15 Wortführer der Ultras von Eintracht Braunschweig erhalten Stadionverbot

Luigi
Wortführer der Ultras dürfen für lange Zeit nicht mehr ins Stadion
Konflikt zwischen Eintracht und Fußball-Fanatikern verhärtet – Polizei: Sie sind aus der Anonymität herausgelöst
Von Jörg Fiene

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Fußball-Drittligist Eintracht Braunschweig wird 15 führenden Köpfen der sogenannten Ultras langfristige Stadionverbote erteilen. Zahlreiche weitere Angehörige dieser Fangruppe dürfen Heimspiele nur noch unter Auflagen besuchen.

Krisenstimmung bei Eintracht. Seit drei Tagen beraten die Verantwortlichen des Klubs mit Polizei und Fanprojekt über die Geschehnisse während des Heimspiels am Sonntag gegen Rot-Weiß Erfurt – und die Konsequenzen. Wie gestern berichtet, hatte die Polizei Platzverweise gegen 119 Mitglieder der Ultras erteilt. Überwiegend gegen Jugendliche und Heranwachsende – zwei von ihnen gerade 13 Jahre alt.

Die Strafen

Sitzblockade an der Nordkurve, Protestmarsch um die Ränge, dazu der Versuch, im Pulk auf die Haupttribüne zu drängen, megaphon-verstärkte Beleidigungen gegen Eintrachts Sicherheitsbeauftragten und die Polizeibeamten. Für Eintracht-Geschäftsführer Sören Oliver Voigt klare Verstöße gegen die Hausordnung, die Stadionverbote gegen die Wortführer rechtfertigten.

Was der Klub unter "langfristig" versteht, sei noch nicht abschließend beraten, erklärt Sicherheitsbeauftragter Bastian Böhm gestern. Für den Großteil der Gruppe heißt es künftig Fußball auf Bewährung. Sie dürfen ins Stadion, müssen sich aber an Auflagen halten.

Polizei-Einsatzleiter Gerhard Radeck erhofft sich aus der abgemilderten Strafe auch erzieherische Effekte. Voigt verspürt die vage Chance, die zumeist Jugendlichen wieder in die herkömmliche Anhängerschaft eingliedern zu können.

Sicher ist: Alle 119 polizeilich Erfassten werden im Kommissariat Nord vorsprechen müssen. "Bei den Minderjährigen haben wir auch die Eltern vorgeladen. Sie alle sind jetzt aus der Anonymität herausgelöst, sind auch bei Auswärtsspielen den dortigen Einsatzkräften bekannt", so Radeck, der gestern polizeiliche Äußerungen widerrief, wonach die Ultras in die Kategorie von Gewaltfans oder Hooligans einzureihen seien.

Der Polizeieinsatz

Unumstößlich stehen Radeck und Einsatzdienstleiter Uwe Harm hinter dem Vorgehen der Polizei. In Internetforen wird den Beamten und Ordnern der Eintracht unter anderem vorgehalten, sie hätten wahllos zugetreten und die Gruppe bei praller Sonne über eine Stunde lang eingekesselt.

Radeck sagt: "Es ist alles per Video dokumentiert. Es ging keine Gewalt von der Polizei aus. Das liegt alles bei der Staatsanwaltschaft. Natürlich kam es zu Konfrontationen mit den Ordnern, als die Gruppe den Block 3 stürmen wollte. Das ist nachvollziehbar." Das Einkreisen der Gruppe habe allein dazu gedient, die spätere Identifizierung sicherzustellen. Radeck: "Das war in 20 Minuten erledigt."

Der Konflikt

Der Kern des Konflikts aber ist längst nicht erreicht. Verein und Fanprojekt erwarten ein Entgegenkommen der Ultras, die wiederum sehen den Klub im Zugzwang. Ausgang ungewiss.

Es geht in der Südkurve um unvereinbare Fanphilosophien, Auftreten, ständiges Fahnengeschwenke, unendliche Gesänge und Bierbecher-Würfe. Ultras und andere Fans in Block 9 vertragen sich nicht miteinander.

Gerade in der letzten Spielzeit häuften sich die Auseinandersetzungen – auch mit gewalttätigem Ausgang. Die Ultras beanspruchten deshalb Block 15 in der Nordkurve für sich – in Nachbarschaft zum Block der Gästefans. Provokationen programmiert, fürchtet Voigt. Deshalb lehnen Klub, Polizei und Fußball-Bund den Umzug der Ultras ab. Dagegen richtete sich der Protest am Sonntag. Der Verzicht auf eine Sonderbehandlung der auf 200 Mitglieder geschätzten Fangruppe löste gestern auch beifällige Internet-Einträge beim Eintracht-Anhang aus.

Die Ultras

Die Ultra-Bewegung hat ihre Wurzeln in Italien. Die Braunschweiger Mitglieder bezeichnen sich auf ihrer Internetseite als leidenschaftliche und fanatische Fußballfans. Politische Botschaften gegen Kommerzialisierung, das gezielte Zugehen auf Jugendliche, das Streben nach "omnipräsenten Idealen", wie es im Internet heißt, sowie ihre ausgeprägte optische und akustische Präsenz in Stadien werden kritisch diskutiert. Polizeibeamter Harm spricht von einer klaren Struktur der Braunschweiger Gruppierung, mit gebildeten Köpfen als Antreiber.

Philipp Eitel (38) ist einer der Braunschweiger Ultras. Er hält Eintracht in der aktuellen Situation mangelnde Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft vor. Die Ultras seien angesichts der "für alle Beteiligten unerträglichen Zustände" in der Südkurve initiativ geworden, hätten selbst eine Alternative vorgeschlagen. Das Sicherheitsproblem sei von den Eintracht-Verantwortlichen indes heraufbeschworen worden. Die Stadionverbote bezeichnete der Rechtsanwalt als lächerlich: "Man wird das gegebenenfalls gerichtlich überprüfen lassen müssen." Wer im Fanblock eines Stadions Fußball in aller Ruhe schauen will, sagt er, der sei am falschen Ort.

Das Ticket-Chaos

Viele konnten gar nicht oder erst verspätet die Eintracht am Sonntag sehen, weil sie vor dem Stadion standen und erst nach Anpfiff Kartten kaufen konnten. "Das war kein Versagen des Ticketverkaufs oder am Einlass. Das war eine gezielte Sicherheitsaktion, die wir aus strategischen Gründen vorher nicht ankündigen konnten. Wir wussten, dass die Ultras eine Aktion planen, und mussten sicherstellen, dass sie auf dem Stadiongelände sind, bevor wir weitere Karten ausgeben konnten", erklärte Voigt das Chaos vor den Kassenhäuschen.


Freitag, 08.08.2008

Quelle: www.newsklick.de
nucleo
Luigi
dann mal schnell in den mülleimer mit diesem sräd.