ja auch dran mitgearbeitet, aber die Endredaktion hat mich in der Redaktionsgruppe als "Matthias Bettag (Berlin)" angegeben. Seit wann zählt denn da der Wohnort? ;-) Nur falls ihr Euch beim lesen wundern solltet...

Dann ging es eine Etage höher im Bellevue zur Diskussionsrunde. Eigentlich stand ordentlich was auf der Tagesordnung. Von Fanseite gab es zwei Hauptthemen: Stadionverbote und die Datei Gewalttäter Sport (GWS), dazu die Wahrnehmung der Fans in der Öffentlichkeit, der Presse und gegenüber der Polizei und den Vereinen, sowie auch die WM2006 mit den Befürchtungen, danach würde in Deutschland ein anderer Standard für Fans herrschen (Arenen statt Stadien, alles VIP und Sicherheitsoptimiert, teuerer, Einkaufszonen-Büro-Arenen, etc.). Abgesehen davon, dass das WM Motto "zu Gast bei Freunden" alles andere als zutrifft wenn die Fans, die zur WM reisen, so behandelt werden wie wir z.Z. wenn wir im Land auswärts fahren. Die Runde ging aber "nur" 2,5 Std. und letztlich wurden nur drei Themengebiete angesprochen: 1) Wie die Fans die Polizei wahrnimmt und andersrum,
2) Stadionverbote
und schliesslich nur noch kurz 3) unsere Befürchtungen zur WM 2006.

Die Diskussion lief dann so, dass jeder der was sagen wollte, einen Knopf an seinem Tischmikro drückte und, wenn er dann dran war (Breuckmann regelte die Wortzuteilung), bis zu 4 Minuten Redezeit hatte. Keine Partei war zweimal hintereinander dran. Somit konnte es schon mal dauern bis man reden konnte, bzw. das Thema war dann schon woanders oder jemand anderes der eigenen Gruppe war schneller... Nichtsdestotrotz konnte das Wesentliche gesagt werden, leider konnte man schlecht direkt auf (z.T. abstruse) Äusserungen antworten, vor allem DFB/OK leben in ihrer "selbstgebauten" Welt und berufen sich ausschliesslich auf Gesetzesgrundlagen und (FIFA oder EU)-Richtlinien, welche die von uns kritisierten Vorgehensweisen rechtfertigen und keinerlei Spielraum lassen.
Ich fasse mal etwas aus meiner Erinnerung zusammen, ein Protokoll der Veranstaltung soll wie gesagt noch folgen.

Zu 1) Wir beschrieben die Standards der üblichen "Sicherheitsmaßnahmen", also behelmte Polizei an jedem Bahnhof, Eskorte, Repressionen, Willkür und vor allem die -nach unserer Ansicht- fehlende Gefährdung der Sicherheit weil die "schlafende Bestie Hooliganismus" (Zitat eines DFBlers vor einem Jahr) eigentlich nicht mehr existiert. Die Vertreter von Polizei und Innenministerium verwehrten sich gegen "Pauschalurteile" und räumten -wie erwartet- Einzelfälle ein. Dabei hatten wir bisher gar keine Einzelfälle genannt und eigentlich nur den normalen Ablauf einer durchschnittlichen Auswärtsfahrt beschrieben. Verhältnismäßig positiv waren die Rückmeldungen von Manthey und Schankin, die recht konstruktiv waren und an Verbesserung interessiert sind, wenn sie auch (logisch) ihren Berufsstand verteidigt haben. Leider wurde in diesem Einführungsthema viel Zeit verbraucht. Wir stellten auch auf Rückfrage des BVB-Vertreters fest, dass oftmals Auswärtsfahrer besonders den Schikanen ausgesetzt. Was natürlich auch an der einfacheren "Erfassung" der anreisenden Fans am Bahnhof oder in Bussen liegt.

Zu 2) Wir forderten einen anderen Umgang mit SVs. Das Minimum wäre ein Anhörungsrecht des Betroffenen vor Vertretern SEINES Vereins (Vereinsvertreter, Fanbeauftragter und ?Anwalt? des Fans, z.B. das Fanprojekt) und ohne Polizei, BEVOR das SV ausgesprochen werden kann (und nicht muss, dazu eben die Anhörung, um evtl. Vorwürfe zu klären). Zudem soll ein SV nicht mehr vom Heimverein an Auswärtsfans verhängt werden ohne Anhörung des Betroffenen und seines FPs und FBs. Tower bestätigte, dass er so etwas in Mönchengladbach immer an den anderen Verein weitergibt und keine SVs gegen Gästefans ausspricht bzw. weiterleitet. Nur so sehen wir gewährleistet, dass Willkür oder Indizienurteile (z.B. aufgrund von Videoauswertung ohne klare Tätererkennung) nicht pauschal zu mehreren Jahren bundesweitem SV führen und im Zweifel kein SV ausgesprochen wird, bzw. dass z.B. junge Pyromanen noch eine "letzte Chance" erhalten bevor sie kriminalisiert werden und sich dann möglicherweise erst recht radikalisieren. Dazu ging es auch um die recht willkürlichen Gründe die zu einem SV führen können, ob nun Ordnungswidrigkeit oder Straftat, der Verdacht reicht letztlich aus. Eine Umsetzung der Forderungen nennen wir dann Transparenz bei der Regelung des SV. Herr Sengle, Jurist, findet aber die aktuelle Regelung völlig transparent weil -damit hat er leider Recht- das SV eine Form des Hausverbots ist und somit anderen rechtlichen Grundlagen, nämlich dem Zivilrecht, unterliegt. Widerspruch wie z.B. bei der Erteilung eines Bußgeldes ist darin nicht vorgesehen, man kann natürlich zivilrechtlich klagen, aber das kostet. Unser Einwand, dass diese Form der Prävention ?wie er es nannte- bei uns wie Strafe und als Einschüchterung ankommt, hält er lediglich für ein Kommunikationsproblem, dass den Fans einfach nur besser erklärt werden müsse. Gut, das tue ich grade ;-) Aber selbst der Moderator nahm uns das Gegenargument ab, es würde sich ja nicht ausschliessen trotzdem eine Anhörung einzuführen und von DFB-Seite ein Prozedere einzuführen, dass den Vereinen vorgibt nach welchen Regeln SVs zu verhängen sind. Die aktuelle Regelung kennen wir ja ebenso wie daraus folgende abstruse Urteile mit langjährigen SVs für Kinkerlitzchen. Wenn eine Maßnahme von allen "falsch verstanden" wird, ist sie evtl. in der Form nicht sinnvoll. Herr Sengle blieb aber auf seiner formalen Argumentation unabhängig von den Wahrnehmungen der Betroffenen. Interessant war aber Herr Straub, der durchaus entgegenkommen signalisierte, und überhaupt an vielen Stellen weit konstruktiver als Sengle und Richter rüberkam und den Anschein erweckte, nach konkreten Lösungen zu suchen. Nach dem Tagesordnungspunkt wirkten die beiden vom DFB und OK etwas unwirsch, weil eigentlich alle am Tisch konstruktiver und entgegenkommender waren.

Zu 3) Ich nannte die oben beschrieben Befürchtungen (ohne "alles kacke" zu sagen ;-) ) bzgl. der WM 2006 und ein Beispiel aus Schalke, wo eine Gesetzesvorlage die Fankurve nur mit Blöcken a 2500 Personen erlaubt. Damit würden da dann Plexiglasscheiben in die Kurven gezogen, die natürlich alles an Stimmung und Atmosphäre kaputtmachen. Ich hab auch betont, dass uns bewusst ist, dass die WM aus verschiedenen Sichten gesehen wird, so als "Flaggschiff" für den Wirtschaftsstandort und zur Repräsentation des Landes usw. wir aber trotzdem unser Anliegen vortragen möchten, schliesslich ist das wesentliche -der Fussball- neben den beteiligten Spielern ein Anliegen der Fans und eine Veranstaltung für die Fans. Mit denen und um die wird ja auch gezielt geworben. Blabla, aber das Schlusswort hatte dann Schmidt. Er zählte noch einiges auf, unter anderem wiederholte er den Satz "dass man auf andere Gruppen zugehen möchte". Er macht also weiter an dem Kommerz- und Businesskonzept ? und da passen wir einfach nicht rein (das hat er nicht gesagt, das ist jetzt meine Meinung). Zudem wiederholte er, dass es (wenige) gewaltbereite Fans gibt, die ein Sicherheitsrisiko darstellen und dass die FIFA viele Auflagen stellt. Zudem müssen Kosten von 400 Mio Euro eingenommen werden NEBEN den TV und Marketinggeldern, die alle komplett an die FIFA gehen, und nur über Eintrittpreise eingenommen werden können. Dann gibt es die Expertise, dass höhere Eintrittspreise weniger Schwarzmarkt zulassen, weil wenn die Tickets günstiger sind, der Schwarzmarkt da noch drauflegt, also macht man etwas teurere Preise und der Schwarzmarkt kann keine hohen Gewinnspannen mehr erzielen. Trotzdem hat der DFB sich für die (von der FIFA abgelehnten) günstigen Kategorie-4 Tickets eingesetzt. Jetzt wissen wir aber, warum es nur so wenige günstige Tickets sind. Dann stellte Schmidt noch eine Forderung, dass die Fans manche ihrer ?Schmähgesänge? einstellen sollen weil diese Aggressionen schüren und (sinngemäß) dem Fussball schaden. Wir dachten alle, er wolle gegen das übliche Gepöbel ("Arschloch"-Rufe etc.) anprangern, aber er nannte ein Beispiel als in Holland ein Spiel auf der Kippe zum Spielabbruch stand weil es von deutscher Seite üble Skandierungen gab. Da er die letzte Wortmeldung hatte, konnte da keiner leider mehr nachhaken. Jens meinte aber hinterher, dass er wohl "Hamas, Hamas, Ajax ins Gas"-Sprechchöre gemeint haben könnte (das Spiel war übrigens 1996 und im Block, aus dem das kam, waren Hunderte Nazis und Hools, aber kleine einzige Deutschlandfahne oder andere Fanutensilien. Es spricht für wenig Schmidts Verständnis der Fanszenen wenn er uns in der Runde mit über 7 Jahren alten Geschichten von Nazi-Ausfällen -und eben keinen Fans aus der BL- konfrontiert um seine aktuelle Politik zu rechtfertigen). Aber mit Forderungen, so etwas aus Fankurven zu verbannen, rennt er bei BAFF offene Scheunentore ein. Schade, dass das nicht mehr beantwortet werden konnte. Schade auch, dass BAFF trotzdem beim DFB nicht grade "in" ist...

Schön war aber, dass sich viele, vor allem Manthey, Straub und Rollmann (der mir seine Karte gab, als ich ihn mit "jetzt muss ich mal unserem Europapokalsieger die Hand geben" begrüsste) dahingehend äusserten, dass sie gerne eine Fortführung der Kommunikation wünschten. Rollmann bat sogar explizit darum, dass sich Fans bei ihm einbringen für das Konzept zur Fanbetreuung/Organisation zur WM2006, an dem er mitarbeite und das diesen Sommer fertig sein muss. Natürlich arbeitet Rollmann da nicht alleine dran, aber ich sehe wenigstens die Chance an konkreten Punkten mitreden zu dürfen bzw. Meinungen dazu abzugeben.

Fazit:
DFB und OK 2006 haben sich keinen Millimeter bewegt; DFL und Sicherheit sind zumindest an der Verbesserung der Situation interessiert. Leider hat keiner der Gruppen verstanden, dass die Fanszenen, vor allem die angebliche Kategorie-B (also potentiell Kat-C) Szene der Ultras, etwas komplett anderes ist als die Hooliganszenen der 80er Jahre.
Aus meiner Sicht war das Gespräch eine Möglichkeit zur verbesserten Kommunikation zwischen Fans und Sicherheitsinstitutionen sowie den Chef-Funktionären. Nicht mehr und nicht weniger, ich habe nicht erwartet, dass da unsere Ansichten sofort verstanden und umgesetzt werden. Ich habe aber gehofft, dass von den anderen Seiten ein Entgegenkommen bzgl. des Verständnisses unserer Anliegen und Befürchtungen passiert. Dies war leider nur zum Teil der Fall, und man kann noch nicht sagen, ob das geäusserte Entgegenkommen und der Wunsch nach weiterer gemeinsamer Kommunikation auch ernst gemeint war und in naher Zukunft erfüllt wird.
Positiv gesehen wurde wenigstens ein Kontakt aufgebaut und eine Kommunikation begonnen. Es liegt auch an uns, diese aufrechtzuerhalten und uns weiter anzubieten, ich würde sogar vorschlagen, dass die Fanorganisationen gehörig nerven sollten um nicht aus Bequemlichkeit "übersehen" zu werden. Wenn die anderen Seiten unsere Angebote ablehnen oder versuchen uns nur zum Schein einzubinden, werden wir das sofort abbrechen und (sowieso!) weiter protestieren und unbequem bleiben. Der von DFB und OK eingeschlagenen Weg macht uns jedenfalls den Fussball kaputt bzw. drängt uns aus den Kurven, die eher für Kunden des Fanclub Nationalmannschaft und Samstagnachmittags einkaufende Familien vorgesehen sind.

gwg,
Matze, www.egalwie-werdergewinnt.de
Südländer
Will mich zuerst ganz schnell für die sehr ausführliche Information bedanken! Bevor ich mehr sagen kann, muss ich noch ein bisschen nachdenken 8) , aber zwei Fragen hätte ich schon:

In der Presse war nach dem Treffen zu lesen, dass die Geprächsangebote in Richtung regionale Treffen gegangen seien. Ist das so zu verstehen, dass sich die jeweils aktiven Pro Fans-Leute oder evtl. Fanprojekte mit der lokalen Polizei/Ordnungsdienst/Verein treffen? Immerhin waren es nun ja eher überregional zuständige Einzelpersonen, die sich einigermaßen offen gezeigt haben. In weiteren Gesprächen mit genau diesen Leuten ließe sich kurzfristig doch vielleicht mehr erreichen. Ein Zuständiger der z.B. Bremer Polizei hört sich die Argumente wahrscheinlich eher an, wenn sie über jemand wie Manthey vorgetragen werden als durch die hier versammelten "Sicherheitsrisiken".

Und dann: Wie stellt Ihr Euch die weitere Vorgehensweise vor? Wird die im Bellevue vertretene Gruppe sich weiterhin abstimmen? Wird es allgemein über Pro Fans/BAFF o.ä. laufen? Gibt´s schon Pläne?
mazzo
woher die Presse das mit den regionalen Treffen hat weiss ich nicht, aber manche Presseleute, inkl. der Presseerklärung des DFB, schrieben ja auch von der Initiative "pro-Verein" Jedenfalls hat das uns gegenüber keiner zugesagt, evtl. in Einzelgesprächen empfohlen (und damit natürlich auch die Verantwortung weitergeschoben). Trotzdem sollte auch regionale, viel eher aber lokale, Kommunikation passieren. Damit lassen sich aber bundesweite Vorgaben (z.B. das SV-prozedere) nicht ändern. Es kann aber natürlich nix schaden, wenn man sich mit seinen "Pappenheimern" vor Ort bespricht, so die das denn auch wollen und zuhören...

und bzgl. der anderen Frage: Wie, wo und mit wem (auch von wem) weiter geredet wird müssen wir sehen. BAFF hat nächstes WE sein Wintertreffen in Oer-Erckenschwick, wo das u.a. auch diskutiert wird und die Mitglieder der PROFANS-Mailingliste werden sich wohl auch noch zu dem Bericht äussern. Ich persönlich werde versuchen bei Rollmann am Ball zu bleiben (Der wohnt ja jetzt auch in Berlin) und einfach mal gucken was passiert.
Schiffmeister
Jo, auch von mir vielen Dank für den ausführlichen Bericht.

Hoffentlich war das mit den "weiteren Gesprächen" nicht nur irgendeine Floskel, die beruhigen sollte. Wir werden sehen.
mazzo
Hier ist auch noch ein ausführlicher und guter Bericht:
http://www.schwatzgelb.de/artikel.php3?welcher=3882
sogar mit Fotos, die wir dort gemacht haben.