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Original von UTB-Schiffmeister
Das hatte ich schon fast befürchtet. Ich hatte mich schon gewundert bzw. gefreut darüber, wie ein Außenstehender soviel Sachverstand an den Tag legen kann. Naja, einerseits schade, aber andererseits sitzt da natürlich genau der Richtige und man kann davon ausgehen, dass diese hinterfragenden Beiträge von bleibender Dauer sind... |
Wobei er seit einigen Jahren eh nur noch passives Mitglied ist. Nach seiner eigenen Aussage hat er persönlich das Interesse an Fankultur in den letzten Jahren ein wenig verloren. Daß er kein BAFF-Sprachrohr ist, sieht man allein daran, daß er mit keinem Wort erwähnt, wer das Buch herausgibt. Aber das ist ja auch okay, sonst würde das schon an Schleichwerbung grenzen.
Übrigens ist mir gerade aufgefallen, daß das Rau-Grußwort im oberen Posting abgeschnitten ist. Darum nehme ich es da oben ganz raus und häng es hier nochmal komplett ran:
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http://www.bundespraesident.de/
Grußwort des Bundespräsidenten zur Eröffnung des Gesprächs zwischen
Fußballfans und den für die Sicherheit im Fußball Verantwortlichen
Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort.
Herzlich willkommen im Schloß Bellevue!
Ich begrüße hier nicht wenige Staatsoberhäupter, Regierungschefs,
Verantwortliche aus Politik und Gesellschaft und führe Gespräche mit
vielen Bürgern und Vertretern von Institutionen und Initiativen.
Dass aber heute Fußballfans aus der ersten und zweiten Bundesliga und
aus den Regionalligen hier sind, das ist eine Premiere.
Leider ist kein Fan des Wuppertaler SV dabei - immerhin ist der WSV
Spitzenreiter der Regionalliga Nord.
Aber ich freue mich darüber, dass heute Fans gemeinsam mit Polizisten,
Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball
Liga, mit Sozialarbeitern aus Fanprojekten, mit Fanbeauftragten und
mit Mitarbeitern von Vereinen meiner Einladung ins Schloss gefolgt
sind.
Der eine oder andere mag sich fragen, wieso sich der Bundespräsident
für Fußballfans interessiert. Warum er einige von ihnen gemeinsam mit
Verantwortlichen aus der Fußballwelt einlädt, um sie ins Gespräch zu
bringen.
Auf diese Fragen könnte ich Ihnen schlicht mit ein paar Zahlen
antworten:
Über fünfeinhalb Millionen Zuschauer saßen und standen in der gerade
abgeschlossenen Hinrunde der Fußball-Bundesliga auf den Rängen in den
Stadien. Das sind im Durchschnitt rund 37.000 Menschen pro Spiel. Das
ist Rekord.
Über die Hälfte der Deutschen sind fußballbegeistert - ich gehöre
dazu.
Ich könnte Ihnen jetzt noch die Einschaltquoten von Länderspielen der
Nationalmannschaft nennen, aber ich denke, dass Sie auch so verstehen,
warum Politiker oft so beeindruckt sind von der emotionalen Kraft des
Fußballs, von der Hingabe und der Gefolgstreue der Fußballbegeisterten
- auch in schlechten Zeiten.
Allein diese Zahlen und die Tatsache, dass der Fußball nun mal,
zumindest in Deutschland, das Mannschaftsspiel ist, wären also Grund
genug für das Interesse des Bundespräsidenten an den Fußballfans.
Es gibt aber wichtige andere Gründe, warum ich Sie eingeladen habe:
"Reden wir über Deutschland" war das Motto meiner Sommerreise im
letzten Jahr, bei der ich mit Gruppen junger Menschen aus ganz
unterschiedlichen Arbeits- und Lebenssituationen gesprochen habe.
Ich wollte viel von ihnen wissen und sie auch von mir. Wir haben über
Politik und über die Zukunft Deutschlands gesprochen und diskutiert.
Bei allen Unterschieden zwischen den Gruppen, eines war fast allen
jungen Menschen gemeinsam: Sie haben wenig Vertrauen in die Politik,
in Parteien und Institutionen.
Ich habe gut zugehört. Aber ich habe nicht nur zugehört. Ich habe der
Jugend in unserem Land auch meine Meinung gesagt. Ich habe ihnen
gesagt: "Mischt Euch ein, macht mit, engagiert Euch. Wer nicht
handelt, der wird behandelt!"
Ich will, dass die Generation, die einmal Verantwortung tragen wird,
begreift, dass Verdrossenheit und Ohnmachtgefühle kein einziges
Problem lösen. Wer will, dass sich etwas verändert, der muss etwas
dafür tun.
Eine Station auf meiner Reise war das Dortmunder Westfalenstadion.
Dort habe ich mit BVB- Fans gesprochen, zwei von ihnen sind heute mit
dabei.
Das war ein ganz besonderes Gespräch. Nicht nur, dass die Fans so gar
nicht dem Klischee entsprachen, das ihnen so oft in den Medien
verpasst wird, sie haben mir auch einen Satz mit auf den Weg gegeben,
der mich beeindruckt und gefreut hat: "Wir müssen aus Zuschauern Fans
machen!"
"Aus Zuschauern Fans machen!", das heißt ja wohl, mitzumachen, sich
einzubringen und das ganze Stadion mitzureißen: als "Zwölfter Mann"
die eigene Mannschaft friedlich und einfallsreich zu unterstützen - in
guten wie in schlechten Zeiten - und sich das auch etwas Kosten
lassen, Zeit und Geld.
Auf solche Fans kann jeder Verein stolz sein. Sie sind das größte
Kapital, das ein Verein haben kann. Sie schaffen die unvergleichbare
Atmosphäre, ohne die der Fußball nicht die Attraktion wäre, die er
ist.
Das sollten wir bei all den Fragen nach der Wirtschaftlichkeit und der
Fernsehtauglichkeit im Fußball nicht vergessen.
Ich habe damals im Sommer erfahren, dass Fans eben mehr sind als nur
Beobachter eines Spiels. Und ich wünschte mir, dass es nicht nur in
den Stadien, sondern in ganz Deutschland weniger Zuschauer und mehr
Fans gibt, die sich für unser Land und damit für ihre eigene Zukunft
engagieren.
Die Fans in Dortmund haben mich gebeten, etwas zu tun, um das
Verhältnis zwischen Sicherheitskräften und Fans im Stadion zu
verbessern.
Das habe ich ihnen versprochen, und darum sind Sie und darum bin ich
heute hier.
Wir haben in der Vergangenheit erlebt, dass es Chaoten gibt, die den
Fußball dazu missbrauchen, Gewalttaten zu verüben. Darum ist es
richtig und notwendig, diese Straftaten zu verhindern.
Jeder Gewalttäter schadet dem Fußball und unserem Land.
Bei all den Maßnahmen, die den Fußball sicherer machen, müssen wir
freilich darauf achten, dass die friedlichen Fans ihre Mannschaft
weiterhin mit Begeisterung und Einfallsreichtum unterstützen können.
Gewalttäter und aktive, friedliche Fans dürfen nicht in einen Topf
geworfen werden.
Bei meinem Gespräch in Dortmund hatte ich den Eindruck, dass die Fans
das Verhalten der Sicherheitskräfte oft nicht verstehen, das ihnen
manches Mal im Stadion und im Umfeld des Stadions begegnet.
Daher bin ich dankbar dafür, dass der für Sport zuständige
Bundesinnenminister, der Präsident der Deutschen Fußball Liga und der
Vize-Präsident des Organisationskomitees für die
Fußball-Weltmeisterschaft 2006, der zugleich auch der Generalsekretär
des DFB ist, meine Initiative unterstützen und heute anwesend sind.
Sie unterstreichen damit, wie wichtig auch ihnen um der Sache willen
der Dialog mit den Fans ist.
Ich wünsche mir und Ihnen einen offenen, einen echten Dialog. Sie
haben alle Zutaten, die man dafür braucht: die notwendigen Fachleute,
einen guten Gesprächsleitfaden und einen hervorragenden Moderator, dem
ich ganz herzlich dafür danke, dass er diese nicht ganz leichte
Aufgabe übernommen hat.
Aus meiner Erfahrung darf ich Ihnen etwas mit auf den Weg geben, das
sich in meinen Gesprächen immer bewährt hat:
"Die Bereitschaft in einen Dialog einzutreten, setzt die Einsicht
voraus, nicht allein im Besitz der ganzen Wahrheit zu sein - der
andere hat in manchem vielleicht auch Recht."
In diesem Sinne wünsche ich mir, dass das Gespräch, das Sie heute hier
führen wollen, dazu beiträgt, das Verhältnis zwischen Fußballfans und
Sicherheitskräften so zu verbessern, dass ein möglichst
vertrauensvolles und vorurteilsfreies Miteinander entsteht.
Diese Atmosphäre brauchen wir, wenn in 876 Tagen die 2.
Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland beginnt.
Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist auf den ersten Blick ein
gigantisches Sportereignis und ein nicht zu unterschätzender
Wirtschaftsfaktor. Auf den zweiten Blick aber ist eine
Fußball-Weltmeisterschaft viel mehr. Sie ist für unser ganzes Land
eine große Chance.
Milliarden Menschen auf der ganzen Welt werden für vier Wochen im Jahr
2006 auf Deutschland schauen.
Gemeinsam mit den vielen Gästen, die wir bei uns begrüßen dürfen,
werden sie sich ein Bild machen nicht nur vom deutschen Fußball,
sondern von uns Deutschen und von unserem Land.
Die Zuschauer und die Gäste aus allen fünf Kontinenten werden dies
Bild von unserem Land mit nach Hause nehmen.
Was sie da gesehen und gehört, gelesen oder selber erlebt haben, wird
auf lange Zeit ihr Bild von Deutschland prägen.
Darum müssen wir uns Gedanken darüber machen, welche Bilder von
Deutschland mit der Fußball-Weltmeisterschaft in die Welt gehen
sollen.
Wie diese Bilder aussehen, das liegt in unserer Hand. Dazu kann jeder
von uns etwas beitragen.
Ich fände es schön,
- wenn viele Bürger den Fußballfans aus aller Welt das Gefühl gäben,
dass sie zu Gast bei Freunden sind,
- wenn Städte Patenschaften für die Nationalmannschaften übernähmen, die
bei ihnen wohnen,
- wenn Familien ihre Häuser für Gäste öffneten,
- wenn deutsche Fans und Fans aus anderen Ländern miteinander feierten.
Wenn uns das gelingt, dann können wir in nur einem Monat unendlich
viel über unser Land erzählen.
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist eine einzigartige Gelegenheit, um
der Welt das moderne, weltoffene Deutschland zu zeigen.
"Die Welt zu Gast bei Freunden" das ist das Motto der
Fußball-Weltmeisterschaft. Ein gutes Motto, mit Bedacht gewählt, ein
Motto, das uns als Gastgeber in die Pflicht nimmt - den
Bundespräsidenten genauso wie den Fußballfan, den Sportfunktionär, den
Polizisten, jeden einzelnen Bürger unseres Landes.
Deshalb ist es mir wichtig, dass Sie heute hier sind, denn gute
Gastgeber können Sie nur gemeinsam sein: die Fans gemeinsam mit den
Ordnungskräften.
Nur gemeinsam können Sie dazu beitragen, dass dieses herausragende
Ereignis zu einem Fest der Freude, der Begeisterung und der
Gastlichkeit wird, zu einem Fest, bei dem wir Deutsche ein gutes Bild
abgeben.
Ich wünsche uns, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu einer
Sache aller sportbegeisterten Deutschen wird, dass sie getragen wird
von einem Geist der Fairness und von einer Begeisterung, die uns
gegenseitig und die unsere Gäste ansteckt.
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